Bücher — Kunden — Gärten
Je länger und öfter wir mit alten Gartenbüchern in Berührung kommen, desto überzeugter sind wir, dass jedes Buch über die Zeit etwas von der Persönlichkeit jedes Besitzers in sich aufnimmt. Ein unsichtbares Band verbindet uns mit den Menschen, die das Buch vor uns in Händen gehalten und genutzt haben. Namen, Marginalien, Unterstreichungen oder handschriftliche Eintragungen beschäftigen unsere Phantasie immer wieder auf's Neue. Manchmal finden wir Notizzettel oder Zeitungsausschnitte, die unsere Gedanken fesseln. Wie kalt und unpersönlich ist dem gegenüber ein neues Buch!Besonders Gartenbücher regen dazu an, über die Gärten und Gartenprobleme vergangener Zeiten zu rätseln. Manchmal gelingt es sogar, Genaueres zu erfahren, etwa wenn es möglich ist, einen Namenseintrag mit einem Garten oder einem Amt in Verbindung zu bringen. Das sind Höhepunkte im Leben eines Antiquars.
So wie wir uns freuen, etwas über die Vergangenheit eines Buches herauszufinden, genauso neugierig sind wir aber auch auf die weitere Zukunft des Buches. Hier erfahren wir manches aus der Bestellung oder aus der E-Mail-Adresse. Aber besonders freuen wir uns natürlich, wenn unsere Kunden uns so am weiteren “Leben”des Buches teilhaben lassen und uns ihre Erlebnisse, Erfolge oder Gedanken mitteilen. Für dieses Vertrauen danken wir an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und Stöbern und laden Sie ein, auch Ihre persönlichen Beziehungen zu Gartenbüchern mit uns und unseren Kunden zu teilen.

Spannendes Ganzes durch Vielfalt. Ein Hausgarten im Artland
“Die Geschichte meines Gartens ist folgende: Ich hatte einen schwarzen Acker, auf dem ich mit den Füßen Konturen für Staudenbeete zog. Es war mir wichtig, diesen Garten nicht sofort in einem überblicken zu können.
Ich bin eine Anhängerin der Staudenrabatten in Bauerngärten und auch der riesigen englischen Borderlines. Nach Ziehen der Konturen ging ich im Haus nach oben und sah mir an, was ich gemacht hatte. Ich zeichnete es auf und erkannte, dass ich vier Engstellen drin hatte, an denen ich gut Rosenbögen aufstellen konnte. Diese Bögen schaffen in meinen Garten Sichtachsen in drei Gartenräume.
Für meinen Garten war direkt kein Gartenbuch richtungsweisend, sondern jede Menge Gartenzeitschriften. Da wären zu nennen: "Mein schöner Garten", die "Landlust" oder die Zeitschrift "Eden" und andere. Aus den Zeitschiften hatte ich gelernt, dass am Ende einer Sichtachse immer etwas besonderes stehen muss, auf das der Besucher zu wandert während er die einzelnen Räume entdeckt. Ich versuche in meinem Garten den Spagat eines zwar angelegten, aber gleichzeitig auch natürlich wirkenden Gartens hin zu bekommen. Ich versorge den Boden mit Kompost und organischem Dünger und arbeite in meinen Staudenbeeten mit der sogenannten "Schattengare", das heißt, ich pflanze Stauden so zusammen, dass sie sich gegenseitig an den Füßen beschatten und sich ein Mikroklima bildet, in dem sie sich wohl fühlen. Ich achte darauf, dass jede Pflanze die Lebensbedingungen vorfindet, die sie braucht. Einen "Sprenger" zur Versorgung mit Wasser gibt es bei mir schon lange nicht mehr. Falls nötig, wässere ich direkt am Fuß mit dem Schlauch und nicht über das Laub.
Profitiert hat mein Garten aber von meinem Grundwissen über die Zusammenhänge von einem guten, biologisch mit Kompost angereicherten Boden und dem richtigen Standort für jede einzelne Pflanze. Dieses Wissen habe ich aus dem Buch: Der Bio-Garten von Marie-Luise Kreuter (München, div. Auflagen), welches ich Anfang der achtziger Jahre geschenkt bekam und durch das ich auf den richtigen Weg gekommen bin. Damals betrieb ich noch einen Gemüsegarten. Da ich eine Anhängerin von Clematis bin, habe ich für ihre richtige Pflanzung und Pflege noch das Buch des Clematis-Züchters Friedrich M. Westphal aus Pinneberg. Clematis, Stuttgart, 2006).
