Kupferstich TulpeWelchen Reiz das Blättern und Lesen in alten Gartenbüchern haben kann, möchten wir Ihnen ansatzweise vermitteln, indem wir im Folgenden Passagen aus alten und neueren Gartenbüchern wiedergeben, die sich mit einem Kleinod des "Lustgartens" befassen: mit der Tulpe. Seit Jahrhunderten beliebter und begehrter Farbakzent der Gärten, ist sie natürlich auch seit jeher fester Bestandteil der Gartenliteratur. Springen Sie mit diesen Zeilen durch die Zeit und erleben Sie einen Ausschnitt aus der Geschichte der Garten(buch)kultur. Übernommene Orthographie*, Zeichensetzung, Absätze und Diktion mögen dabei helfen, sich der jeweiligen Epoche zu nähern.
Leben die frühen Gartenbücher eher von der Erfahrung und der genauen Beobachtung der Natur, nimmt das theoretische Wissen um die Pflanzen im Laufe der Zeit ständig zu. Gerade die Wanderung durch die Aufzeichnungen im Laufe der Zeit macht es jedoch deutlich, dass der Erfolg des Gärtners wesentlich von der Beobachtung und Erfahrung abhängt. Natürlich spielt auch der Zeitgeist und die Mode eine Rolle. So war es bis zum Barock üblich, Saat und Ernte streng nach den Mondphasen auszurichten (=Beobachtungs- und Erfahrungswerte), wurde dieses Wirtschaften im Zuge der Aufklärung beiseite geschoben, ja verdammt, und durch Ratschläge aus der rationalen Naturwissenschaft ersetzt. Erst seit wenigen Dezennien hat der Einfluß der Mondphasen auf die biologischen Prozesse wieder Beachtung gefunden. Alles schon dargewesen - überzeugen Sie sich selbst.

Wenn Sie Appetit bekommen, sich intensiver mit alten Gartenbüchern zu beschäftigen, so empfehlen wir uns als der richtige Ansprechpartner.

Grandville, Les fleurs annimées: TulpeEs handelt sich um eine willkürliche persönliche Auswahl. Besonders in den neueren Büchern wird die Tulpe aber oft nur unter dem Oberbegriff Zwiebel- und Knollengewächse abgehandelt. Falls ich dort keinen passenden Absatz finden konnte, habe ich diese Bücher nicht berücksichtigt, um den Rahmen dieser Seite nicht zu sprengen.

Gleichzeitig gibt Ihnen diese Übersicht einen kurzen Einblick in das Werk des jeweiligen Autoren. Vielleicht entdecken Sie den Stil und die Ausdrucksform, die Ihnen am meisten zusagt. Dann schauen Sie doch mal im Katalog, ob dort noch weitere seiner Werke angeboten werden - oder sprechen Sie uns an.

* Die Abschriften entsprechen tatsächlich Buchstabe für Buchstabe, Zeichen für Zeichen dem Original, Druckfehler sind daher bereits im Ursprungstext so enthalten.


Titelblatt aus  Elsholtz 17. Tulipen.

Zu welcher Zeit diese schoene Blume in Teutschland aufkommen/ ist wol von wenigen wahr genommen worden. Ich muthmasse/ daß sie nicht viel ueber hundert Jahr bey uns bekand worden: sinthemal der hocherfahrne Conradus Gesnerus in seinem Buche De Hortis Germaniae meldet/ daß er im Jahre 1559. zu Augspurg in Herrn Joan. Henrich Herwarts Garten die erste Tulipe gesehen. Und zwar war selbige aus Samen/ welchen gedachter Herwart von Constantinopel empfangen/ gezielet worden. Ihre Abbildung in Holtzschnitt ist auch in bemeltem Buche/ welches zu Straßburg im 1561. Jahre gedrucket worden/ zufinden/ und wird sotane/ meines Erachtens unter den Teutschen wohl die älteste seyn: dahero dan leicht zuschliessen/ wie sehr die Gärtnerey in diesen hundert Jahren bey uns gebessert.

Das ganze Regiment der itzo bekanten Tulipen aber bestehet nach C. B. Rechnung in XXXVII Arten/ die doch so viel Veraenderungen unter sich haben/ daß man ihrer 144. zehlen kann. Die erste Abtheilung kann genommen werden von der Zeit/ nach welcher sie fruezeitig bluehen/ Tulipa praecox, hat XI: oder langsamer/ Tulipa dubia, hat V: oder spaet/ Tulipa ferotina, hat neun Arten. Die ander Abtheilung ruehret her von der Groesse/ nach welcher etliche gantz niedrig von Stengel bleiben/ Tulipa pumilio, hat V. Arten: etliche aber kleine Blumen bringen/ Tulipa minor, hat VII. Sorten

Die Farbe der Blumen belangend/ selbe ist erstlich einfach: und solches wiederumb entweder in den Hauptfarben/ als gelb/ roth/ weiß/ gruen/ blau: oder in derselbigen Nebenfarben/ als weißgelb/ citronengelb/ pomerantzengelb/ saffrangelb/ ziegelroth/ zinoberroth/ purpurroth/ braunroth/ schneeweiß/ milchweiß/ silberweiß/ aschweiß/ und so ferner. Zum anderen ist sie gedoppelt oder eingesprengt: als gelb und roth/ roth und weiß/ weiß und gruen/ und dergleichen so mancherley Gattung/ dass es scheinet/ die Natur habe hierin alle Malerey uebertreffen wollen.

Und zwar aus dieser Quelle sind entsprungen die seltsamen Zunamen der Tulipen/ mit welchen sich die Frantzoesische und Niederlaendische Gaertner erlustigen/ indem sie die Außtheilung nach den ersten Liebhabern solcher Blumen/ oder nach den eigenen Namen ihrer Provinzen/ Generalen/ Admiralen/ oder auch auswaertigerPotentaten eingerichtet. Als: [es folgte eine doppelseitige Aufzählung von Tulpennamen].

Unter solcher Menge aber sind meines Erachtens wenig/ welche diese nehesten Jahr ueber im hiesigen Churfuerstlichen Lustgarten nicht sollten gesehen worden seyn: wie da dessen ein gut Zeugnis giebet das Theatrum Tuliparum, welches auff der Churfuerstlichen Bibliothec hieselbst vorhanden/ und im Jahre 1661. von mir zusammen getragen worden/ bestehende allbereit aus 126. Stueck Tulipen/ welche nach dem Leben in vorigen Jahren von guter Hand hieselbst mit zierlichen Farben gezeichnet worden. Alldieweil aber ietzt erzehlte Namen keine deutliche Kentnis geben/ so wollen wir nach C. B. Anleitung folgende XXI. Arten/ jedoch ihre Veraenderungen nicht mit gerechnet/ auch allhier beneben anfuehren. [Es folgt eine Sortenliste und zweieinhalb Seiten Pflanz- und Pflegeanleitung]

Weil in Erkauffung der Zwiebeln von Tulipanen/ und dergleichen Blumwerck viel Betrug unterlauffen/so ist dieses ein Mittel/ nicht betrogen zu werden/ wenn man in einen Garten kommet/ da sotante Waare zu kauff. Nemlich/ lasset euch diejenige Blumen/ die euch gefallen/ mit sambt den Zwiebeln aus dem Erdreich in eurer Gegenwart ausheben/ und nehmet sie mit nach Hause. Ferner druecker einer jeden den Stengel oben hart unter der Blumen mit zween Fingern also/ daß der Stengel etwas welck werde: darnach hänget das gantze Gewaechs uembgekehrt auff/ so daß die Zwiebel oben/ und die Blume unten komme. Solcher gestalt ziehet die Zwiebel allgemach den Safft aus dem Stengel nach sich/ und erhält sich dadurch/ als durch ihre Nahrung/ etliche Monate/ bis ihr sie bequem wieder ins Erdreich versetzen koennet: jedoch muss da Gemach etwas lufftig seyn. Deßgleichen kann man auch wol eine bluehende Tulipane ausgraben/ die Zwiebel absondern/ sie in frischem/ doch trucknen Sande in einem lufftigen Keller verscharren/ und sie daselbst/ bis auff die Zeit der Einsetzung/ ohn Schaden auffheben.
(aus Elsholtz, Neu angelegter Garten-Bau, 1690).


Von denen Tulipanen. Von dem Unterscheid derer Tulipanen/ und ihren Gattungen. Herr Menage sagt, daß die Tulipanen oder Tulipen urspruenglich aus der Tuerckey seyen; und werden dieselbige Tulipanen genennet/ weil sie einiger Masse mit der Figur eines Turbans oder Tuerckischen Bunds uebereinkommen/ welchen letztern die Italiaener Tulipano nennen.

Obwohl alle Tulipanen nur von einerley Art (nemlich Tulipen) sind/ so giebts doch gewißerlich vielerley Gattungen darunter/ als weisse und gelbe; Die gemeine rothe sind auch Tulipen/ aber von dreyerley Gattunge/ die unter den drey Gattung ihre Farbe niemals aendern/ und sind die allergemeineste/ aber auch die geringschaetzigste sind.

Man sieht auch sonst andere von unterschiedlicher rothen Farbe/ einige sind etwas dunckel in der Farbe/ andere aber etwas heller; einige haben einen schoenen Glantz/ andere hingegen sind hierinnen etwas schwaecher: Wann sich nun unter diesen Gattungen eine oder die andere finden/ deren Grund-Farbe verstaendigen Blumen-Liebhabern anstehet/ und ist wie sie seyn soll/ so lassen sie dieselbige Saamen tragen/ und von diesen Saamen kommen die beste Farben her.

Man findet daß die Tulipen von zweyerley Art oder Natur sind/ als die fruehe und dann die spaethe: Es ist auch noch eine andere Gattung zu sehen/ die man mittaegige oder mittlere nennen kan/ weil sie zwischen denen ersten und letzten zu bluehen pflegen. Von allen diesen dreyen Gattungen sehen wir von unterschiedenen Farben. [...Insgesamt widmen sich 51 Seiten den Tulpen]
(aus Neue Unterweisung zu dem Blumen-Bau, 1705).

