Fundstücke rund um den Garten
Welche Rolle der Garten im Alltag der Menschen gespielt hat und auch heute noch spielt, erfährt man oft aus kleinen Nebensätzen, Randnotizen oder nebensächlichen Passagen in Zeitschriften und Büchern. Ob nachdenkenswert, hilfreich, kurios, skuril, lustig oder verwunderlich, hier werden wir nach und nach unsere Trouvaillen veröffentlichen.
Haben Sie auch einen ungewöhnlichen Fund gemacht? Dann freuen wir uns sehr, wenn wir ihn mit Quellenangabe mitteilen dürfen.

Heinrich Heine und die Pomologie
Beim Studium der unverdächtigen Klassiker kann man interessante Entdeckungen machen:
"Du siehst, mein holdes Kind, wie wir vermählen
Den edlern Sproß dem allerwildesten Stamm;
Befruchten so die Kinder schlechtrer Art
Durch Knospen edler Frucht; dies ist 'ne Kunst
Die die Natur verbessert, mind'stens ändert:
Doch diese Kunst ist selbst Natur."
(Wintermärchen, IV.3.)
Das Eichhörnchen ist das Gartentier des Jahres 2011
3.000 Internetnutzer haben in einer Umfrage der Heinz-Sielmann-Stiftung das Eichhörnchen zum beliebtesten deutschen Gartentier gekürt. Bei der Abstimmung hätten sich 29 Prozent der Teilnehmer für das Nagetier entschieden, teilte die Stiftung mit. Der Buchfink kam auf den zweiten, der Regenwurm auf den dritten Platz. (Welt am Sonntag, 22.05.2011)
Bedauerlicher Weise habe ich da vor kurzem eine traurige Beobachtung machen müssen: Nach tatsächlich über eine Stunde dauerndem Ansitz hatte eine Nachbarskatze Erfolg und erwischte ein an einem Baumstamm hinauf und hinunter tollendes rotes Eichhörnchen, das sich dieser Gefahr wohl nicht bewusst war. So ist das Leben. Eine weiter Nachbarskatze hätte hier und bei Vögeln wenig Erfolg: Sie trägt ein Glöckchen um den Hals.
Hobbygärtner sind gesund
Gartenarbeit fördert offenbar die Gesundheit. Gerade bei Senioren steigert Gärtnern das Wohlbefinden, so das Resultat einer niederländischen Studie. Die Forscher der Universität Wagingen untersuchten 121 Hobbygärtner und 63 Nachbarn ohne Garten.Resultat: Von der Gartenarbeit profitierten vor allem Menschen im Alter über 60 Jahren. Sie Fühlten sich gesünder, waren weniger gestresst und gingen seltener zum Arzt. Die Forscher führen dies in der Zeitschrift "Environmental Health" auf die körperliche Aktivität zurück. "Unsere Resultate liefern den ersten direkten Hinweis darauf, dass Schrebergärten der Gesundheit nutzen", sagt Studienleiterin Agnes van den Berg. "Ein Garten fördert anscheinend einen aktiven Lebensstil und unterstützt damit das Wohlbefinden im Alter." (Gesund-Magazin, 12.12.2010)
Schutzpatron der Gärtner ist der Heilige Stankt Fiacrius.
Fiacrius wurde um 610 in Irland geboren (wo er in der Gegend von Kilkenny noch heute verehrt wird), arbeitete als Priester und verließ seine Heimat in Richtung Frankreich, um allein mit sich und seinem Glauben zu sein. Als ihm von Faro, dem Bischoff von Meaux in Nordfrankreich ein Waldstück für seine Einsiedelei zugewiesen wurde, berührte Fiacrius den Boden mit einem Stab und machte ihn so zu einem wunderschönen Garten. Erzählt zumindest die Legende. Kein Wunder also, dass aus seiner Einsiedelei in der Nähe des nordfranzösischen Meaux mit der Zeit ein Kloster wurde. Und kein Wunder, dass ihn diese Fähigkeit zum Patron der Gärtner prädestinierte.
Falls Sie also wieder einmal an Ihrem Garten verzweifeln, vielleicht erbarmt sich Sankt Fiacrius Ihrer. Vergessen Sie dann allerdings nicht, bei Ihrem nächsten Besuch in Meaux eine Kerze in der Kathedrale für ihn anzuzünden. Dort werden seine Gebeine seit seinem Tod am 18. August 670 aufbewahrt.
Zum Namenspatron des Wiener Fiakers wurde er rein zufällig, weil 1000 Jahre später die Pariser Pferdefuhrwerke ihren Standplatz vor dem „Hôtel St. Fiacre“ hatten.
