Unsere Preisgestaltung
An dieser Stelle möchten wir Ihnen einen Einblick in die Preisfindung und Preisgestaltung gebrauchter Gartenbücher geben und Sie darüber informieren, welche Faktoren regelmäßig und im Einzelfall zu beachten sind. Wir hoffen, dass Ihnen dieser Einblick in den Antiquariatshandel etwas Spaß macht und würden uns freuen, wenn wir Ihnen damit bei Ihren zukünftigen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen weiterhelfen könnten.
Etwas zum Nachdenken zur Einführung
Hermann Helfert, der Erfinder des heute unentbehrlichen "Multi-Topfes", ermöglicht uns einen interessanten Rückblick auf die Veränderung der Relation zwischen Kaufkraft und Buchpreisen im Zeitablauf. 1928 erwarb er das Buch "Die Praxis der Schnittblumengärtnerei" druckfrisch im Buchhandel. Dankenswerter Weise schrieb er damals die abgebildete Notiz und klebte sie in den Vorsatz des Buches.
Unterstellen wir für die heutige Zeit nur den moderaten Stundenlohn von 10 Euro, so müsste bei gleich gebliebener Kaufkraft der Neupreis des Buches heute etwa 500 Euro betragen. Tatsächlich ist jedoch bei einem Fachbuch dieser Bedeutung und Auflage heute eher von einem Neupreis von maximal 90 bis 120 Euro auszugehen, man müsste also wesentlich kürzer für dessen Erwerb arbeiten. Damit können wir feststellen, dass die immer wieder zu hörende Klage, Bücher seien heute so teuer geworden, zumindest nicht allgemein geführt werden kann. Oftmals spricht für die Preiswürdigkeit der heutigen Bücher auch eine bessere Qualität der Ausstattung und der (farbigen) Abbildungen.
Neben diesen statistisch-wirtschaftlichen Aspekten ist es jedoch etwas anderes, das uns weit mehr fasziniert: Tatsächlich gab es im Deutschland der Weimarer Republik "einfache" Gärtner, die so motiviert waren, dass sie für ihre Weiterbildung freiwillig einen ganzen Wochenlohn investiert haben. Wir würden uns heute über so viel Eigeninitiative freuen.
Betrachtet man abschließend noch den heutigen Verkaufspreis dieses Buches im Antiqiuariat von etwa 10 Euro, so kann auch dieser Zeitwert des gebrauchten Buches als nicht überzogen angesehen werden.
Grundsätzliches zum Geschäftsmodell unseres Antiquariats
Während der Sortimentsbuchhandel die aktuellen Produktionen der Verlage verkauft, übernimmt der Antiquariatshandel die Versorgung der Kunden mit Druckerzeugnissen, die nicht mehr verlagsseitig lieferbar sind. Dabei entscheidet der Antiquar selber, welcher Zeitraum nach Erscheinen verstrichen sein muss, ab dem er ein Buch in sein Angebot aufnimmt und wie hoch der Wert mindestens sein muss. Einige wenige, zumeist alteingesessene Antiquariate bieten lediglich Spitzenwerke an, die weit über 100 Jahre alt sind, andere Antiquariate scheuen sich nicht, auch neuere, erst unlängst vergriffene Werke in ihre Kataloige aufzunehmen. Beide Modelle und alle die dazwischen liegen, haben ihr Existenzberechtigung. Die Bibliotheca Botanica gehört zu den Antiquariaten, die sich als Bewahrer allen Schrifttums verstehen, hier auf dem Gebiet des Gartenbaues. Das bedeutet, dass wir nicht nur neuere Gartenliteratur gerne in unser Angebot aufnehmen, sondern auch keinen starren Mindestwert festgesetzt haben, was durchaus eine Auswirkung auf unsere Kostenstruktur hat. Aber als "Vollsortimenter" im Interessensgebiet Gartenbau möchten wir unseren Kunden tatsächlich die bestmögliche Auswahl an antiquarischen Gartenbüchern bieten.
