Die Tulpe in der Gartenliteratur

Kupferstich TulpeWelchen Reiz das Blättern und Lesen in alten Gartenbüchern haben kann, möchten wir Ihnen ansatzweise vermitteln, indem wir im Folgenden Passagen aus alten und neueren Gartenbüchern wiedergeben, die sich mit einem Kleinod des "Lustgartens" befassen: mit der Tulpe. Seit Jahrhunderten beliebter und begehrter Farbakzent der Gärten, ist sie natürlich auch seit jeher fester Bestandteil der Gartenliteratur. Machen Sie mit uns eine Zeitreise und erleben Sie einen Ausschnitt aus der Geschichte der Garten(buch)kultur. Orthographie, Zeichensetzung, Absätze und Diktion werden Sie schnell in die jeweilige Epoche versetzen. Beachten Sie auch, wie sich die Akzente verschieben und wie unterschiedlich die Ratschläge im Verlauf der Zeit ausfallen. Wenn Sie dabei Appetit bekommen, sich intensiver mit Gartenbüchern zu beschäftigen, so empfehlen wir uns als der richtige Ansprechpartner. Die Überschriften entsprechen den im jeweiligen Buch eingesetzten.

Es handelt sich um eine willkürliche persönliche Auswahl. Besonders in den neueren Büchern wird die Tulpe aber oft nur unter dem Oberbegriff Zwiebel- und Knollengewächse abgehandelt. Falls ich dort keinen passenden Absatz finden konnte, habe ich diese Bücher nicht berücksichtigt, um den Rahmen dieser Seite nicht zu sprengen.

Gleichzeitig gibt Ihnen diese Übersicht einen kurzen Einblick in den Stil des jeweiligen Autoren. Vielleicht entdecken Sie den Stil und die Ausdrucksform, die Ihnen am meisten zusagt. Dann schauen Sie doch mal im Katalog, ob dort noch andere seiner Werke angeboten werden - oder sprechen Sie uns an.


Titel Elsholtz

17. Tulipen.

Zu welcher Zeit diese schoene Blume in Teutschland aufkommen/ ist wol von wenigen wahr genommen worden. Ich muthmasse/ daß sie nicht viel ueber hundert Jahr bey uns bekand worden: sinthemal der hocherfahrne Conradus Gesnerus in seinem Buche De Hortis Germaniae meldet/ daß er im Jahre 1559. zu Augspurg in Herrn Joan. Henrich Herwarts Garten die erste Tulipe gesehen. Und zwar war selbige aus Samen/ welchen gedachter Herwart von Constantinopel empfangen/ gezielet worden. Ihre Abbildung in Holtzschnitt ist auch in bemeltem Buche/ welches zu Straßburg im 1561. Jahre gedrucket worden/ zufinden/ und wird sotane/ meines Erachtens unter den Teutschen wohl die älteste seyn: dahero dan leicht zuschliessen/ wie sehr die Gärtnerey in diesen hundert Jahren bey uns gebessert.

Das ganze Regiment der itzo bekanten Tulipen aber bestehet nach C. B. Rechnung in XXXVII Arten/ die doch so viel Veraenderungen unter sich haben/ daß man ihrer 144. zehlen kann. Die erste Abtheilung kann genommen werden von der Zeit/ nach welcher sie fruezeitig bluehen/ Tulipa praecox, hat XI: oder langsamer/ Tulipa dubia, hat V: oder spaet/ Tulipa ferotina, hat neun Arten. Die ander Abtheilung ruehret her von der Groesse/ nach welcher etliche gantz niedrig von Stengel bleiben/ Tulipa pumilio, hat V. Arten: etliche aber kleine Blumen bringen/ Tulipa minor, hat VII. Sorten

Die Farbe der Blumen belangend/ selbe ist erstlich einfach: und solches wiederumb entweder in den Hauptfarben/ als gelb/ roth/ weiß/ gruen/ blau: oder in derselbigen Nebenfarben/ als weißgelb/ citronengelb/ pomerantzengelb/ saffrangelb/ ziegelroth/ zinoberroth/ purpurroth/ braunroth/ schneeweiß/ milchweiß/ silberweiß/ aschweiß/ und so ferner. Zum anderen ist sie gedoppelt oder eingesprengt: als gelb und roth/ roth und weiß/ weiß und gruen/ und dergleichen so mancherley Gattung/ dass es scheinet/ die Natur habe hierin alle Malerey uebertreffen wollen.