Tulipa ist ein Zwiebel-Gewächse/ so jährlich durch dero junge Bruth oder abgesetzte junge Bulben vermehret und fortgepflantzet wird/ auch von Saamen gezogen/ so aber langsam zugehet. Nach der Ordnung von dieser Blumen zu handeln/ und dem geliebten Leser den gründlichen Bericht mitzutheilen/ ist dieses vors Erste/ daß/ wenn ein Liebhaber deselbigen gesinnet/ von diesen Blumen/ sonderlich der rar-und schönsten/ so man aus Holland kommen lässet/ in seinen Garten gerne haben wil und pflantzen/ daß er fuer allen Dingen den Ort betrachte/ oder wo er es selber nicht verstehet/ solchen durch einen erfahrnen Gärtner beobachten lasse/ ob er zu solchen Dingen tuechtig; denn unter den gemeinen rohten und gelben Tulipanen/ und denen Hollaendischen ein grosser Unterschied ist; denn die Gemeinen moegen wohl geringe Erdreich und Wartung haben; dargegen die Hollaendischen eine viel bessere und sorgfältigere Wartung erfordern/ weil die so viel edler und zaerter seyn. Und ist nicht gnug/ daß mancher sage: Tulipanen sind ein Geschlechte/ und ist kein Unterschied unter ihnen/ wo eine geringe kann wachsen/ auch wohl eine gute. Ich aber sage Nein dazu/ und nehme die Erfahrung zum Zeugen/ daß eine geringe Tulipan leicht ein Land und Ort haben mag/ da sie waechset/ auch wohl in schatticht- groben und ungebautem Erdreich ihre Blumen bringen/ und wie die Erfahrung mit sich bringet/ wo solche gemeinen Blumen gestanden/ daß man sie nicht wieder vertilgen kann; dagegen aber die Hollaendischen und Zarten/ wenn sie schon alle Jahre zur rechten Zeit werden ausgenommen/wieder zur rechten Zeit versetzet/ das Erdreich nach Moeglichkeit verbessert/ und also an ihnen gethan wird/ was moeglich ist/ dennoch wohl gantze Laender voll / sonderlich/ wenn ein feuchter/ nasser Winter ist/ verfaulen und abstehen/ wie mir es denn offt mit nicht geringen Schaden geschehen. Darum/ wenn ein Liebhaber/ wie oberwehnet/ Tulipanen/ so kostbar seyn/ in seinem Garten haben will/ er wohl beaobachte/ ob das Erdreich darzu tuechtig sey; hat es keine Sonne/ so ists nicht zu rahten/ ist der Boden steinicht/ ist auch nicht zu rathen/ denn solcher verursacht Kaelte/ und dadurch verfaulen die rare und edle Tulipanen; ist der Boden leimich/ dient eben so wenig wegen der Faeulnueß. [... 6 Seiten, 12 Spalten beschäftigen sich mit der Tulpe]
(aus Heinrich Hessens Teutscher Gaertner, 1710).


Tulipanen. Ist fast unzehlicher Art und Farben/ als wie die Negelein/ deren man ueber hunderterley zehlen koennte; Weil es aber zu weitlaeufig wuerde/ ihre besondere Namen alle hier zu specificiren und zu benennen/ als habe solches uebergehen/ und die Liebhabere auf groessere Buecher/ welche ein mehrers davon geschrieben/ verweisen wollen; wir aber fuehren nur das noethigste hier an. Sie floriren theils im Mertz/ und theils erst im May nachdem sie tieff oder hoch stehen/ nachdem kommen sie frueh oder spat; Nach Jacobi nimt man sie aus/ trocknet und verwahret sie/ bis in die dritte Wochen/ oder wohl gar bis mitten in den September/ in einem schattichten Ort/ hernach setzt man sie im wachsenden Liecht in ein geschlachtes/ aber nicht mit Mist gedunktes/ sondern mit Sand vermengtes Erdreich/ wieder ein/ dann von dem Dungfaulen die Zwiebeln; man ziehet sie aus ihren Saamen/ allein es gehet sehr langsam zu/ jedoch wer die Gedult hat/ darauf zu warten/ der kann hierdurch allerley schoene Farben ueberkommen/ daß ihm also sein langes Warten nicht dauern wird. Die Farben derselben sind roth/ gelb/ weiß/ schwartz/ welche letztere man aber in solcher Farbe selten allein siehet: Angeregte Farben haben haben entweder nur einzechtig/ welches nicht fuer schoen gehalten wird/ oder auf mancherley Weise und Gattung/ auf das allerschoenste und kuenstlichste untereinander gemenget/ also/ daß theils gestreiffet/ teils gestriemet/ theils geflammet/ u.s.f. seyn; sie lieben einen freyen trucknen Ort/ nicht zu fett und nicht zu mager/ daß auch die Sonne den Ort recht bescheinen koenne. Doch man muß sich in Acht nehmen, daß der Nord-Wind ihnen keinen Schaden thue/ ueber das so soll der Grund nicht sehr naß und fett seyn/ damit die Zwiebeln in demselben nicht verfaulen/ und dadurch die schoene Farbe verlieren; Im nassen Ort muessen sie nicht eingesetzet werden/ damit-sie/ wie gedacht/ nicht verfaulen/ oder im Winter desto eher ausfrieren. [...],
(aus Pictorius, Der im Blumen- Kuchen- Arzney- Und Baum-Garten Guendlich informirte Gärtner, 1714).


Von der Schönheit derer Tulipen.

[...]

Auslegung des Nahmens.
Tulpe kommt von dem Türkischen Wort tulipan, solches bedeutet bey diesem Volk einen der Tulipe gleichen Bund/ welchen die Türckischen Sklaven auf dem Kopfe tragen.
Historie. Die ersten Tulipanen haben wir aus Dallmatien bekommen/ daselbst war einsmahls ein schönes Mägdgen diese Nahmens/ Ihre Mutter ware eine Nymphe des Timauschen Brunnen/ der Vater aber Proteus, welcher alle Augenblicke in andere Gestalt verwandelt wurde/ gleichwie aber offtmahl die Kinder der Natur der Eltern nachahmen/ also hatte Tulipe an allerley Veränderung Belieben. Es kam von ohngefehr der Gott Vertumnus, nachdem er die Welt durchlauffen/ in Illyrien/ und traff diese Nymphe auf dem Brunnen ihrer Mutter sitzend an: Hier nun wurde er von ihrer Schönheit entzündet/ indem er aber sich fertig machte ihr seine Liebe zu entdecken/ entflohe sie alsobald. Der von Liebe brennende Vertumnus machte alle ersinnliche Anstalt seine Leidenschafft zu befriedigen/ und weil er wuste/daß sie große Lust an bunten Blumen hatte/so verwandellte er sich in umzählige Arten derselben/ alleine alles vergebens. Er wurde also ganz bestürtzt/ daß sein Seufftzen und angewandte Mühe nichts fruchten wollte/ also flehete er sie mit deninnigsten Bitten/ wiewohl ohne Erfolg an: Endlich ergriff er sie/ der ungeduldige Gott/ mit Gewalt; Tulipe schrye in dieser Angst: Gnädiger Gott meines Vaterlandes/ gieb nicht zu/ daß meine so heilig gehaltene Keuschheit entehret werde; sie hatte aber diese Worte kaum ausgesprochen/ so verwandelte sie die angeruffene Gottheit alsobald in die Blume/ welche noch heut zu Tage ihren Nahmen führet.
Anwendung. Dieses Exempel sollten sich billig alle Personen dieses schönen Geschlechtes/ bey Vertheidigung ihrer Keuschheit vorstellen/ und sich weder durch die Hoheit desStandes/ noch alles was nur schön in der Welt zu nennen/ an den Manns-Bildern/ die alles hervorsuchen Sie zu berücken/ blenden lassen.
(aus Liger, Der Historische Blumen-Gärtner, 1716).


Die Tulipanen werden in vielerley Sorten eingetheilet, nemlich in solche, welche im Frueling bluehen, in mittlere und spate, welche nach der Jahrs-Zeit ihres Flors unterschieden, ingleichen in Farben-Tulipanen, von welchen man den Saamen einsammlet, und endlich in bundfaerbige, so an denen Enden eingefaßt, welche die schoenste sind.

Die Farben-Tulipane wird diejenige genannt, welche ohne Unterbrechung oder Vermischung reine und nette Farben hat; die bundfaerbige aber ist gestreifft, und mit vielen andern Farben eingefaßt. Diejenige,welche alle Jahre nett und lso unverruckt gestreifft kommt, wird die ausbuendig schoene genennet.
Die bundfaerbigen werden in Frankreich und andern Orten wieder eingetheilet in in verschiedene Sorten , absonderlich aber in die neu ausfallende,gedoppelte, gestreiffte, und dergleichen,wie ihnen dann ein jeder Namen nach seiner Phantasie gibt, als die Kayserin, die Triumphierende, die Juno, u. s. w.
Uberhaupt werden die Tulipanen hoch geacht, wenn sie eine nette Farbe auf Atlas-Art haben, ohne einige unordentliche Verwirrung. Man verlangt von Ihnen einen blauen Grund, und schwartze oder Violet-farbene Streiffe. Diejenigen, welche die Frantzosen Bizarres nennen , und die, welche am wenigsten Gelb- und Rothes haben, werden am meisten gesucht. Bisweilen schlagen sie aus der Art, absonderlich wenn sie gesaeet werden; hingegen werden andere noch schoener, und diese nennet man Tulipen von ungefehr, pflantzet auch dieselben besonders, und zu Ende zweyer Jahre geben sie die allerschoensten Tulipanen. Die bundfaerbigen, so in etwas vermenget, verbessern sich zum oeftern im anderen Jahre. [...Es folgen noch 2 Seiten Wartungsdetails]
(aus Le Blond, Die Gaertnerey, 1731).