Anscheinend ist er aber nicht für die Gärtnerinnen zuständig:
Mann ertränkt Ehefrau nach Streit um Gartenarbeit
Nürnberg - Nach einem gemeinsamen Tag im Schrebergarten soll ein Mann (69) seine Ehefrau (65) in der Badewanne ertränkt haben. Jetzt steht der Ehemann wegen Totschlags in Nürnberg vor Gericht. Angeblich hatten sie sich über die Gartenarbeit gestritten. Die Frau soll den ganzen Tag geschimpft haben, dass er zu wenig helfe. (BILD, 02.12.2009)
Wie das Gerichtsverfahren für den Mann ausgegagen ist, wissen wir nicht. Für die sterblichen Überreste der Frau gilt jedoch::
Gericht verbietet Urnen im Garten
Koblenz - Eine Urnenbeisetzung im eigenen (Vor)Garten ist verboten. Das entschied das Oberverwaltungsgericht in Koblenz (Rheinland-Pfalz). Der bloße Wunsch, auf dem eigenen Grundstück beerdigt zu werden, rechtfertige keine Ausnahme vom Friedhofszwang. Ein Rentner (75) hatte geklagt, weil er auf seinem eigenen Grundstück beigesetzt werden wollte. (BILD, 19.02.2010)
„… doch sollte man meinen, dass kaum ein zweiter Lebensberuf geeigneter zur Erziehung geistreicher und gebildeter Männer als gerade die Gärtnerei mit ihrer abwechslungsreichen Tätigkeit, ihren endlosen Forschungen und ihrem oft staunenswerten Eindringen in die geheimste Tätigkeit der Natur sein könnte …“ (Organ zur Hebung der gärtnerischen Interessen, 1882)
Garten-Archäologie
„Es waren nicht die Gärten von Babylon und auch nicht die der Semiramis. Doch die Anlage, die Forscher der Universitäten von Tel Aviv und Heidelberg nun nahe Jerusalem ausgraben, war einst ebenfalls beeindruckendes Symbol von Macht und Stärke. Die Forscher berichten in "Near Eastern Archaelogy", dass sie vor allem die Bewässerungsanlage des Ramat-Rachel-Gartens erstaunt: Offene Kanäle, geschlossene Tunnel, in Stein gemeißelte Abflussrinnen und ein System von Wasserfällen seien bisher außerhalb von Mesopotamien noch nicht entdeckt worden. Der Garten blühte wohl im siebten bis vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung.“ (FaS, 31.10.2010)
>Wann grosse Hitz ist/so begeuß die pflantzen dieweil jnen kein Begiessung von dem himel kompt.< (Georg Viescher, 1645)
›Interviewerin: „Catherine Deneuve hat mal gesagt, dass sie sich sehr gut vorstellen könne, als Gärtnerin Karriere zu machen.“ Michelle Pfeiffer: ”Oh, ich bezweifle zum einen, dass ich jetzt noch mal eine Karriere starten sollte. Gartenarbeit? Nun ja, das wäre außerdem nichts für mich. Wenn schon, dann wäre es sicher die Malerei.“ Interviewerin: „Das haben Sie sich gerade ausgedacht, oder?“ M.Pfeiffer: „Nein“.‹ (WaS, 23.08.2009)
„… denn es ist allemal sehr unangenehm, fremde Leute im Garten um sich zu haben, vorzüglich von der arbeitenden Klasse, welche auch nicht immer Blumenanlagen schonen.“ (Jakob Ernst von Reider, 1831)
Es gibt [aber] eine gute Möglichkeit, sich Nachbarn vom Leib zu halten: So entschied das Landgericht Coburg (Az.: 32S 23/09), dass beim Pflanzen von Elefantengras keine Mindestabstände zum Nachbargrundstück eingehalten werden müssen. Die bis zu 5 Meter hohe Pflanze sei nämlich weder Busch noch Baum, sondern Staudengewächs - dafür gelten die Grenzabstände nicht. (FaS, 23.08.2009)
"Tomaten, die noch unreif hängen,
die kann man nicht zum Reifen drängen.
Nimm eine Schere, mach schnipp-schnapp
und schneide sie samt Stengel ab!
Auf Deinem Boden unterm Dach,
da reifen sie gemächlich nach."
(Die lustige Kleingärtner-Fibel, 1947)
In seinem Buch “Stalin. Am Hofe des roten Zaren” berichtet der Autor, Simon Sebag Montefiore, auch davon, dass Stalin, der grausame und krankhaft misstrauische georgische Diktator, sich mit Hingabe seinem Garten widmete und mit eigener Hand das Unkraut zwischen seinen von ihm geliebten Blumen jätete.