Und zwar aus dieser Quelle sind entsprungen die seltsamen Zunamen der Tulipen/ mit welchen sich die Frantzoesische und Niederlaendische Gaertner erlustigen/ indem sie die Außtheilung nach den ersten Liebhabern solcher Blumen/ oder nach den eigenen Namen ihrer Provinzen/ Generalen/ Admiralen/ oder auch auswaertigerPotentaten eingerichtet. Als: [es folgte eine doppelseitige Aufzählung von Tulpennamen].

Unter solcher Menge aber sind meines Erachtens wenig/ welche diese nehesten Jahr ueber im hiesigen Churfuerstlichen Lustgarten nicht sollten gesehen worden seyn: wie da dessen ein gut Zeugnis giebet das Theatrum Tuliparum, welches auff der Churfuerstlichen Bibliothec hieselbst vorhanden/ und im Jahre 1661. von mir zusammen getragen worden/ bestehende allbereit aus 126. Stueck Tulipen/ welche nach dem Leben in vorigen Jahren von guter Hand hieselbst mit zierlichen Farben gezeichnet worden. Alldieweil aber ietzt erzehlte Namen keine deutliche Kentnis geben/ so wollen wir nach C. B. Anleitung folgende XXI. Arten/ jedoch ihre Veraenderungen nicht mit gerechnet/ auch allhier beneben anfuehren. [Es folgt eine Sortenliste und zweieinhalb Seiten Pflanz- und Pflegeanleitung]

Weil in Erkauffung der Zwiebeln von Tulipanen/ und dergleichen Blumwerck viel Betrug unterlauffen/so ist dieses ein Mittel/ nicht betrogen zu werden/ wenn man in einen Garten kommet/ da sotante Waare zu kauff. Nemlich/ lasset euch diejenige Blumen/ die euch gefallen/ mit sambt den Zwiebeln aus dem Erdreich in eurer Gegenwart ausheben/ und nehmet sie mit nach Hause. Ferner druecker einer jeden den Stengel oben hart unter der Blumen mit zween Fingern also/ daß der Stengel etwas welck werde: darnach hänget das gantze Gewaechs uembgekehrt auff/ so daß die Zwiebel oben/ und die Blume unten komme. Solcher gestalt ziehet die Zwiebel allgemach den Safft aus dem Stengel nach sich/ und erhält sich dadurch/ als durch ihre Nahrung/ etliche Monate/ bis ihr sie bequem wieder ins Erdreich versetzen koennet: jedoch muss da Gemach etwas lufftig seyn. Deßgleichen kann man auch wol eine bluehende Tulipane ausgraben/ die Zwiebel absondern/ sie in frischem/ doch trucknen Sande in einem lufftigen Keller verscharren/ und sie daselbst/ bis auff die Zeit der Einsetzung/ ohn Schaden auffheben.
(aus Elsholtz, Neu angelegter Garten-Bau, 1690).


Von denen Tulipanen. Von dem Unterscheid derer Tulipanen/ und ihren Gattungen. Herr Menage sagt, daß die Tulipanen oder Tulipen urspruenglich aus der Tuerckey seyen; und werden dieselbige Tulipanen genennet/ weil sie einiger Masse mit der Figur eines Turbans oder Tuerckischen Bunds uebereinkommen/ welchen letztern die Italiaener Tulipano nennen.

Obwohl alle Tulipanen nur von einerley Art (nemlich Tulipen) sind/ so giebts doch gewißerlich vielerley Gattungen darunter/ als weisse und gelbe; Die gemeine rothe sind auch Tulipen/ aber von dreyerley Gattunge/ die unter den drey Gattung ihre Farbe niemals aendern/ und sind die allergemeineste/ aber auch die geringschaetzigste sind.

Man sieht auch sonst andere von unterschiedlicher rothen Farbe/ einige sind etwas dunckel in der Farbe/ andere aber etwas heller; einige haben einen schoenen Glantz/ andere hingegen sind hierinnen etwas schwaecher: Wann sich nun unter diesen Gattungen eine oder die andere finden/ deren Grund-Farbe verstaendigen Blumen-Liebhabern anstehet/ und ist wie sie seyn soll/ so lassen sie dieselbige Saamen tragen/ und von diesen Saamen kommen die beste Farben her.