Bei den Tulpen nimt ihre Schönheit ab, wo sie nicht alle Jahre ausgenommen werden. Wil man in der genauen Zeit sie ausnehmen, nicht irren; so verrichte man dieß alsden, wenn ihre Blätter und Stengel gelblicht geworden sind. Solches kann man auch bei andern Zwiebelgewaechsen beobachten. Das Laub schneidet man sodan einen Zol hoch ueber den Zwiebeln weg. Hat man den Raum; so breitet man sie in einem luftigen Zimmer so aus einander, daß sie sich nicht beruehren. Mit dem Ausgange des Herbstmonats, und bis um Martini, werden sie wieder gepflanzet. Man leget sie nemlich bei trocknem Wetter, in eine mittelmaessige mit etwas Sand vermischte Erde, bis 5 Zol tief, und decket ein leichtes Erdreich darueber. Vornemlich verlangen die Tulpen einen leichten und magern aber wohl umgegrabenen Boden. Von starkem Düngen werden ihre Zwiebeln klein, mat, und schimlicht. Sehr wohl aber gerathen sie, wenn man die alte Erde, worin sie das vorige Jahr gestanden, einen Fus tief wegnimmt, und an deren Platz ein Erdreich bringet, das wenigstens ein Jahr ungebraucht, und mit einem wenigen verfaulten Kuhmist untermenget, gelegen hat. [...] Den Tulpen ist es auch schaedlich, wenn man ihnen, gleich nach der Bluete, die Samenstengel wegschneidet.

Jede Tulpenzwiebel, die eine Blume gebracht hat, vergehewt. Will man von diesem Gewaechse den Samen aufnehmen, und kuenftig saeen, so mus es von den weissen und rothgesprengten geschehen, sonderlich, wenn sie blaue Boden haben. Die gelbe und rothe variiren nicht. Es taugen auch die spaete Blumen besser zum Samentragen, als die fruehen. [...]
(aus Krause, Der kluge und sorgfaeltige Gaertner, 1754).


Die Tulipan.

Es giebt deren unzählige Farben, die Haupt-Arten sind 1) die Frühen, diese sind nicht so schön von Farben wie die Späthen, auch nicht von Stengel so hoch, 2) die Späthen. Letztere werden wieder eingetheilet in Baquetten diese sind violet gestreift, und wegen der Höhe ihres Stengels, Größe der Blume, und Schönheit die besten, hernach kommen die Bisarden welche von allen Farben sind. Diese aber haben die Eigenschaftdaß sie endlich in rothe, fleischfarbige, gelbe und weiße, folglich in schlechte Blumen ausarten. Dann kommt noch die kleine Baquette oder der Falcke, und die kleine niedrige ganz frühe, welche premier Duc genennet werden. Diese sind roth mit einer gelben Einfassung. Es ist keine Blume so unterschieden von Farben und Zeichnung als die Tulipan, ihr Geruch aber ist nicht besonders. Die Art solche aus dem Saamen zu ziehen, ist wie bei denen Hyacinthen, nur daß die Tulipanen erst in 7 Jahren zur Blüthe kommen, wenn sie aus dem Saamen gezogen werden.Ich habe noch keine Proben damit gemacht, theils, weil es zu langwierig ist, theils auch weil das Säen alle Jahre geschehen muß, damit man die Blüthen von Jahren zu Jahren auf einander folgend habe, wozu aber viel Land erfordert wird, welches ich in meinen Garten nicht übrig habe, zudem ist auch das Land in meinen Garten zu dem Bau der Zwiebel-Gewächse zu schwer, feucht und salpeterich. Es hat die Tulipane dieses vor allen anderen Zwiebel-Gewächse voraus, daß ihre Zwiebel alle Jahre vergehet, und eine neue entstehet, welche auch zugleich die Ableger setzet. Dieses gehet also zu: Aus der alten Zwiebel setzet sich nach der Tiefe der Erden zu ein Stiehl 3 Finger breit, an welchen sich unten am Ende wieder die neue tragbare Zwiebel nebst denen Ablegern absetzet, zugleich schießet aus [d]er alten Zwiebel über sich das Kraut und der Stengel woraus die Blume wird. Von der alten Zwiebel, welche ihre Kraft zu Bildung der neuen Zwiebel, Blume und Kraut hergegeben hat, bleibet also nichts wie die leere alte Hülse übrig. Man wird finden daß wenn man die Tulipanen-Zwiebeln einige Jahre, ohne sie im Herbste aufzunehmen liegen läßt, solche endlich über eine Elle tief in die Erde gehen, daß man dieselben endlich gar nicht wieder finden kann, und dennoch kommt die Blume und das Kraut alle Jahre hervor, es wird aber endlich eine sehr schlechte Blume daraus, zuletzt aber wird die Blume grün und dann kommt sie gar nicht mehr zum Vorschein, weil die Zwiebelendlich so tief in die Erde gehet, daß das Kraut und die Blume nicht mehr durch die darauf liegende hohe Erde dringen kann, und so muß die Zwiebel ersticken. Unterweilen wird man auch sehen, daß einige Zwiebeln welche ganz roth aussehen über der Erde unten an dem Stengel zum Vorschein kommen. Diese Zwiebeln taugen nichts mehr, weil schlechte Blumen daraus werden. Dieses aber rühret aus zweyen Ursachen her. Die erste ist diese, wenn die Zwiebel nicht tief genug geleget wird. Die andere Ursache ist diese, daß wenn die alte Zwiebel den Stiehl zu Ansetzung der neuen Zwiebel unter sich treiben will, und ein kleiner Stein oder andere Behinderung ihr im Wege lieget, so krümmet sich der Stiehl überwärts aus der Erde, und es setzet sich die neue Zwiebel über der Erden an, welche sich sonsten wenn dieser behindernde Gegenstand nicht gewesen wäre in der Erde hätte ansetzen müssen. Wenn man dieses gewahr wird so thut man wohl wenn man gleich einen Haufen lockere und gute Erde um die Blume schüttet, so daß diese über der Erde sich ansetzende Zwiebel damit bedecket zeitig werden könne, denn so bleibt sie gut. Findet es sich aber bey den Ausnehmen der Zwiebel, daß sich dessen ungeachtet in der Erden noch eine neue Zwiebel angesetzet hat, wie dann solches unterweilen geschiehet, so kann man die über der Erde liegende Zwiebel sicher wegwerfen, und davor die welche sich in der Erden angesetzet hat, behalten. Die Erde zu denen Tulipanen muß die pag 1. [Dort wird ausführlich die Herstellung und Zusammensetzung einer guten Blumenerde beschrieben] beschriebene sein. Man muß diese Blumen ja vor dem Pferde- und Schaaf-Mist in acht nehmen, denn dieser ist ihr Verderb, wenn solcher auch schon zu Erde geworden wäre. Die Erde muß alle Jahre aus denen Beeten genommen, und frische hinein gethan werden. Die Zwiebeln werden alle Jahre heraus genommen, und im Oktober wieder geleget. Es wird damit ebenso wie bey dem Legen der Hyacinthen verfahren, nemlich daß auf dem Ort wohin jede Zwiebel kommen soll, ein Häufgen weißer Trieb-Sand geleget wird, auf dieses wird die Zwiebel gesetzet, und damit 4 Finger tief in die Erde gedrücket. Jede Zwiebel kommt eine gute Spanne weit auseinander. Die Brut aber kommt auf ein a partes mit eben der Erde praeparirtes Beet, jede Zwiebel 3 bis 4 Zoll aus einander. Das Bedecken im Winter ist nicht nöthig, weil diese Zwiebel sehr starken Frost ohne Schaden ertragen kann. Zum Abtrocknen muß man dieser Zwiebel wenigstens 4 Wochen Zeit lassen, und die ausgehobenen Zwiebeln ja nicht auf einander sondern bey einander hinlegen. Wenn die Blume abgeblühet hat, wartet man noch 8 oder 14 Tage, alsdann schneidet man die Blume mit dem Kraute 8 querr Finger hoch über der Erden ab, damit die Zwiebel desto reifer werde, und sich desto besser verstärken könne. Ein salpetriges und feuchtes Land ist denen Tulipanen zuwieder. Dieses Land ist im Winter zu kalt. Die Zwiebeln verfaulen in solchen zu leicht. Die Blume bleibet klein, und artet sich aus. In einen warmen und sandigen Boden, werden aus der Baquette prima, welches die Mutter-Blumen, und einfarbige blaß violette Baquetten sind, schöne gestreifte Baquetten, aus der französischen Baquette aber, welche dunkel violet mit gelber Einfassung sind, schöne Bisarden. In einen feuchten und schweren Lande aber geschiehet dieses nicht, sondern aus guten Blumen werden schlechte und niedrige Blumen, weil die Zwiebel klein bleibet auch leicht anfaulet.
(aus Heinrich Christian von Brocke, Beobachtungen von einigen Blumen, deren Bau und Zubereitung der Erde, 1769).


Etliche Anmerkungen von den Plantis bulbosis oder den Zwiebelgewächsen in specie.

1.