Während der Sortimentsbuchhandel das Buchangebot weitestgehend selbst bestimmen kann, indem er eine freie Auswahl aus den Verlagsprogrammen trifft, ist das Angebot der Antiquariate in hohem Maße vom Zufall und vom Gespür des Antiquars bestimmt. Zu einem Teil bestimmt sich das Angebot aus dem, was ihm zum Ankauf angeboten wird, zum (kleineren) Teil aus dem, was der Antiquar über eigene Aktivitäten (z.B. Auktionen) günstig erwerben kann. Wie wir später sehen werden, haben beide Beschaffungskanäle eine unterschiedliche Auswirkung auf die Festsetzung des späteren Verkaufspreises.
Preisbestimmende Faktoren für den Verkaufspreis
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Ankaufspreis
Einzelankauf
Unter Einzelankauf verstehe ich den Ankauf einzelner Gartenbücher. Sofern der Verkäufer das Werk nicht persönlich vorlegen kann, ist ein solcher Ankauf nur dann sinnvoll, wenn es sich um ein Buch mit einem bestimmten Mindestwert handelt. Dies ergibt sich schon alleine daraus, dass die Kosten des Versandes zu uns ja in die Preiskalkulation eingerechnet werden müssen. Haben Sie keine Vorstellung über einen möglichen Wert, so halten Sie Ihren Aufwand gering indem Sie uns zunächst in einer kurzen This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. kontaktieren. In dieser E-Mail sollte -soweit ermittelbar- enthalten sein: Verfasser, Titel, Erscheinungsjahr, Verlag, sowie eine kurze Zustandsbeschreibung. Dies ist für eine grundsätzliche Einschätzung völlig ausreichend. Im günstigen Falle werden wir bei Interesse um weitere wertbestimmende Details und Fotos bitten, bei negativem Bescheid haben Sie zumindest nicht zuviel Arbeit investiert. Haben Sie bereits eine Preisvorstellung, so teilen Sie uns diese bitte unbedingt mit.
Sammelankauf
Beim Ankauf von mehreren Büchern im Paket, ganzen Bibliotheken oder Nachlässen solten Sie uns im Vorfeld per E-Mail kontaktieren. Hier hat es sich bei einer größeren Stückzahl von Büchern bewährt, uns zuächst (lesbare) Digitalfotos von den Buchrücken im Regal zuzusenden, aus denen wir uns ein erstes Bild machen können. Wir werden uns umgehend melden. Bei einem größeren Bestand wird ein persönlicher Besuch sinnvoll sein, dessen Kosten natürlich in einen Ankaufspreis einzukalkulieren sind. Dennoch sind wir zumeist in der Lage, bei Gartenbüchern einen beseren Preis zu zahlen als die örtlichen Antiquare, da wir die richtigen Kunden für diese Bücher haben.
Qualität
Materialqualität
Erhaltungszustand
Einzelkosten (dem einzelnen Buch zurechenbar)
Kollationierung und Erfassung
Lagerkosten
Wir haben schon darauf hingewiesen, dass es ein wesentliches Kriterium des Antiquariates ist, Ihren Kunden Bücher über längeren Zeitraum als der Sortimentsbuchhandel zur Verfügung zu stellen. Daher sind die Lagerkosten regelmäßig eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Kostenart des Antiquars. Die Lager- oder Raumkosten sind jedenfalls der Hauptgrund, warum in den Innenstädten kaum noch Antiquariate zu finden sind: Die steigenden Quadratmeterpreise sind inzwischen für die meisten Antiquariate schlicht und einfach nicht mehr erwirtschaftbar. Der generelle Trend der Kunden, sich im Fachhandel kostenlos beraten zu lassen um anschließend im Internet den billigsten Preis einzukaufen, macht auch vor Antiquariaten nicht halt.
Lagerkosten sind Fixkosten, die aus den laufenden Verkäufen zu decken sind. Ihr Kennzeichen ist, dass sie in keinem Zusammenhang mit dem Wert eines Buches stehen, sondern sich rein aus dessen Höhe, Breite und ggf. noch Tiefe ergeben. Daraus ergibt sich wiederum ein Dilemma des Antiquars: Er möchte seinen Kunden die ganze Breite der Literatur anbieten, unabhängig vom Preis, der ja nicht in fester Relation zur Qualität des Buches steht (stehen muss), wie wir an anderer Stelle ausführen. Daher müssen regelmäßig die teuren Bücher die billigeren subventionieren.