Man findet daß die Tulipen von zweyerley Art oder Natur sind/ als die fruehe und dann die spaethe: Es ist auch noch eine andere Gattung zu sehen/ die man mittaegige oder mittlere nennen kan/ weil sie zwischen denen ersten und letzten zu bluehen pflegen. Von allen diesen dreyen Gattungen sehen wir von unterschiedenen Farben. [...Insgesamt widmen sich 51 Seiten den Tulpen]
(aus Neue Unterweisung zu dem Blumen-Bau, 1705).

Tulipa ist ein Zwiebel-Gewächse/ so jährlich durch dero junge Bruth oder abgesetzte junge Bulben vermehret und fortgepflantzet wird/ auch von Saamen gezogen/ so aber langsam zugehet. Nach der Ordnung von dieser Blumen zu handeln/ und dem geliebten Leser den gründlichen Bericht mitzutheilen/ ist dieses vors Erste/ daß/ wenn ein Liebhaber deselbigen gesinnet/ von diesen Blumen/ sonderlich der rar-und schönsten/ so man aus Holland kommen lässet/ in seinen Garten gerne haben wil und pflantzen/ daß er fuer allen Dingen den Ort betrachte/ oder wo er es selber nicht verstehet/ solchen durch einen erfahrnen Gärtner beobachten lasse/ ob er zu solchen Dingen tuechtig; denn unter den gemeinen rohten und gelben Tulipanen/ und denen Hollaendischen ein grosser Unterschied ist; denn die Gemeinen moegen wohl geringe Erdreich und Wartung haben; dargegen die Hollaendischen eine viel bessere und sorgfältigere Wartung erfordern/ weil die so viel edler und zaerter seyn. Und ist nicht gnug/ daß mancher sage: Tulipanen sind ein Geschlechte/ und ist kein Unterschied unter ihnen/ wo eine geringe kann wachsen/ auch wohl eine gute. Ich aber sage Nein dazu/ und nehme die Erfahrung zum Zeugen/ daß eine geringe Tulipan leicht ein Land und Ort haben mag/ da sie waechset/ auch wohl in schatticht- groben und ungebautem Erdreich ihre Blumen bringen/ und wie die Erfahrung mit sich bringet/ wo solche gemeinen Blumen gestanden/ daß man sie nicht wieder vertilgen kann; dagegen aber die Hollaendischen und Zarten/ wenn sie schon alle Jahre zur rechten Zeit werden ausgenommen/wieder zur rechten Zeit versetzet/ das Erdreich nach Moeglichkeit verbessert/ und also an ihnen gethan wird/ was moeglich ist/ dennoch wohl gantze Laender voll / sonderlich/ wenn ein feuchter/ nasser Winter ist/ verfaulen und abstehen/ wie mir es denn offt mit nicht geringen Schaden geschehen. Darum/ wenn ein Liebhaber/ wie oberwehnet/ Tulipanen/ so kostbar seyn/ in seinem Garten haben will/ er wohl beaobachte/ ob das Erdreich darzu tuechtig sey; hat es keine Sonne/ so ists nicht zu rahten/ ist der Boden steinicht/ ist auch nicht zu rathen/ denn solcher verursacht Kaelte/ und dadurch verfaulen die rare und edle Tulipanen; ist der Boden leimich/ dient eben so wenig wegen der Faeulnueß. [... 6 Seiten, 12 Spalten beschäftigen sich mit der Tulpe]
(aus Heinrich Hessens Teutscher Gaertner, 1710).