Im Setzen soll man sich hüten, das Zwiebelwerk mit den Fingern grob zu drücken.
2. Wann etwa eine Zwiebel im Ausnehmen verletztet worden, muß man sobald gebrennten Laimen, klein zerstossen, nehmen, solchen in die Wunden streuen, so wirds wieder ausheilen.
3. Nach Johannis im wachsenden Licht sollen die Zwiebeln, so frühe Blumen getragen, die späte aber nach Jacobi alle Jahre, oder allezeit längstens im dritten Jahr ausgenommen, an einen trocknen, schattichten Ort ausgeschüttet, von allem Wust und Erden gesäubert, vor den Mäusen wohl versichert, und also ausgetrocknet werden.
4. Im September, oder wohl auch erst um Martini sollen solche wieder im Zunehmen des Monds, bey trockenem Wetter, in ein gutes, mit etwas Sand vermengtes Erdreich, drey Zwerchfinger tief eingelegt, und mit leichtem Erdreich oben darauf bedecket werden.
5. Vor dem Setzen sollen die Fasen an den Narcissen gestutzt, aber nicht gar abgerissen, ingleichem die alte Haut der Tulipanen abgelöset werden.
6. Kein Zwiebelgewächs kan den frischen Tung leiden, in dem sie leicht faulen. Aber ein gutes fettes Erdreich und gänzlich verfaulter, in Erde verwandelter Mist, ist ihnen sehr vorträglich.
7. Wilt Du Saamen von Tulipen nehmen un dsäen, so solls von den weissen und rothgesprengten seyn, sonderlich so sie blaue Böden haben; Die gelbe und rothe variiren nicht, es taugen auch die spate Blumen besser Saamen zu tragen, als die frühen.
8. Wilt du Saamen von Zwiebelgewächsen säen, so thue es im Herbst in ein Geschirr voll guter Erden, eines halben Zwerchfingers tief bey zunehmendem Mond, im Zwilling oder Waag; (er muß aber ziemlich dick gesäet werden) bedecke ihn zwey Zoll tief, mit leichter Erden, begieß ein wenig, und stells an die freye Luft. Wann es anfäht zu gefrieren, o stells in einen luftigen Keller, oder, in einen warmen andern Ort in einem Zimmer. Im Frühling, doch nicht ehe, bis die Reifen aufhören, stelle es wieder aus, so werden die jungen Zwiebeln wie Schnittlauch aufgehen, die man fleißig vom Unkraut reinigen, mit Fleiß ihrer warten, aber nicht zu viel begiessen solle, ohne wanns gar zu heiß und trocken ist, am Abend, mit Fluß- oder Teichwasser; Im Ausgang des Septembris nimmt man sie aus der Erden, lässers acht Tag liegen, und legts nachgehends wieder, bey zunehmendem Mond in obgedachtem Zeichen, eine Handbreit von einander in obiger Tiefe, in leichte und gute, doch nicht fette Erde ein; das erste Jahr werden sie nur erbsengroß, und floriren im vierten und fünften Jahr, bezahlen aber die Müh und Gedult wohl, müssen alle Jahr, bis sie tragen, also ausgenommen und eingelegt werden.
9. Der Tulipensaamen muß bey trockenem Wetter, im obengenannten Zeichen bey zunehmendem Mond abgenommen werden.
10. Die Erde, darein man ihn obbemeldeter maßen säen soll, ist diese: Man nimmt alte Holz oder Sägspänerden, mischet darunter etwas zarten Sand, und füllet die Geschirre damit an.
11. Zu den Zwiebelgewächsen soll man niemals andere Sachen in ein Blumenbett pflanzen, sonderlich zu den feinen, weil andere Pflanzen theils wohl begossen werden, welches den Zwiebeln eine Fäulung verursachet, theils durch ihr Umwurzeln die Zwiebeln vertreiben, theils an ihrem Ausnehmen im Späthling hindern.
12. Wenn man bey einem Gärtner in dem Flor schöne Tulipen siehet, und dieselbe gerne unbetrogen haben möchte: soll man die Zwiebel samt den Blumen ausnehmen lassen, unabgebrochen mit sich heim nehmen, hernach jeden Stengel oben auf, gerad unter der Blume, mit zwey Fingern also drücken, daß der Stengel etwa welk werde, hernach jeden Zwiebel besoders, samt dem Stengel und der Blume in einem lüftigen Gemach, da der Sonne nicht zu viel kommt, also aufhenken, daß der Zwiebel über, die Blum aber unter sich sehe, und also, bis mans wieder einlegt, hangen assen.
Oder man nimmt die Zwiebel heraus, doch daß die ganze Blume allemal daran bleibe, und setze sie zusammen in ein Geschirr voll sandiger Erden, dick zusammen, hernach so bald da Kraut daran ganz dürr ist, nimms wieder heraus, truckne, säubere und lasse es also liegen, bis mans wieder einlegt. Dient wider den Betrug der Gärtner sehr wohl, und ist gewiß gut.
13. Hüte dich, daß du von keinem Zwiebelgewächs, ausser den unträchtig Königskronen, das Kraut abschneidest oder reissest, sonst schadets dem Zwiebel, sondern lasse es allgemach einziehen und abdorren.
14. Wann man zweyerley Zwiebeln von einander schneidet, doch also da? das Herz oder Mark innwendig an keinem zu viel beschädigt sey, und diese beyde hernach zusammen fügt, mit einem Faden zusammen bindet, auch die Spalte mit Pelzwachs [=Baumwachs] wohl verstreicht, und in einem guten tauglichen Grund einlegt, kan man gefüllte Tulipen bekommen; geräth es schon nicht allemal, doch zuweilen, und ist alsdann der Mühe wohl werth.
(aus Johann Georg Müller, Deliciae Hortenses oder vollständige Gartenlust, 1773).


Tulpe, Garten-Tulpe. L. Tulipa Gesneriana. Bechst. S.529. Klasse 6.Ordn. 1. Gewaechse mit 6 Staubfaeden und einem Stempel. Diese Blume wurde in der Mitte des 16ten Jahrhunderts aus Constantinopel nach Teutschland gebracht, und vorzüglich durch einen deutschen Gelehrten Gesner bekannt gemacht, von dem sie auch wohl den Linneischen Namen Gesneriana hat. Sie wurde in Holland so beliebt, daß man Beyspiele weiß, daß eine Tulpenzwiebel mit 2000 bis 5000 holländischen Gulden ist verkauft worden. In dem gräflichen Garten zu Pappenheim will man einmal 5000 verschiedene Sorten zusammen gehabt haben. Noch sind die hollaendischen Blumisten die einzigen, die sich mit der so mühsamen Erziehung der Tulpen aus dem Saamen abgeben, und eben dadurch die große Mannichfaltigkeit dieser Blumen zuwege gebracht haben.

Man bemühe sich nur um gute Zwiebeln, sie müssen aber alle Jahre ausgenommen und ihnen ein neuer Standort zugewiesen werden, da hingegen die gemeinen Tulpen nur alle drey Jahre versetzt zu werden brauchen. Die beste Erde fuer die Tulpe ist: drey Theile gute fette Gartenerde (nur kein Mist) und ein Theil Flußsand durch ein Drahtsieb gelaufen. Vierzehen Tage nach Michaelis ist die Pflanzzeit, und man legt dann in diese praeparierte Erde fuenf bis sechs Zoll tief die Tulpenzwiebeln, aber, nicht wie geoehnlich, thue man solches mit der Hand, sondern mit einem Pflanzholze, wie schon erwaehnt worden, s. Hyazinthe. [...]
(aus Sickler, Garten-Handlexicon fuer Unerfahrne in der Gartenkunst, 1811).


Tulpen. Wird man schwerlich in kleinen Gärten viel anbauen; will man aber blos einige einfarbige Sorten, so ist das nicht mühsam. Man kann dieselben viele Jahre auf dem nämlichen Platze stehen lassen, auf welchem sie gestanden haben. Bunte und andere von den Liebhabern sehr geschätze Sorten, müssen jährlich frisch gelegt werden. Man fängt um Michaelis schon an die Zwiebeln 6 bis 8 Zoll tief bey trockener Witterung einzulegen, (welche man nach der Reife des Saamens ausgenommen hat) und fährt damit so lange fort, als es die Witterung erlaubt. Man verfährt bey Behandlung der Tulpen eben so wie bey Behandlung der Hyacinthen.
(aus Salzmann, Allgemeines deutsches Gartenbuch, 1819).


Tulipa Gesneriana L. Gemeine Tulpe.

Gehört in die erste Ordnung der sechsten Classe.

Aus der länglich runden, mit einer braunen Schale umgebenen Zwiebel kömmt ein aufrechter, glatter mit wenigen oder gar keinen Blättern besetzter Stängel. Die untern Blätter sind breit, lanzettförmig, und meistens am Rande wellenförmig gebogen. An der Spitze des Stängels kömmt die große glockenförmige, aufrechte Blume.
Eine allgemein bekannte, und seit vielen Jahren mit großer Sorgfalt cultivierte Blume, um deren Cultur sich vorzüglich die Holländer sehr verdient gemacht haben. Hierdurch sind eine sehr große Menge an Spielarten entstanden, welche sich durch die Mannigfaltigkeit der Farben, und auch durch das Gefülltseyn der Blumen unterscheiden. Letztere werden am wenigsten geachtet. Zuweilen theilt sich auch der Stängel in mehrere Seitenstängel, deren jeder eine Blume trägt. Eine andere hat große am Rande ausgezackte Blumenblätter, und ist unter dem Nahmen Monstreusen bekannt. Wegen der Schwere der Blumen ist der Stängel gewöhnlich zur Erde gebogen.
Die einfachen regelmäßigen Tulpen werden am Meisten geschätzt. Man theilt sie im Allgemeinen in zwey Classen: - frühe und spät blühende. Die spät blühenden treiben weit höhere Stängel, und übertreffen die ersten sehr an Schönheit, welche nur deßwegen geschätzt werden, weil sie früher blühen. Die Schönheit einer Tulpe beurtheilt man vorzüglich darnach, daß sie einen hohen starken Stängel hat und daß die Blume oben rund, nicht spitz ist, und daß die Blumenblätter gerade aufstehen.
Gewöhnlich theilt man sie ein, in einfarbige oder Muttertulpen, und in bunte. Die einfarbigen theilt man in Bizarres und Violettes. Erstere haben gewöhnlich eine braune Kupferfarbe, und unten auf dem Grunde der Blume einen kleinen gelblichen oder schwarz mit gelb vermischten Flecken. Letztere sind entweder dunkel- oder hellviolett, grau, roth braunroth u.s.w., und haben auf dem Grunde der Blume einen wei&szglig;en, oder grau mit weiß vermischten Flecken.
Die bunten sind auf mannigfaltige Weise illuminirt, und sehr mannigfaltig gestrichelt, panachirt, gefedert, gemarmelt, gerandet u.s.w. Im Allgemeinen theilt man sie ein, in: - Baguettes primo, mit weißem Grunde und dunkelbrauner Illumination; - Baguettes Rigeaux, mit weißem Grunde und hellbrauner Illumination; - Bibloments, Beyblumen, mit weißem Grunde, und blau, violett, rosenfarbig, roth, röthlich u.s.w. illuminirt; - Bizardes, mit gelbem Grunde und verschiedenfarbiger Illumination.
Insbesondere theilt man sie in Ansehung der Farben und Mahlereyen ein on Picotten, Bizarden, Concordien und Farbenblumen. Die Picotten sind gleichsam ausgestickt oder fein ausgemahlt. Sie haben zwey Farben, Grundfarben und Illumination in Gestalt von Flecken oder Streifen, welche aber nicht bis unten in den Grund heruntergehen. - Die Bizarden haben eine unregelmäßige und unwillkührliche Farbenmischung, deren Illumination bis unten in den Grund hinuntergeht. - Die Concordien haben zwey ähnliche Farben, z.B. einen hellrothe Grundfarbe, und eine dunkelrothe Illumination. - Die Farbenblumen sind roth, gelb, braun, bläulich, und werden so wie die Concordien am wenigsten geachtet. [...]