Wie hoch die Lagerkosten sind, kann man überschlägig ganz schnell berechnen: Bücher werden in Regalen aufbewahrt. Pro Quadratmeter Grundfläche kann man einen laufenden Regalmeter aufbauen, denn die restliche Fläche wird als sogenannte Verkehrsfläche benötigt. Unterstellt man eine Raumhöhe von 3,0 m. so wird man den laufenden Regalmeter mit 10 Regalbrettern übereinander ausstatten können. Das bedeutet, dass ein Quadratmeter Grundfläche letztlich maximal Platz für 10 laufende Meter, also 1000 cm, Bücher bietet. Mathematisch können wir also ableiten: 1 cm Rücken(breite) benötigt (unabhängig von der Tiefe) 1/1000 m2 Grundfläche.
Unterstellen wir nun eine moderate monatliche (Warm)Miete von 12 Euro, so kostet also ein Buch mit einer (Rücken)Breite von 1 cm 1,2 Cent an Lagerkosten pro Monat (1200 Cent/1000).
Kapitalbindungskosten
Man kann Geld nur einmal ausgeben. Das heißt, Geld, das bei Ankauf eines Buches an den Verkäufer bezahlt wird, ist bis zum Verkauf des Buches an einen Kunden nicht mehr verfügbar, z.B. zum Ankauf weiterer Bücher. Damit ist das Geld im Buch "gebunden". Die Kapitalbindung hängt also vom Ankaufspreis des Buches und der Zeitspanne bis zum Verkauf ab. Je niedriger der Einkaufspreis und je kürzer die Spanne zwischen Kauf und Verkauf, desto niedriger die Kapitalbindungskosten.
Den Verkaufspreis eines Buches kann ein erfahrener Antiquar recht gut taxieren, die Zeitspanne bis zum Verkauf, oftmals viele Jahre, ist jedoch ungemein schwerer zu beurteilen, da sehr viele Einflussgrößen zu beachten sind wie Moden und Konkurrenz aber auch Konjunkturzyklen, Geldwertstabilität oder Beschäftigung. Folgerichtig liegt auch beim Antiquar der Gewinn im Einkauf. Dem grundsätzlichen Wunsch eines preisgünstigen Einkaufs steht jedoch der Selbsterhaltungstrieb des Antiquars entgegen, der ja davon lebt, dass alten Büchern ein stabiler Marktwert zugemessen wird. Er wird daher daran interessiert sein, einen fairen Wert zu finden. Hier unterscheidet er sich wesentlich von einem Gebrauchtbuchhändler, dessen Interesse in einer hohen Umschlagsgeschwindigkeit seines Lagers liegt. Da eine hohe Umschlagsgeschwindigkeit nur durch einen niedrigen Verkaufspreis möglich ist, kann auch der Antiquar in diesem Marksegment nur reüssieren, wenn er entsprechend billig einkauft und im Zweifel eher auf einen Erwerb verzichtet.
Vermarktungskosten
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Indirekte Kosten (dem einzelnen Buch nicht direkt zurechenbar)
Versicherungen
Rechtsberatung
Verbandsmitgliedschaften
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Nachfrage
Der Kunde vergleicht die Angebote verschiedener Anbieter und trifft seine Entscheidung dann entsprechend seiner Kriterien und seines Geldbeutels. Daher muss ein Antiquar (wie jeder Kaufmann heute) seine Preise so gestalten, dass sie einerseits für seine Kunden noch interessant sind, andererseits ihm möglichst noch einen Überschuss einbringen.
Aus dieser Zwickmühle erklären sich teilweise die kaum nachvollziehbaren Preisunterschiede für den gleichen Titel im Internet. Welche Faktoren wird der Antiquar bei seiner endgültigen Preisfestsetzung nun berücksichtigen?
Fachliche Relevanz und Seltenheit
Obwohl wir spezialisierten Antiquare meinen, uns über die Jahre durchaus ein tieferes Verständnis der von uns angebotenen Bücher erworben zu haben, so haben wir doch nur beratender Weise das Recht, ein Buch in seiner Bedeutung zu beurteilen. Hier sind wir unseren Fachkunden regelmäßig unterlegen und profitieren von deren Kernntnissen. Dennoch gibt es müssen wir für die Preisfindung eine Einschätzung vornehmen. Hierfür haben sich u.a. die folgenden Regeln bewährt:
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Je genauer ein Buch ein Thema adressiert ("Gartenblumen für halbschattige Standorte bei sandige Böden"), desto geringer ist regelmäßig die Auflage und daher wird das Buch bei einem angemessenen Preis auch in überschaubarer Zeit seinen Käufer finden.