Tulipanen. Ist fast unzehlicher Art und Farben/ als wie die Negelein/ deren man ueber hunderterley zehlen koennte; Weil es aber zu weitlaeufig wuerde/ ihre besondere Namen alle hier zu specificiren und zu benennen/ als habe solches uebergehen/ und die Liebhabere auf groessere Buecher/ welche ein mehrers davon geschrieben/ verweisen wollen; wir aber fuehren nur das noethigste hier an. Sie floriren theils im Mertz/ und theils erst im May nachdem sie tieff oder hoch stehen/ nachdem kommen sie frueh oder spat; Nach Jacobi nimt man sie aus/ trocknet und verwahret sie/ bis in die dritte Wochen/ oder wohl gar bis mitten in den September/ in einem schattichten Ort/ hernach setzt man sie im wachsenden Liecht in ein geschlachtes/ aber nicht mit Mist gedunktes/ sondern mit Sand vermengtes Erdreich/ wieder ein/ dann von dem Dungfaulen die Zwiebeln; man ziehet sie aus ihren Saamen/ allein es gehet sehr langsam zu/ jedoch wer die Gedult hat/ darauf zu warten/ der kann hierdurch allerley schoene Farben ueberkommen/ daß ihm also sein langes Warten nicht dauern wird. Die Farben derselben sind roth/ gelb/ weiß/ schwartz/ welche letztere man aber in solcher Farbe selten allein siehet: Angeregte Farben haben haben entweder nur einzechtig/ welches nicht fuer schoen gehalten wird/ oder auf mancherley Weise und Gattung/ auf das allerschoenste und kuenstlichste untereinander gemenget/ also/ daß theils gestreiffet/ teils gestriemet/ theils geflammet/ u.s.f. seyn; sie lieben einen freyen trucknen Ort/ nicht zu fett und nicht zu mager/ daß auch die Sonne den Ort recht bescheinen koenne. Doch man muß sich in Acht nehmen, daß der Nord-Wind ihnen keinen Schaden thue/ ueber das so soll der Grund nicht sehr naß und fett seyn/ damit die Zwiebeln in demselben nicht verfaulen/ und dadurch die schoene Farbe verlieren; Im nassen Ort muessen sie nicht eingesetzet werden/ damit-sie/ wie gedacht/ nicht verfaulen/ oder im Winter desto eher ausfrieren. [...],
(aus Pictorius, Der im Blumen- Kuchen- Arzney- Und Baum-Garten Guendlich informirte Gärtner, 1714).


Die Tulipanen werden in vielerley Sorten eingetheilet, nemlich in solche, welche im Frueling bluehen, in mittlere und spate, welche nach der Jahrs-Zeit ihres Flors unterschieden, ingleichen in Farben-Tulipanen, von welchen man den Saamen einsammlet, und endlich in bundfaerbige, so an denen Enden eingefaßt, welche die schoenste sind.

Die Farben-Tulipane wird diejenige genannt, welche ohne Unterbrechung oder Vermischung reine und nette Farben hat; die bundfaerbige aber ist gestreifft, und mit vielen andern Farben eingefaßt. Diejenige,welche alle Jahre nett und lso unverruckt gestreifft kommt, wird die ausbuendig schoene genennet.
Die bundfaerbigen werden in Frankreich und andern Orten wieder eingetheilet in in verschiedene Sorten , absonderlich aber in die neu ausfallende,gedoppelte, gestreiffte, und dergleichen,wie ihnen dann ein jeder Namen nach seiner Phantasie gibt, als die Kayserin, die Triumphierende, die Juno, u. s. w.
Uberhaupt werden die Tulipanen hoch geacht, wenn sie eine nette Farbe auf Atlas-Art haben, ohne einige unordentliche Verwirrung. Man verlangt von Ihnen einen blauen Grund, und schwartze oder Violet-farbene Streiffe. Diejenigen, welche die Frantzosen Bizarres nennen , und die, welche am wenigsten Gelb- und Rothes haben, werden am meisten gesucht. Bisweilen schlagen sie aus der Art, absonderlich wenn sie gesaeet werden; hingegen werden andere noch schoener, und diese nennet man Tulipen von ungefehr, pflantzet auch dieselben besonders, und zu Ende zweyer Jahre geben sie die allerschoensten Tulipanen. Die bundfaerbigen, so in etwas vermenget, verbessern sich zum oeftern im anderen Jahre. [...Es folgen noch 2 Seiten Wartungsdetails]
(aus Le Blond, Die Gaertnerey, 1731).