Tulipa biflora L. Zweyblumige Tulpe.

Mit linien-pfriemenförmigen Blättern, und einem etwa sechs Zoll hohen, aufrechten, glatten, mit zwey gleichbreiten, zurückgekrümmten, rinnenförmigen Blättern besetzten Stängel, welcher gewöhnlich zwey, auch wohl mal drey gelbe Blumen trägt. Blühet im May.
In Rußland an der Wolga wild, und wird durch die Zwiebel fortgepflanzt, welche man, etwa vier Zoll tief einlegt, und einige jahre liegen läßt, ehe man sie aufnimmt.

Tulipa sylvestris L. Wilde Tulpe.

Mit schmalen lanzettförmigen Blättern, und einem einblumigen glatten Stängel, welcher eine gelbe, vor der Blüthe überhängende Blume trägt, welche spitze, und an der Spitze bartige Blätter hat. Blühet im May, auch wohl schon früher.
In der Schweiz, Osterreich u.a.O. wild, kömmt fast in jedem Boden gut fort, und läßt sich durch die Zweibeln fortpflanzen. Man kann sie auch wie die erste Art zur Winterflor benutzen, wozu man sie im August in Töpfe pflanzt.
(aus Wredow, Der Gartenfreund, 1819).


Reichart Gartenschatz

Tulipa,Tulpe. Die gemeine Tulpe (T. gesneriana L.) ist wegen der prachtvollen Farben ihrer Blumen und wegen der Mannigfaltigkeit der Zeichnung, die ihre unzählbaren Spielarten darbiethen, noch immer eine der geschätztesten Zierpflanzen. Nach der Blüthezeit unterscheidet man gewöhnlich Frühtulpen und Spättulpen. Erstere sind weniger zahlreich, und im Allgemeinen weniger schön von Farbe, und werden daher auch nicht so geschätzt, als die letztern; sie haben indessen den Vorzug, daß sie sich besser zum Treiben eignen. Eine scharfe Grenzlinie existirt übrigens zwischen diesen beyden Abtheilungen kaum; indem die verschiedenenSorten allmählich nach einander ihre Blüthe entwickeln, und bey einer vollständigen Flor kein Zeitpunct eintritt, wo nicht diese oder jene Sorte blühete. Die Sorten mit gefüllten Blumen haben vor den andern den Vorzug, daß ihre Blüthe längere Zeit dauert.
Die Tulpen lieben einen sandigen, warmen lockern Boden; wo daher zu fest und kalt ist, muß er durch beygemischten klaren Sand, und ganz verweseten Kuhmist, der wohl drey bis vier Jahre gelegen hat, verbessert werden.Niemahls darf man aber einen solchen Dünger in Menge anwenden; denn von vieler Düngung werden die Tulpenzwiebeln nur kleiner, und verfaulen endlich ganz. Frischer Dünger ist ihnen wahres Gift.
Die beste Zeit, die Tulpenzwieben zu legen, geht von der Mitte des Septembers an bis in October, wo sie vier bis fünf Zoll tief in die Erde gebracht werden. Ehe die Tulpenzwiebeln im Frühjahr zu keimen anfangen, muß man die Erde zwischen ihnen auflockern, und von allem Unkraut reinigen. Will man die Blüthezeit verlängern, so verfährt man auf ähnliche Weise wie bey den Hyacinthen und andern Zwiebelgewächsen. Diejenigen Sorten, welche höhere Stängel treiben, muß man an beygesteckte Stäbchen binden. Die Blumen selbst dürfen niemahls abgerissen werden, da das Wachsthum der Zwiebeln dadurch verhindert wird. Es ist dagegen unrichtig, wenn man glaubt, daß die Ausbildung der Samen der Zwiebel die Kraft raube, und deßhalb die Samenkapseln vor der Reife abschneidet; es erreicht vielmehr auch dann, wie sich Reichart durch Versuche überzeugte, die Zwiebel ihre gehörige Größe*). [...]
*) Das Abschneiden der Blumen wird wohl nur dann schädlich, wenn ein bedeutender Theil des Krauts zugleich mit abgenommen wird. In Holland werden wenigstens von den frühen Tulpen durchaus alle Blumen, theils während der Blüthe, Theils wenn sie zu verblühen anfangen, abgeschnitten. Die spätern läßt man aber daselbst wachsen, weil zwischen der Blüthezeit und der Herausnahme der Zeitraum zu kurz ist, als daß die Samen reif werden können.
(aus Bernhardi, Christian Reichart's practisches Handbuch für den Blumen- und Zierpflanzen-Gartenbau, 1821).


Tulipa; Tulpe. Blumenhülle (Corolle u.A.) 6blättrig; Kronblätter meistens glockenförm. zusammengeneigt. Ansitzende 3lappige Narbe. Capsel 3seitig, 3fächerig, 3klappig, vielsaamig. Hexandia Monogynia. Liliaceae. Perennirende Zwiebelgewächse mit meistens 1-blumigem Schafte u. schönen Blumen. [Es folgen 6 Seiten mit ausführlicher Beschreibung von 11 Tulpenarten und deren Kultur]
(aus Bosse, Vollständiges Handbuch der Blumengärtnerei, Theil 3, 1842).

TULIPACEAE. Tulipa, Tulpe

Von dieser Gattung sind es besonders die frühblühenden Arten, deren man sich zur der Treiberei bedient, weil diese in den Häusern und Zimmern erzogen einen schönern Habitus als die spätblühenden behalten.
Die Tulpe gedeiht fast in jedem Boden, wenn er nur einigermaaßen locker und gut gedüngt ist. Die Zwiebeln werden im Oktober in Entfernungen von 5-6 Zoll und in einer Tiefe von 5 Zoll gepflanzt. Die Zubereitung der Beete, so wie die Pflanzordnung ist dieselbe, wie sie bei den Hyazinthen angegeben ist.
Bein anhaltender Kälte ohne Schnee bedeckt man die Beete 3-4 Zoll hoch mit Laub oder Mist, um das Eindringen des Frostes abzuhalten; diese Decke muß aber, sobald sich gegen das Frühjahr anhaltend milde Witterung einstellt, hinweggenommen werden, damit man das zu zeitige Treiben vermeidet.
Im Juni, oft schon Ende Mai's, sobald die Blätter anfangen abzusterben, nimmt man die Zwiebeln aus der Erde, reinigt sie möglichst und bringt sie an einen luftigen, schattigen Ort zum Abtrocknen, wo sie bis zur Pflanzzeit aufbewahrt werden. Die Tulpe mehrere Jahre hintereinander in der Erde liegen zu lassen, ist nicht zu empfehlen, weil dadurch das Farbenspiel der schön gezeichneten Sorten verloren geht, und weil sie oft schon im zweiten Jahre einfarbig blühen, was den Blumisten keinesweges angenehm und befriedigend sein kann. Daß die Blumen einfarbig werden, ist Folge eines zu üppigen Wuchses, daher denn auch die Beete, welche nicht zur Anzucht, sondern zur Aufstellung der Florblumen bestimmt sind, nur mäßig gedüngt werden müssen. Viele Blumisten pflanzen ihre Tulpen, besonders Tulipa Gesneriana, erst im Dezember, auch wohl Januar, weil dadurch die Pflanze zwar geschwächt wird, aber schöner gezeichnete Blumen bringt. Dies Verfahren ist sehr gewagt, denn nicht selten kann man des schnell eintretenden Frostes wegen gar nicht pflanzen, und verliert dadurch die ganze Flor.
Die Vermehrung der Tulpen geschieht in der Regel durch Bruten, denn aus dem Saamen erzogen sind sie sehr dem Variieren ausgesetzt, und nur selten erzieht man ähnliche Sorten, wie die, von denen der Saamen entnommen ist, daher denn auch die unzähligen Varietäten entstanden sind. [Es folgen weitere sechs Seiten mit Sortenlisten mit entsprechenden Kulturanweisungen]
(aus Bouché, Die Blumentreiberei, 1842).


Tulpenfest.

Alljährlich feierten die Frauen des Serail auch das Tulpenfest. Der Sultan sieht es als den schmeichelhaftesten Beweis der Liebe und Zuneigung an,wenn die Bewohnerinnen des Harems ihm zu Ehren dieses Fest in ihren Gärten veranstalten.