Ein Buch, welches mich in den letzten Jahren sehr beindruckt hat, ist das Buch, das der englische Tronfolger Prince Charles in Zusammenarbeit mit Stephanie Donaldson herausgegeben hat: Highgrove, Königliche Biogärten. (Herford, 2007) mit Fotos von Andrew Lawson und David Rowley. Es ist ein sehr interessantes Buch über die Enstehung und Pflege eines organisch bewirtschafteten Gartens. Darinnen werden mehrere Gärten vorgestellt. Anschaulich wird dem Leser einiges an Grundwissen näher gebracht, so wird etwa versucht, ihn von den Zusammenhängen eines gesunden Bodens, der Grundlage einer guten Gesundheit seiner Pflanzen im Garten zu überzeugen. Dazu gehöt zu wissen, wie man mit einfachen Mitteln herausfindet, zu welchem Bodentyp der eigene Garten zählt und wie man ihn verbessern kann. Gleichzeitig enthält es eine Menge schöner Fotos, die dem Leser auch noch jede Menge an Anregung geben können. Ich finde, es ist ein sympathisch geschriebenes Buch eines Mannes, der erkannt hat, worauf es ankommt und dass jeder, der einen Garten hat, versuchen sollte, mit seinem Wissen und seinen Möglichkeiten ein bisschen dazu bei zu tragen, die natürliche Bewirtschaftung -aber gesteuert von den heutigen Erkenntnissen- wieder in unsere Gärten zu holen. Mir gefällt es jedenfalls sehr gut. Es macht Lust auf 'mehr'.” (Christine R.)
Zu meinem Garten geht's hier lang: Christines Garten
Strenge Formen und üppige Blüten
“Auch gegensätzliche Stile lassen sich in einem Garten harmonisch vereinen. Georg Möller und Achim Weitershagen, zwei Westerwälder Hobbygärtner, verraten im rheinland-pfälzischen Betzdorf auf 1.300 qm Grund wie es geht!
Bevor ein Gartenplan entstand, besuchten wir viele Gärten, um zu erfahren welcher Gartenstil zu uns passt. Es sind meist Privatgärten,
die zu realisierbaren Ideen inspirieren. Das Flair englischer Gärten faszinierte uns schon immer, wenn wir Gartenbücher und Magazine studierten. Wir haben uns zunächst umfangreiche Gartenliteratur besorgt, die uns bei Umsetzung des Wunsches nach dem eigenen Garten im englischen Stil sehr hilfreich war und uns bis heute begleitet. Immer wieder liefern uns diese Bücher Entscheidungshilfen und Ratschläge. Ganz besonders wertvoll sind uns die Klassiker von Sir Roy Strong. Auch die von Penelope Hobhouse angelegten Gärten sind ein wahrer Inspirationsquell. Das Gestaltungskonzept beruht ausschließlich auf eigenen Planungen, in deren Umsetzung sich unsere unterschiedlichen Vorlieben widerspiegeln. Der Vorgarten, "Jedermanns Freude", entstand im informellen englischen Cottagegartenstil. Im "Geheimen Garten" spielen dagegen Form und Symmetrie die Hauptrollen und unterstreichen die streng linearen Strukturen, basierend auf einem formalen Buchsgartenschema.
Das Konzept wird ständig verfeinert, denn fertig ist ein Garten nie. So bleibt die kreative Spannung erhalten, von der Garten und Besitzer leben!”
Wir haben die Aktion "Gärten im Westerwald öffnen ihre Pforten" ins Leben gerufen und öffnen seit 2007 jährlich unseren Privatgarten für Besucher.
Details zu den teilnehmenden Gärten und die Öffnungstermine finden Sie auf unserer Homepage:
oder schreiben Sie uns eine E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Gartenlektüre und ihre Wirkung.