Bei den Tulpen nimt ihre Schönheit ab, wo sie nicht alle Jahre ausgenommen werden. Wil man in der genauen Zeit sie ausnehmen, nicht irren; so verrichte man dieß alsden, wenn ihre Blätter und Stengel gelblicht geworden sind. Solches kann man auch bei andern Zwiebelgewaechsen beobachten. Das Laub schneidet man sodan einen Zol hoch ueber den Zwiebeln weg. Hat man den Raum; so breitet man sie in einem luftigen Zimmer so aus einander, daß sie sich nicht beruehren. Mit dem Ausgange des Herbstmonats, und bis um Martini, werden sie wieder grpflanzet. Man leget sie nemlich bei trocknem Wetter, in eine mittelmaessige mit etwas Sand vermischte Erde, bis 5 Zol tief, und decket ein leichtes Erdreich darueber. Vornemlich verlangen die Tulpen einen leichten und magern aber wohl umgegrabenen Boden. Von starkem Düngen werden ihre Zwiebeln klein, mat, und schimlicht. Sehr wohl aber gerathen sie, wenn man die alte Erde, worin sie das vorige Jahr gestanden, einen Fus tief wegnimmt, und an deren Platz ein Erdreich bringet, das wenigstens ein Jahr ungebraucht, und mit einem wenigen verfaulten Kuhmist untermenget, gelegen hat. [...] Den Tulpen ist es auch schaedlich, wenn man ihnen, gleich nach der Bluete, die Samenstengel wegschneidet.

Jede Tulpenzwiebel, die eine Blume gebracht hat, vergehewt. Will man von diesem Gewaechse den Samen aufnehmen, und kuenftig saeen, so mus es von den weissen und rothgesprengten geschehen, sonderlich, wenn sie blaue Boden haben. Die gelbe und rothe variiren nicht. Es taugen auch die spaete Blumen besser zum Samentragen, als die fruehen. [...]
(aus Krause, Der kluge und sorgfaeltige Gaertner, 1754).


Tulpe, Garten-Tulpe. L. Tulipa Gesneriana. Bechst. S.529. Klasse 6.Ordn. 1. Gewaechse mit 6 Staubfaeden und einem Stempel. Diese Blume wurde in der Mitte des 16ten Jahrhunderts aus Constantinopel nach Teutschland gebracht, und vorzüglich durch einen deutschen Gelehrten Gesner bekannt gemacht, von dem sie auch wohl den Linneischen Namen Gesneriana hat. Sie wurde in Holland so beliebt, daß man Beyspiele weiß, daß eine Tulpenzwiebel mit 2000 bis 5000 holländischen Gulden ist verkauft worden. In dem gräflichen Garten zu Pappenheim will man einmal 5000 verschiedene Sorten zusammen gehabt haben. Noch sind die hollaendischen Blumisten die einzigen, die sich mit der so mühsamen Erziehung der Tulpen aus dem Saamen abgeben, und eben dadurch die große Mannichfaltigkeit dieser Blumen zuwege gebracht haben.

Man bemühe sich nur um gute Zwiebeln, sie müssen aber alle Jahre ausgenommen und ihnen ein neuer Standort zugewiesen werden, da hingegen die gemeinen Tulpen nur alle drey Jahre versetzt zu werden brauchen. Die beste Erde fuer die Tulpe ist: drey Theile gute fette Gartenerde (nur kein Mist) und ein Theil Flußsand durch ein Drahtsieb gelaufen. Vierzehen Tage nach Michaelis ist die Pflanzzeit, und man legt dann in diese praeparierte Erde fuenf bis sechs Zoll tief die Tulpenzwiebeln, aber, nicht wie geoehnlich, thue man solches mit der Hand, sondern mit einem Pflanzholze, wie schon erwaehnt worden, s. Hyazinthe. [...]
(aus Sickler, Garten-Handlexicon fuer Unerfahrne in der Gartenkunst, 1811).


Tulpen. Wird man schwerlich in kleinen Gärten viel anbauen; will man aber blos einige einfarbige Sorten, so ist das nicht mühsam. Man kann dieselben viele Jahre auf dem nämlichen Platze stehen lassen, auf welchem sie gestanden haben. Bunte und andere von den Liebhabern sehr geschätze Sorten, müssen jährlich frisch gelegt werden. Man fängt um Michaelis schon an die Zwiebeln 6 bis 8 Zoll tief bey trockener Witterung einzulegen, (welche man nach der Reife des Saamens ausgenommen hat) und fährt damit so lange fort, als es die Witterung erlaubt. Man verfährt bey Behandlung der Tulpen eben so wie bey Behandlung der Hyacinthen.
(aus Salzmann, Allgemeines deutsches Gartenbuch, 1819).