Es wird mit dem größten Pomp gefeiert. In den in blendender Illumination prangenden Gärten gewahrt man auf besonderen Erhöhungen einen amphitheatralisch aufgestellten Tulpenflor, der an Farbenmannigfaltigkeit einen Alles überragenden Anblick gewährt. Teppiche breiten sich über den Boden, kostbare Essenzen senden ein Meer von Wohlgerüchen, denn die Tulpe haucht derartige Düfte nicht aus, sie bestcht nur durch schöne Form un Farbenpracht die Sinne. Wenn alles vorbereitet ist, dann holen die reichgeschmückten Frauen den Sultan und führen ihn in feierlicher Procession in die gleich einem Märchen aus tausend und einer Nacht ausgeschmückten Gärten.

Hier werden ihm die seltensten und schönsten Tulpen gezeigt, die zwar nicht seinen Namen führen, doch in allegorische Beziehung mit ihm gebracht werden, wenn man sie ihm als "Traum der Glückseligkeit, Geheimniß des Ewigen, Elixier der Liebe" vorzeigt, und seine Phantasie dadurch anregt.
(aus Strantz,Die Blumen in Sage und Geschichte, 1875, Seiten 270-290.).


Jühlke, Gartenbuch für Damen

Die Tulpe (Tulipa Gesneriana). - Um neue Varietäten zu erhalten, erziehen erfahrene Blumisten die Tulpen aus Samen. Da die jungen Zwiebeln aber oft vor dem fünften bis siebenten Jahre nicht blühen, so ist diese Art von Vermehrung für Liebhaber sehr unvorteilhaft. Selbst wenn die aus Samen erzogenen Tulpen blühen, so erzeugen sie in den ersten zwei oder drei Jahren nur einfarbige Blumen und lassen natürlich in diesem Zustande viel zu wünschen übrig. Um bei Tulpen die Erzeugung glänzender und bestimmter Farben herbeizuführen, welche in Betreff der Schönheit der Blumen den Anforderungen der Blumisten entsprechen, unterwirft man sie einem plötzlichen Wechsel des Bodens, des Klimas und der Behandlung. Einmal werden sie in dem dürftigsten Boden gehalten, wobei man ihnen nur so viel Wasser verabreicht, daß sie am Leben bleiben, dann versetzt man sie in den fettesten Boden und giebt ihnen Wassers die Fülle. Um eine Veränderung des Klima's zu bewirken, ließen früher manche Blumenliebhaber ihre Tulpen zuweilen zwanzig oder mehr Meilen von dem Orte, wo sie erzogen wurden, kultivieren und nahmen sie später von dort wieder zurück in ihre heimatliche Luft. Diese mühsame und unwissenschaftliche Methode hat schon längst rasch einem geeigneteren Verfahren Platz [gemacht]. Hiernach bringt man die jungen Zwiebeln vermittelst Bodenwärme, Wasser und wiederholtes Versetzen dahin, daß sie im zweiten Jahre blühen und bestimmt ausgesprochene Farben annehmen. [...Insgesamt widmen sich 4 Seiten den Tulpen]
(aus Jühlke, Gartenbuch für Damen, 1889).


Tulipa Gesneriana. und T. suaveolens - Gartentulpe. Man hat davon eine große Anzahl von Abarten in allen möglichen Schattierungen und Farben, bei denen nur die rein blaue Farbe fehlt. Es ist gut, sie jedes Jahr aufzunehmen und wieder im Herbst zu pflanzen; jedoch schadet es nicht, wenn sie auch einmal ein Jahr stehen bleiben, wobei das Beet nach der Blüte mit anderen Blumenarten besetzt wird. (aus Davidis, Großes Gartenbuch, 1913).


Tulpenzwiebeln werden im Oktober 6 Zentimeter tief gepflanzt, kleine Sorten mit 12, mittlere mit 15, große und hohe mit 18 Zentimeter Abstand. Die Tulpenbeete werden vor Frost durch aufgedecktes Reisig von Wacholder oder Fichten geschützt.

Sind die Blumen abgeblüht, dürfen die Zwiebeln noch nicht gleich herausgenommen werden; die Blütenstengel werden dann abgeschnitten, aber die Blätter müssen bleiben, bis sie von selbst eingehen, dannerst werden die Zwiebeln ausgehoben, scharf getrocknet und trocken aufbewahrt. Nährstoffreicher, aber milder Lehmboden sagt den Tulpen gut zu, außerdem brauchen sie, wenn sie eine Reihe von Jahren kräftig bleiben sollen, viel kurzen Dünger.

Niedrige Sorten mit kleineren Blumen sind die frühen Duc van Tholl-Sorten, die besonders in leuchtend scharlach, gelb, weiß und einigen Zwischenfarben zu haben sind.

Etwas höhere Sorten (30 Zentimeter), auch noch frühblühend, sind: Jost van Vondel, La Reine, Weißer Schwan, welche weiß blühen; Vermillon und Maas, leuchtendrot; La Précieuse, rot und weiß gestreift; Thomas Moore, rosa; Grand duc, rot mit gelbem Rand; Van der Neer, violett. Die genannten Tulpen blühen einfach; schöne gefüllte Sorten sind: La Candeur. weiß; Murillo, leuchtendrosa; Vuurbaak, tieffeuerrot; Veronika, dunkelrot mit gelbem Rand; Prince d#39;Orange, gelbrot (schwachwüchsig). Die Preisverzeichnisse bieten eine große Zahl von Sorten an; man achte auf Blütezeit, Farbe und Höhe bei gemischten Pflanzungen.

Eine besondere Art, welche 50 bis 70 Zentimeter hoch wird und in den letzten Jahren sehr verbessert wurde, sind die "Darwin-Tulpen". Wüchsige schöne Sorten sind: Psyche, rosa; Prinzesse Elisabeth, karminrosa; Königin der Niederlande, tiefrot; Ariadne, feuerrot; Europa, karmin. "Papagei-Tulpen" sind interessant durch Blütenform, streifigbunte Farben; sie blühen später als die niedrigen Sorten. Tulipa Greigii hat große, schwarzrote Blätter und spätblühende, große orangerote Blumen. Tulipa Foersteriana, mit grünen Blättern und großen Blumen, der vorgenannten ähnlich. Auch die Rembrandt-Tulpen mit getuschten Blütenfarben, etwa 35 Zentimeter hoch, sind sehr beachtenswert. (aus Böttner, Gartenbuch für Anfänger, 1930).


Tulips are the most colourful of all the late spring-flowering bulbs, the most vivid jewels in the May garden. I am glad that at last we are returning to the custom of planting them as they were planted when first introduced three hundred years ago - in mixed colours.

Anyone can plant a bed of a hundred, or for that matter a million tulips, if they can afford it, all of one colour, but it takes skill and knowledge to plant them so that in their flowering time there is delightful posy, so to speak, of all different colours enhanced by the less showy flowers of the carpeting plants. It is as true now as when Parkinson wrote three centuries ago in his Paradisus: "But above and beyond all others the tulips may be so matched, one colour answering and setting off another, that the place where they stand may resemble a piece of curious needlework."I like, too, the modern custom of planting them, especially in small gardens, rather sparcely amongst other spring flowers taller than carpeting plants, but not so tall as the tulips. [...] (aus: Rohde, Gardens of Delight, 1934).


Boettner, Gartenbuch für Anfänger

Die Tulpe (Tulipa) ist eine der ältesten Zwiebelblumen des Gartens und auch eine der beliebtesten. Wir können uns wohl keinen Frühlingsgarten ohne die vielfarbigen, hohen, niedrigen, formschönen und meist auch duftenden Tulpenblüten vorstellen.

Tulpenzwiebeln werden im Oktober gelegt, und zwar etwa 10 cm tief, kleine Sorten mit 13, mittlere mit 15, große und hohe mit 18 cm Abstand. Die Tulpenbeete werden vor der Frostzeit mit Tannen- oder Fichtenreisig abgedeckt. Sind die Blumen abgeblüht, dürfen die Zwiebeln noch nicht gleich herausgenommen werden; die Blütenstengel werden dann abgeschnitten, aber die Blätter müssen bleiben, bis sie von selbst eingehen, dann erst werden die Zwiebeln ausgehoben, getrocknet und aufbewahrt. Das herausnehmen bedeutet aber immer eine Störung, deshalb sollten wir bei durchlässigem Boden die Zwiebeln besser an Ort und Stelle lassen. Auf alle Fälle brauchen Tulpen, wenn sie eine Reihe von Jahren kräftig bleiben und reich blühen sollen, viel kurzen Dünger. [...]
(aus Böttner, Gartenbuch für Anfänger, 1942).


Die Tulpe dringt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit einer bestimmten Art von der Türkei über den Balkan nach Italien vor. Unabhängig hiervon wird sie von dem kaiserlichen Gesandten Busbeck um die Mitte des Jahrhunderts nach dem Norden eingeführt. Bei ihrem allmählichen Vordringen bringt sie die volle Form des türkischen Ausgangswortes tülbend ‚Musselintuch‘ mit. Mit i als Gleitlaut, der ursprünglich den palatalen Charakter des l andeutet, erscheint diese in entsprechenden Abwandlungen im Südrussischen, Rumänischen, Dalmatinischen und Italienischen. Italien vermittelt sie weiter an Frankreich, wo sie als tulipan bei Oliver de Serres und in den südlichen Mundarten auftaucht. Die im Schriftfranzösischen wie Deutschen, Englischen usf. sich durchsetzenden Kurzform geht von den Tulpenkulturen Hollands, und zwar speziell Mechelns, aus, die der mit Busbeck in Verbindung stehende Botaniker Clusius veranlaßte.
(aus Rommel, Die Entstehung des klassischen Französischen Gartens im Spiegel der Sprache, 1954).