“Das oftmals überraschende an Gartenbüchern ist, neben der Inspiration die sie vermitteln können, für mich der Moment in dem ich lese was ich selbst auch so fühle. Das ist wie ein Erkennen des Anderen. Dieser Gärtner, der dieses Buch geschrieben hat, fühlt in diesem oder in jenem Punkt genau so wie ich selbst. Manchmal kommt es auch vor, dass man erstmals etwas richtig erkennt wenn man es schwarz auf weiß vor sich hat.
So erging es mir kürzlich mit einem Gartenbuch.
Ich denke es war John Brookes, der mich inspirierte, denn im Buch beschreibt er ein bisschen seine eigene Entwicklung als Gartengestalter. Andererseit bin ich ein großer Conran-Fan, den ich für seine klaren Formen und seiner Praktizität die er in seinen Büchern vermittelt sehr bewundere.
Ich erkannte: Mein Garten ist ein Versuch mit der Farbe grün zu spielen, er ist ein Versuch durch harmonische Gestaltung, durch die formalen Strukturen mein spezielles Kunstwerk zu schaffen. Ich habe mit einem Mal begriffen: Ja, für mich stehen nicht die einzelnen Blüten, die Farbharmonie an erster Stelle. Für mich hat die Gesamtheit, das Ganze, das Gestalten, die Komplexität der Gartenanlage allererste Priorität. Zuerst das Haus bauen, dann es einrichten so ähnlich hat es der Autor dieses Gartenbuches beschrieben. Sicherlich kommt es oft vor, dass sich ein Gartenmensch in seiner auserwählten Gartenlektüre wiederentdeckt. Natürlich erinnere mich noch gut daran, vor Jahren ganz anders begonnen zu haben, etwa so wie ein junger Student, der sich zuerst mal um die Möbel kümmert und dann seine Bude sucht. Ich sammelte damals auch wild durcheinander Blumenstauden ohne zu beachten wo diese alle zukünftig Zuhause sein sollen. Und da bin ich auch schon wieder bei einer meiner liebsten und wahrhaftigsten Gartenweisheit:
Der Garten ist ein Weg. Der Garten das bist du!” (Margit K.)
Ich freue mich über Ihren Besuch in meinem Garten:Garten für Elise
Gartenkunst im Baltikum am Beispiel Tallinn (Reval)
“Als Kunsthistoriker beschäftige ich mich mit der Gartenkultur Tallinns im 18ten Jahrhundert, wobei mich neben der Gartengestaltung besonders interessiert, welche exotischen Pflanzen -aus Amerika oder Afrika- bereits zu dieser Zeit in den Gärten anzutreffen waren.
Hier bieten einige Bibliotheksverzeichnisse deutschbaltischer Kaufleute und Gutsbesitzer wertvolle Anhaltspunkte, wenngleich die Bücher selber fast vollständig von den Deutschbalten im Zuge der Repatriierung 1939 mitgenommen wurden. Daher habe ich mich gefreut, die “Theorie der Gartenkunst” von Christian Cay Lorenz Hirschfeld hier in der Bibliotheca Botanica zu finden, die ich im Nachlass eines deutschen Kaufmannes nachweisen konnte. So hoffe ich, dass es gelingt, schrittweise wieder einen Bestand an deutscher Gartenliteratur in Tallinn aufzubauen.
Neben Veröffentlichungen in estischer Sprache etwa: ›Aknad ajatusse maailma. 19.sajandi baltlaste visandid parkidest Tallinnna Linnamuuseumi kunstikogus ja pargikirjeldused baltisaksa ilukirjanduses‹ (Fenster in die zeitlose Welt. Skizzen von Parkanlagen des 19ten Jahrhunderts in der Kunstsammlung des Tallinner Stadtmuseums und die Schilderungen der Parkanlagen in der deutschbaltischen Literatur) habe ich unter dem Namen Hortus Revaliensis eine Mappe mit 10 Reproduktionen von Gärten des alten Reval veröffentlicht, die auch in englischer Sprache kommentiert sind. Die Auswahl umfasst öffentliche Parke, Stadtgärten und Nutzgärten.” (Risto Paju)
Informationen zum Tallinn Museum finden Sie hier: Linna Museum Tallinn