Tulipa Gesneriana L. Gemeine Tulpe.

Gehört in die erste Ordnung der sechsten Classe.

Aus der länglich runden, mit einer braunen Schale umgebenen Zwiebel kömmt ein aufrechter, glatter mit wenigen oder gar keinen Blättern besetzter Stängel. Die untern Blätter sind breit, lanzettförmig, und meistens am Rande wellenförmig gebogen. An der Spitze des Stängels kömmt die große glockenförmige, aufrechte Blume.
Eine allgemein bekannte, und seit vielen Jahren mit großer Sorgfalt cultivierte Blume, um deren Cultur sich vorzüglich die Holländer sehr verdient gemacht haben. Hierdurch sind eine sehr große Menge an Spielarten entstanden, welche sich durch die Mannigfaltigkeit der Farben, und auch durch das Gefülltseyn der Blumen unterscheiden. Letztere werden am wenigsten geachtet. Zuweilen theilt sich auch der Stängel in mehrere Seitenstängel, deren jeder eine Blume trägt. Eine andere hat große am Rande ausgezackte Blumenblätter, und ist unter dem Nahmen Monstreusen bekannt. Wegen der Schwere der Blumen ist der Stängel gewöhnlich zur Erde gebogen.
Die einfachen regelmäßigen Tulpen werden am Meistengeschätzt. Man theilt sie im Allgemeinen in zwey Classen: - frühe und spät blühende. Die spät blühenden treiben weit höhere Stängel, und übertreffen die ersten sehr an Schönheit, welche nur deßwegen geschätzt werden, weil sie früher blühen. Die Schönheit einer Tulpe beurtheilt man vorzüglich darnach, daß sie einen hohen starken Stängel hat und daß die Blume oben rund, nicht spitz ist, und daß die Blumenblätter gerade aufstehen.
Gewöhnlich theilt man sie ein, in einfarbige oder Muttertulpen, und in bunte. Die einfarbigen theilt man in Bizarres und Violettes. Erstere haben gewöhnlich eine braune Kupferfarbe, und unten auf dem Grunde der Blume einen kleinen gelblichen oder schwarz mit gelb vermischten Flecken. Letztere sind entweder dunkel- oder hellviolett, grau, roth braunroth u.s.w., und haben auf dem Grunde der Blume einen wei&szglig;en, oder grau mit weiß vermischten Flecken.
Die bunten sind auf mannigfaltige Weise illuminirt, und sehr mannigfaltig gestrichelt, panachirt, gefedert, gemarmelt, gerandet u.s.w. Im Allgemeinen theilt man sie ein, in: - Baguettes primo, mit weißem Grunde und dunkelbrauner Illumination; - Baguettes Rigeaux, mit weißem Grunde und hellbrauner Illumination; - Bibloments, Beyblumen, mit weißem Grunde, und blau, violett, rosenfarbig, roth, röthlich u.s.w. illuminirt; - Bizardes, mit gelbem Grunde und verschiedenfarbiger Illumination.
Insbesondere theilt man sie in Ansehung der Farben und Mahlereyen ein on Picotten, Bizarden, Concordien und Farbenblumen. Die Picotten sind gleichsam ausgestickt oder fein ausgemahlt. Sie haben zwey Farben, Grundfarben und Illumination in Gestalt von Flecken oder Streifen, welche aber nicht bis unten in den Grund heruntergehen. - Die Bizarden haben eine unregelmäßige und unwillkührliche Farbenmischung, deren Illumination bis unten in den Grund hinuntergeht. - Die Concordien haben zwey ähnliche Farben, z.B. einen hellrothe Grundfarbe, und eine dunkelrothe Illumination. - Die Farbenblumen sind roth, gelb, braun, bläulich, und werden so wie die Concordien am wenigsten geachtet. [...]

Tulipa biflora L. Zweyblumige Tulpe.