Tulpen
Tulipa

[....] Seit 1585 gibt es in Holland Blumenzwiebelzucht und -handel. In dem leichten, sandigen und zugleich fruchtbaren holländischen Boden mit seinem hohen Grundwasserstand wuchsen die Tulpen vorzüglich. Man zog die Brut auf und säte aus, so dass bald neue Sorten entstanden, deren Zahl weiterhin durch die mannigfaltigen Sports vermehrt wurde, die gerade bei den Tulpen häufig auftreten. Als Sport bezeichnet man plötzliche Veränderungen von Farbe und Blütenform, die nicht auf Erbspaltungen beruhen. [...] Aus der Geschichte der Tulpenzucht sei nur, quasi als weiteres Beispiel für die eigentümliche Macht der Tulpe, noch erwähnt, dass zwischen 1730 und 1870, also fast fünf Menschenalter lang, zuerst die Tulpenzucht, späterhin auch die Hyazinthenzucht in der Berliner Pflege Fuß fassten und zu hoher Blüte gelangten. [...] Holländische Emigranten und angeworbene Kolonisten hatten die neue Kultur als Möglichkeit mitgebracht und, als sie den Berliner Boden von gleicher Beschaffenheit und Eignung dafür gefunden wie die verlassenen in der Heimat, ungesäumt ihr angestammtes, vertrautes Geschäft wieder aufgenommen. [...] Zum Erliegen kam der Anbau durch die rapide Zunahme der Stadt Berlin. Bodenspekulation und Mietskasernen brachten doch mehr ein als Tulpen und Hyazinthen. [...] Und nicht nur jene Berliner Blumenzwiebelfelder sind verschwunden, als hätte es rechts und links der Spreeufer nie welche gegeben, sondern auch die allermeisten Tulpen- und Hyazinthensorten jener Zeit gingen verloren. Das gleiche gilt von den frühen holländischen und allen sonstigen Züchtungen. Man muß sich an die alten Blumenbücher halten, wenn man etwas über ihr Aussehen wissen möchte. Viele Schilderungen enthalten freilich zahlreiche Irrtümer oder einfache Fabeleien. So darf man zum Beispiel den Basler Stadtphysikus Th. Twinger nicht beim Wort nehmen, der in seinem „Theatrum Botanicum“ [erschienen 1699 zu Basel] neben verschieden roten, gelben und weißen auch von schwarzen, braunen, grünen, blauen und sogar von himmelblau blühenden Tulpen berichtet, von denen er allerdings keine selbst gesehen habe. Es gibt und gab gelblich-grüne, mit grünen Flecken und Zonen, so gefärbten Punkten und Streifen versehene, desgleichen dunkelbraune, violettbraune, purpurbraune Tulpenzüchtungen, aber niemals und nirgends reinblaue und himmelblaue. Der Chromosomensatz der Tulpen enthält kein Gen, kein Genfragment für diese Farbe. Wie die Tulpen des neunzehnten Jahrhunderts aussahen, kann man dagegen aus den vielen botanischen Tafelwerken der Zeit leicht ablesen. Die meisten guten Züchtungen dieser Epoche wurden in kunstvollen Kupfern, mit der Hand ausgemalt, festgehalten, wobei die Maler mit höchster Akkuratesse und Farbtreue arbeiteten. [...] (Insgesamt 15 Seiten sind den Tulpen gewidmet)
(aus Grunert, Pflanzenportraits, 1954).


Schubert, Im Garten zu Hause

Tulipa, Tulpe (Liliengewächs)
Höhe 20-80 cm; Pflanzzeit September/Dezember; Blütezeit April/Mai; Blütenfarben: alle außer blau.

Hier möchte man sagen: "Wer kennt die Völker, zählt die Namen" ... denn Tulipa Gesneriana, die Gartentulpe, erscheint alle Jahre in neuen Farben und Formen, die das Extrem der Höhe und Riesenblütigkeit nach der einen, und das Extrem der Kleinheit und Vielblütigkeit nach der anderen Seite mit aller Publikumswirksamkeit vertreten. Die normale Pflanztiefe ist 10-15 cm, der Abstand von einer Tulpe zur anderen 15-20 cm. Was den Umgang mit Tulpenzwiebeln anbelangt, so sind die Meinungen - wie schon erwähnt - verschieden. Manche guten Gartenkenner schwören darauf, dass sie ihre Tulpenzwiebeln mit bestem Erfolg jahrelang im Boden lassen, andere nicht minder gewiegte Fachleute bleiben dabei, sie allsommerlich herauszunehmen, gebündelt zu trocknen, nach dem Abstreifen des Laubes fein nach der Größe zu sortieren und nur die schönsten, regelmäßigsten, größten Zwiebeln schon im August/September 18-20 cm tief neu zu legen. Für dekorative Einzelpflanzung auf Rabatten, auch als Frühlingsflor vor Rosen wird sich diese Methode des alljährlichen Wechsels unbedingt empfehlen, zumal wenn man die kleineren Tulpenzwiebeln jeweils auf einem abseitigen Zuchtbeet bis zur richtige Größe und Blühfähigkeit weitertreiben kann.

Wo Tulpen "ungezähmt" in Naturgartenpartien wachsen dürfen, können - ja sollen sie ruhig an ihrem Platz bleiben. Nur so entwickeln sie sich nämlich zu jenen schönen, starken Büschen, wie man sie vor allem bei den niedrigen Wildtulpen liebt. […]

Nebenbei: einfache, nicht zu hohe Tulpen sind im Garten langstielige Exemplare, die leicht vom Wind zerzaust und durch die Schwere ihrer Blütenköpfe vom Regen geknickt werden. Im übrigen bieten die Tulpen zahllose Möglichkeiten gartenkünstlerischer Behandlung und farblich überzeugender Eingliederung in andere Pflanzengemeinschaften. Allerdings sollten sie in diesem Falle nie einzeln, sondern immer in Trupps zu mindestens einem Dutzend eingefügt werden, was ihrer Eigenart die schönste Bildwirkung sichert. [...]
(aus Schubert, Im Garten zu Hause, 1955).


Die Tulpe

Dunkel
War alles und Nacht
In der Erde tief
Die Zwiebel schlief,
Die braune

Was ist das für ein Gemunkel,
Was ist das für ein Geraune,
Dachte die Zwiebel,
Plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
Und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
Und um sich geblickt
Mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat der Frühling Ihr entgegengelacht.

(von Joseph Guggemoos aus: Krüss [Hrsg.], So viele Tage wie das Jahr hat, 1959).
Petersen, Das gelbe Gartenbuch

Tulpe (Tulipa)
Es wankt das Tulpenbeet, von eigenem Glanze trunken!

In Holland, wo der leichte Sandboden und die Nähe des meeres das altbekannte Tulpenparadies schufen, kann man vieles von den Züchtern lernen. Die wichtigsten Punkte sind: niemals eine Tulpe in Samen gehen lassen, sondern den Blütenkopf sogleich nach den Tagen der Hochblüte abbrechen. Dies kräftigt die Zwiebel. Zweitens: beim Legen der Tulpenzwiebeln die Stelle im Garten wechseln. Der Boden wird tulpenmüde. Nach etwa drei Jahren - er hat inzwischen andere Pflanzen getragen und ernährt - ist er wieder aufnahmefähig für Tulpen. Das muss man wissen. Und erlebt man die Beglückung im Frühling einmal in Holland die Tulpenfelder zu sehen - es ist wirklich ein großes Erlebnis - so versäume man nicht, ein paar der Züchter in ihren anspruchslos wirkenden Glashäusern zu besuchen. Sie zeigen gerne ihre besonbderen Seltenheiten, auf die sie stolz sind, wie auf ein Kunstwerk. Es sind auch wahre Herrlichkeiten, die man zu sehen bekommt. Von der riesenhaften Tulpenglocke auf kurzem hellgrünem dicken Stiel, zur Zwergtulpe, von ihr wieder zur Darwintulpe auf meterhohem Stengel in ganz ungewöhnlichen Farben. Was sah ich dort für farbige Züchtungen aus den gewöhnlichen Papageientulpen!
Man soll die Zwiebeln früh im Herbst legen, damit sie bei Eintritt von Frost bereits genügend tief bewurzelt sind. der Boden muß eine Zeitlang vorher umgegraben sein mit Kompostzusatz und er muß sich gesetzt haben, man soll nicht Tulpen in frisch umgegrabenen Boden legen. Um Farbflecke zu erzeugen, nimmt man die gleiche Sorte, die gleiche Farbe und legt 5-20 Stück in Trupps. - Sollen sie herausgenommen werden und zum Herbst für neues Leben bewahrt, muß man sie in Torfmull oder Sand aufbewahren, sonst welkt die Zwiebel.
Viele Gartenfreunde haben sich die Tulpe als Lieblingsblume erwählt, wa hat sie auch für mannigfaltige Formen und Farben! Welch ein langer Weg führt von den frühblühenden kleinen Wildtulpen, die wir in den Steingarten setzen, von den niedrigen Duc van Tol-Tulpen zu den Darwin- und Mendeltulpenm, zu den Papageientulpen, zu den gefüllten, deren Schönheit man erst ahnt, wenn sie sich in der Wärme wie eine Päonie öffnen. [...]
(aus Petersen, Das gelbe Gartenbuch, 1965).