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Je allgemeiner der Titel ("Gartenblumen"), desto geringer die Bereitschaft des Kunden, einen höheren Preis zu akzeptieren, da es regelmäßig viele alternative Bücher mit diesem Thema gibt.
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Wird der Buchtitel allerdings sehr speziell ("Gartenblumen für halbschattige Standorte auf tiefgründigen Pseudogley-Böden"), so ist von einer längeren Lagerhaltung auszugehen, da diese Bücher nur für einen kleinen Kundenkreis interessant sind. Allerdings ist der Preis für diese Kundschaft dann so gut wie nie ein Thema, da sie froh sind, dieses Buch überhaupt zu finden.
Ähnliches gilt für Bücher mit stark regionalem Bezug. -
Lehrbücher sind, wenn überhaupt, nur nach langer Lagerhaltung und sehr billig zu verkaufen. Ältere Auflagen werden manchmal zu Vergleichzwecken gekauft.
Moden und Trends
Marktverfügbarkeit
Angebots-Konkurrenz
Der Markt für antiquarische Bücher im Internet ist sehr transparent. Insofern ist er geradezu lehrbuchhaft für die klassische Angebotstheorie der Volkwirte: Ist das Angebot groß oder die Nachfrage gering, sinkt der Preis et vice versa. Tendenziell ist der Markt bei sinkenden Preisen jedoch elastischer als bei steigenden Preisen, was für den Kunden vorteilhaft ist.
Warum? Ganz einfach. Wenn ein Antiquar unsicher über den Wert eines Buches ist, wird er sich in einer Online-Plattform wie Antiquariat.de über den derzeitigen Marktwert des Buches informieren. Gibt es bereits mehrere gleichwertige Exemplare im Angebot, wird er den Wert in diesem Bereich ansiedeln, regelmäßig jedoch eher unterhalb des teuersten Angebotes in vergleichbarem Zustand. Je nach Situation näher am billigsten oder teuersten. Damit ist für ihn die Preisfestsetzung abgeschlossen. Es gibt wenige Antiquariate, die bei bei Buchpreisen im zweistelligen Eurobereich den einmal festgesetzen Preis auf ein verändertes Angebot überprüfen (Nach unten hin fiondet das eher statt. Nicht wenige Kollegen machen gelegentlich Sonderaktionen, in denen sie ihr Sortiment oder Teilbereiche davon über einen begrenzten Zeitraum im Preis reduzieren). Werden nun die billigeren Bücher gekauft, bleiben nur die teureren für die nächsten Interessenten übrig. Diese könnten nun den Preis erhöhen, was jedoch (s.o.) in der Regel nicht geschieht.
Inhalts-Konkurrenz
Je allgemeiner der Titel eines Werkes gehalten ist, desto eher ist es für einen Interessenten grundsätzlich austauschbar (geben Sie doch mal testweise den Suchtitel "Gartengestaltung" in die Suchmaske eines Online-Kataloges ein). Somit erhöht sich für einen möglichen Käufer die Auswahl, unter der er zu entscheiden hat. Dies ist unabhängig von der Qualität des Inhaltes, die der Kunde ja in vielen, wenn nicht den überwiegenden Fällen (noch) nicht beurteilen kann. Nehmen wir den Fall eines Kunden, der sich erstmals mit dem Garten beschäftigt und ein Buch über "Gartengestaltung" sucht. Hier ist das Angebot riesig und die Auswahl unter zahlreichen Titeln möglich. Selbst wenn der Interessent eine besondere Empfehlung aus dem Bekanntenkreis für einen Titel erhalten hat, wird er sich ggf. (zunächst) eher für ein billigeres oder bunteres ähnliches Buch mit diesem Inhalt entscheiden.
Die Bibliotheca Botanica bemüht sich, durch qualifizierte Hervorhebung der jeweiligen Akzente des Buches dem Interssenten eine Kaufentscheidung zu erleichtern. Dies setzt jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gartenbuch voraus, was sich natürlich irgendwie in der Gewinnmarge des Buches widerspiegeln muss.
Wird ergänzt und fortgesetzt.