Mit linien-pfriemenförmigen Blättern, und einem etwa sechs Zoll hohen, aufrechten, glatten, mit zwey gleichbreiten, zurückgekrümmten, rinnenförmigen Blättern besetzten Stängel, welcher gewöhnlich zwey, auch wohl mal drey gelbe Blumen trägt. Blühet im May.
In Rußland an der Wolga wild, und wird durch die Zwiebel fortgepflanzt, welche man, etwa vier Zoll tief einlegt, und einige jahre liegen läßt, ehe man sie aufnimmt.

Tulipa sylvestris L. Wilde Tulpe.

Mit schmalen lanzettförmigen Blättern, und einem einblumigen glatten Stängel, welcher eine gelbe, vor der Blüthe überhängende Blume trägt, welche spitze, und an der Spitze bartige Blätter hat. Blühet im May, auch wohl schon früher.
In der Schweiz, Osterreich u.a.O. wild, kömmt fast in jedem Boden gut fort, und läßt sich durch die Zweibeln fortpflanzen. Man kann sie auch wie die erste Art zur Winterflor benutzen, wozu man sie im August in Töpfe pflanzt.
(aus Wredow, Der Gartenfreund, 1819).


Reichart Gartenschatz

Tulipa,Tulpe. Die gemeine Tulpe (T. gesneriana L.) ist wegen der prachtvollen Farben ihrer Blumen und wegen der Mannigfaltigkeit der Zeichnung, die ihre unzählbaren Spielarten darbiethen, noch immer eine der geschätztesten Zierpflanzen. Nach der Blüthezeit unterscheidet man gewöhnlich Frühtulpen und Spättulpen. Erstere sind weniger zahlreich, und im Allgemeinen weniger schön von Farbe, und werden daher auch nicht so geschätzt, als die letztern; sie haben indessen den Vorzug, daß sie sich besser zum Treiben eignen. Eine scharfe Grenzlinie existirt übrigens zwischen diesen beyden Abtheilungen kaum; indem die verschiedenenSorten allmählich nach einander ihre Blüthe entwickeln, und bey einer vollständigen Flor kein Zeitpunct eintritt, wo nicht diese oder jene Sorte blühete. Die Sorten mit gefüllten Blumen haben vor den andern den Vorzug, daß ihre Blüthe längere Zeit dauert.
Die Tulpen lieben einen sandigen, warmen lockern Boden; wo daher zu fest und kalt ist, muß er durch beygemischten klaren Sand, und ganz verweseten Kuhmist, der wohl drey bis vier Jahre gelegen hat, verbessert werden.Niemahls darf man aber einen solchen Dünger in Menge anwenden; denn von vieler Düngung werden die Tulpenzwiebeln nur kleiner, und verfaulen endlich ganz. Frischer Dünger ist ihnen wahres Gift.
Die beste Zeit, die Tulpenzwieben zu legen, geht von der Mitte des Septembers an bis in October, wo sie vier bis fünf Zoll tief in die Erde gebracht werden. Ehe die Tulpenzwiebeln im Frühjahr zu keimen anfangen, muß man die Erde zwischen ihnen auflockern, und von allem Unkraut reinigen. Will man die Blüthezeit verlängern, so verfährt man auf ähnliche Weise wie bey den Hyacinthen und andern Zwiebelgewächsen. Diejenigen Sorten, welche höhere Stängel treiben, muß man an beygesteckte Stäbchen binden. Die Blumen selbst dürfen niemahls abgerissen werden, da das Wachsthum der Zwiebeln dadurch verhindert wird. Es ist dagegen unrichtig, wenn man glaubt, daß die Ausbildung der Samen der Zwiebel die Kraft raube, und deßhalb die Samenkapseln vor der Reife abschneidet; es erreicht vielmehr auch dann, wie sich Reichart durch Versuche überzeugte, die Zwiebel ihre gehörige Größe*). [...]
*) Das Abschneiden der Blumen wird wohl nur dann schädlich, wenn ein bedeutender Theil des Krauts zugleich mit abgenommen wird. In Holland werden wenigstens von den frühen Tulpen durchaus alle Blumen, theils während der Blüthe, Theils wenn sie zu verblühen anfangen, abgeschnitten. Die spätern läßt man aber daselbst wachsen, weil zwischen der Blüthezeit und der Herausnahme der Zeitraum zu kurz ist, als daß die Samen reif werden können.
(aus Bernhardi, Christian Reichart's practisches Handbuch für den Blumen- und Zierpflanzen-Gart

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