Tulipa, die Tulpe. Familie der Liliengewächse.
Auch die Tulpen können jahrelang an Ort und Stelle bleiben und blühe immer wieder. Dem Blumenfreund geht es aber mit den Tulpen genauso wie mit den Hyazinthen. Die Zwiebeln können ihm im Weg sein, wenn er das Beet umgraben und für die Sommerblumen, die den Tulpen im Blühen folgen sollen, den Boden vorbereiten will. Die Tulpenzwiebeln werden 12 Zentimeter tief in die Erde gelegt. Nach der Blüte darf der Boden nur oberflächlich gelockert werden, wenn man Sommerblumen nachpflanzen will, es sei denn, man nimmt die Tulpenzwiebeln aus dem Boden und hebt sie bis zum Herbst trocken auf, um sie dann neuerlich zu pflanzen.
Die Samenhändler bieten verschiedene Arten von Tulpen, die scich in der Blütenform unterscheiden, an: einfache und gefüllte Tulpen, früh- und spätblühende Sorten; Mendel-Tulpen; Breeder-Tulpen; Triumpf-Tulpen; Darwin-Tulpen; Lilienblütige Tulpen; Papagei-Tulpen; Rembrandt-Tulpen, Botan. Tulpen (Wildtulpen). Man soll früh- und spätblühende Tulpen wählen, um sich recht lange an der Tulpenblüte erfreuen zu können. Die Pflanzzeit ist, wie bei den Hyazinthen und Narzissen, im Frühherbst. Je früher man pflanzen kann, desto besser. Der Boden ist tiefgründig umzugraben und feinkrümelig zu machen. Dann legt man die Zwiebeln auf eine Entfernung von 15 Zentimeter aus und drückt sie 12 Zentimeter tief in die lockere Erde. Würde man die Löcher mit dem Pflanzholz vorstechen, so bestünde die Gefahr, daß unter den Zwiebeln Hohlräume bleiben, die die Wurzelbildung beeinträchtigen.
Hat man die Tulpenzwiebeln nach der Blüte im Boden gelassen, so kann es sein, daß manche im nächsten Jahr nur Blätter entwickeln, ohne zu blühen. Diese Zwiebeln, die aus irgendeinem Grunde nicht zur Entwicklung kamen, können aber ein Jahr später blühen. Die Tulpemn bringen Tochterzwiebeln, die genügend gekräftigt sein müssen, um blühen zu können. Die Vermehrung der Tulpen geschieht durch diese Tochterzwiebeln. Sind sie klein, so setzt man sie auf ein Beet mit gutem Boden.
(aus "Eipeldauer, du und dein garten, 1966).


Böttners Gartenbuch für Anfänger und Fortgeschrittene

Tulpen

über Tulpen zu sprechen, heißt bei manchem Gartenfreund, Eulen nach Athen zu tragen. Trotzdem muß darüber gesprochen werden, denn ohne Tulpen wird der Frühling im Garten nur unvollkommen einziehen und zudem ist das Thema "Tulpe" so unendlich mannigfach zu variieren, dass auch für den Kenner immer Neues entsteht. Nicht die Frage der Sorten ist entscheidend, da in jeder Gruppe oder Rasse praktisch alle Farben der Skala rot-gelb-weiß vorkommen, sondern das Spiel mit den einzelnen Gruppen, um zu immerblühendem, leuchtendem Frühling zu kommen.
Eines sei zum Verständnis für die Behandlung vorausgeschickt: die Tulpe ist eine ausgesprochene Steppenblume. Wenn in ihrer kleinasiatischen Heimat die Regenzeit von sengenden Sonnenstrahlen abgelöst wird, vergeht das Laub. Tief verborgen im kühlen Schoß der Erde verharrt die Zwiebel in einer scheinbaren Ruhezeit. Sie ist nur scheinbar, denn in dieser Zeit bildet sich im Inneren die neue Blüte. In unseren Breiten geschieht das im Juli-August. Kommt der Herbst und Winter mit seiner Feuchtigkeit, so treibt die Zwiebel zunächst neue Wurzeln. Dann schiebt sich der Sproß vorsichtig bis dicht unter die Erdoberfläche und wartet, bis der Boden die - für jede Tulpenart verschiedene - richtige Temperatur erreicht hat, um raketengleich hochzuschießen und in kürzester Zeit zu blühen und zu fruchten. Diese Leistung wird ganz aus eigener Kraft, aus den in den Zwiebelschalen gespeicherten Energien geschafft. Die Mutterzwiebel verzehrt sich dabei zu einem schäbigen, schrumpeligen Rest. Gleichzeitig arbeiten jedoch Wurzeln und Blätter auf vollen Touren, um aus Licht, Luft, Wasser und Nährstoffen neue Zwiebeln entstehen zu lassen. Nicht immer wird es geschafft, in einem Jahr eine blühfähige dicke Zwiebel heranzubilden; dann werden
eben im nächsten Jahre nochmals Blätter gemacht und nochmals Energien gesammelt. [...]
(aus Böttner, Böttners Gartenbuch für Anfänger und Fortgeschrittene, 1967).


Gärtner Pötschkes großes Gartenbuch

Tulpe (Tulipa gesneriana)

Liliaceae - Liliengewächs. Im Vorderen Orient und in Persien ist die Tulpe bereits seit mehr als tausend Jahren bekannt und beliebt. Im sechzehnten Jahrhundert hielt sie ihren Einzug bei uns in Europa und darf heute in keinem Garten mehr fehlen. Durch intensive Kreuzung und Züchtung der zahlreichen Wildsorten verfügen wir jetzt über ein umfangreiches Sortiment der verschiedensten Sorten. Diese hier einzeln zu beschreiben, würde zu weit führen. In den Herbstkatalogen der Versandgärtnereien kannst du dir Jahr für Jahr neue, schöne Sorten aussuchen. Ich möchte dir nur die verschiedenen Klassen nennen, die vorwiegend angeboten werden.

ausgezeichnet zum Schnitt verwenden. Es gibt darunter sehr wohlriechende Arten.

Die gefüllten, frühen Tulpen sind auch außerordentlich frühblühend, werden etwa 30 cm hoch und eignen sich vorzüglich zur Grabbepflanzung, für Beete, Rabatten und zum Schnitt.

Die Darwin-Tulpen sind ausgesprochene Schnitt-Tulpen, die eine Höhe von 60 bis 75 cm erreichen. Sie blüehen nach den beiden erstgenannten Sorten in einem zauberhaften Farbenspiel.

Noch langstieliger sind die Breeder-Tulpen. Sie sind als ausgesprochen spätblühend anzusprechen.

Die Triumpf-Tulpen blühen zur gleichen Zeit wie die Darwin-Tulpen, werden aber nicht ganz so hoch und sind deshalb auch zur Beetpflanzung noch sehr gut zu verwenden.

Lilienblütige Tulpen sind durch ihre hübsche Blütenform beliebt, ebenso die Papageien-Tulpen, die durch ihre bizarren Blütenformen aufffallen.

Außer den genannten Klassen gibt es noch eine große Menge botanischer Tulpen, die sich vorwiegend für den Steingarten eignen, und kein Liebhaber sollte versäumen, sich von diesen Sorten einige zu besorgen. Tulpenzwiebeln sollten nur im Herbst, je nach Sorte 10 cm tief gepflanzt werden. Sie überwintern ohne Schutz, ich empfehle jedoch immer gern, auf die Pfanzstellen eine Schicht Torfmull auszubreiten. VorwitzigeTulpen, die schon im Herbst aus der Erde gucken, bekommen dann nicht so leicht die häßlichen, braunen Spitzen. Außerdem kann die Herbstsonne nicht direkt auf den Boden einwirken und die Zwiebeln zu verfrühtem Austrieb verlocken. Merke auch bei Tulpen: Niemals viele Jahre nacheinander auf das gleiche Beet bringen. Bodenmüdigkeit und Krankheiten führen dann leicht zu hohen Verlusten.

Ein bis zwei Jahre kannst du die Zwiebeln an Ort und Stelle stehenlassen. Dann mußt du sie aber, wenn das Laub abgestorben ist aus der Erde nehmen, den Sommer über kühl und trocken aufheben und im Herbst erneut einpflanzen.
(aus Pötschke, Gärtner Pötschkes großes Gartenbuch, 8.Aufl., ca.1970).


Tulpe Tulipa - Liliaceae, Liliengewächse. Winterharte Zwiebelgewächse. Vorderasien. Sonne, Halbschatten, Schatten. Für Rabatte, Beete, Steingarten, Wildtulpen in Trupps unter Sträucher, frühe Gartentulpen für Gräber, Balkon, Treiberei. Stengel einfach, wenig beblätter. Blätter linealisch bis breit linealisch-lanzettlich. Blüten glockig, meist einzeln. Schnittblumen.
Der Name Tulpe (toliban) stammt aus Persien. Die Blütenform ist turbanähnlich. In Vorderasien wurden schon viele Sorten gezüchtet, als die Tulpe bei uns noch völlig unbekannt war. Der Gesandte Busbeck brachte sie vom Hofe des Sultans 1554 nach Wien, von hier aus gelangte sie durch den Botaniker Clusius nach Leyden; 1559 blühte sie in den Gärten der Fugger in Augsburg. Größere Importe von Tulpenzwiebeln erreichten ab 1561 Holland, England und Frankreich. In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts spekulierte man vor allem in Holland mit Tulpen. Jeder Gärtner und jeder, der über ein kleines Stückchen Boden verfügte, züchtete neue Tulpensorten, geflammte, gestreifte, schwarze und bunte. Als der Preis 1637 auf 5.500 Gulden für die Zwiebel einer Sorte stieg, schritt die Regierung ein und setzte Höchstpreise fest. Diese Regelung führte zu einer unerwarteten Katastrophe. Die Spekulation brach in sich zusammmen. In dieser Zeit schuf Breughel das satirische Bild "Tulpenhandel"; Rubens malte seine Frau inmitten eines Tulpengartens; Dumas schrieb den Roman "Die schwarze Tulpe".
Heute nimmt die allgemeine Beliebtheit der Tulpe wieder zu. In den Niederlanden versuchen größere Züchtereien ständig neue Sorten hervorzubringen. Der Export der Tulpenzwiebeln spielt dort wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Wer sich an der Tulpenpracht in Holland erfreuen will, dem sei im Frühjahr eine Fahrt nach Haarlem oder nach Lisse zum berühmten Keukenhof empfohlen. Er wird eine Tulpenschau ohnegleichen erleben. (Es folgen über eine Seite Sorten- und Pflanzhinweise)
(aus Spangenberg, Elly Petersens praktisches Gartenlexikon, 1982).


Wird fortgesetzt und mit weiteren Bildern illustriert.

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