Kupferstich TulpeWelchen Reiz das Blättern und Lesen in alten Gartenbüchern haben kann, möchten wir Ihnen ansatzweise vermitteln, indem wir im Folgenden Passagen aus alten und neueren Gartenbüchern wiedergeben, die sich mit einem Kleinod des "Lustgartens" befassen: mit der Tulpe. Seit Jahrhunderten beliebter und begehrter Farbakzent der Gärten, ist sie natürlich auch seit jeher fester Bestandteil der Gartenliteratur. Springen Sie mit diesen Zeilen durch die Zeit und erleben Sie einen Ausschnitt aus der Geschichte der Garten(buch)kultur. Übernommene Orthographie*, Zeichensetzung, Absätze und Diktion mögen dabei helfen, sich der jeweiligen Epoche zu nähern.
Leben die frühen Gartenbücher eher von der Erfahrung und der genauen Beobachtung der Natur, nimmt das theoretische Wissen um die Pflanzen im Laufe der Zeit ständig zu. Gerade die Wanderung durch die Aufzeichnungen im Laufe der Zeit macht es jedoch deutlich, dass der Erfolg des Gärtners wesentlich von der Beobachtung und Erfahrung abhängt. Natürlich spielt auch der Zeitgeist und die Mode eine Rolle. So war es bis zum Barock üblich, Saat und Ernte streng nach den Mondphasen auszurichten (=Beobachtungs- und Erfahrungswerte), wurde dieses Wirtschaften im Zuge der Aufklärung beiseite geschoben, ja verdammt, und durch Ratschläge aus der rationalen Naturwissenschaft ersetzt. Erst seit wenigen Dezennien hat der Einfluß der Mondphasen auf die biologischen Prozesse wieder Beachtung gefunden. Alles schon dargewesen - überzeugen Sie sich selbst.

Wenn Sie Appetit bekommen, sich intensiver mit alten Gartenbüchern zu beschäftigen, so empfehlen wir uns als der richtige Ansprechpartner.

Grandville, Les fleurs annimées: TulpeEs handelt sich um eine willkürliche persönliche Auswahl. Besonders in den neueren Büchern wird die Tulpe aber oft nur unter dem Oberbegriff Zwiebel- und Knollengewächse abgehandelt. Falls ich dort keinen passenden Absatz finden konnte, habe ich diese Bücher nicht berücksichtigt, um den Rahmen dieser Seite nicht zu sprengen.

Gleichzeitig gibt Ihnen diese Übersicht einen kurzen Einblick in das Werk des jeweiligen Autoren. Vielleicht entdecken Sie den Stil und die Ausdrucksform, die Ihnen am meisten zusagt. Dann schauen Sie doch mal im Katalog, ob dort noch weitere seiner Werke angeboten werden - oder sprechen Sie uns an.

Anmerkung: Wenn am Ende der jeweiligen Kopfzeile ein "*" angefügt ist, so bedeutet das, dass hier der entsprechende Text vollständig enthalten ist.

 


1690 — Elſholtz, Johann Sigiſmund : Neu angelegter Garten-Baw, Frankfurt und Leipzig.

Titelblatt aus  Elsholtz

17. Tulipen.

Zu welcher Zeit dieſe ſchöne Blume in Teutſchland aufkommen/ iſt wol von wenigen wahr genommen worden. Ich muthmaſſe/ daß ſie nicht viel über hundert Jahr bey uns bekand worden: ſinthemal der hocherfahrne Conradus Gesnerus in ſeinem Buche De Hortis Germaniae meldet/ daß er im Jahre 1559. zu Augspurg in Herrn Joan. Henrich Herwarts Garten die erſte Tulipe geſehen. Und zwar war ſelbige aus Samen/ welchen gedachter Herwart von Conſtantinopel empfangen/ gezielet worden. Ihre Abbildung in Holtzſchnitt ist auch in bemeltem Buche/
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welches zu Straßburg im 1561. Jahre gedrucket worden/ zufinden/ und wird ſotane/ meines Erachtens unter den Teutſchen wohl die älteſte ſeyn: dahero dan leicht zuſchlieſſen/ wie ſehr die Gärtnerey in dieſen hundert Jahren bey uns gebeſſert.
Das ganze Regiment der itzo bekanten Tulipen aber beſtehet nach C. B. Rechnung in XXXVII Arten/ die doch ſo viel Veränderungen unter ſich haben/ daß man ihrer 144. zehlen kann. Die erſte Abtheilung kann genommen werden von der Zeit/ nach welcher ſie früzeitig blühen/ Tulipa praecox, hat XI: oder langſamer/ Tulipa dubia, hat V: oder ſpät/ Tulipa ferotina, hat neun Arten. Die ander Abtheilung rühret her von der Gröſſe/ nach welcher etliche gantz niedrig von Stengel bleiben/ Tulipa pumilio, hat V. Arten: etliche aber kleine Blumen bringen/ Tulipa minor, hat VII. Sorten
Die Farbe der Blumen belangend/ ſelbe ist erſtlich einfach: und ſolches wiederumb entweder in den Hauptfarben/ als gelb/ roth/ weiß/ grün/ blau: oder in derſelbigen Nebenfarben/ als weißgelb/ citronengelb/ pomerantzengelb/ ſaffrangelb/ ziegelroth/ zinoberroth/ purpurroth/ braunroth/ ſchneeweiß/ milchweiß/ ſilberweiß/ aſchweiß/ und ſo ferner. Zum anderen ist sie gedoppelt oder eingesprengt: als gelb und roth/ roth und weiß/ weiß und grün/ und dergleichen so mancherley Gattung/ dass es ſcheinet/ die Natur habe hierin alle Malerey übertreffen wollen.
Und zwar aus dieſer Quelle ſind entsprungen die ſeltſamen Zunamen der Tulipen/ mit welchen ſich die Frantzöſiſche und Niederländiſche Gärtner erluſtigen/ indem ſie die Außtheilung nach den erſten Liebhabern ſolcher Blumen/ oder nach den eigenen Namen ihrer Provinzen/ Generalen/ Admiralen/ oder auch auſwärtiger Potentaten eingerichtet. Als: [...]
[Es folgt eine doppelseitige Aufzählung von Tulpennamen].
Unter ſolcher Menge aber ſind meines Erachtens wenig/ welche dieſe neheſten Jahr über im hieſigen Churfürſtlichen Luſtgarten nicht ſollten geſehen worden ſeyn: wie da deſſen ein gut Zeugnis giebet das Theatrum Tuliparum, welches auff der Churfürſtlichen Bibliothec hieſelbst vorhanden/ und im Jahre 1661. von mir zuſammen getragen worden/ bestehende allbereit aus 126. Stück Tulipen/ welche nach dem Leben in vorigen Jahren von guter Hand hieſelbst mit zierlichen Farben gezeichnet worden. Alldieweil aber ietzt erzehlte Namen keine deutliche Kentnis geben/ so wollen wir nach C. B. Anleitung folgende XXI. Arten/ jedoch ihre Veränderungen nicht mit gerechnet/ auch allhier beneben anführen. [...]
(Es folgt eine Sortenliste und zweieinhalb Seiten Pflanz- und Pflegeanleitung)
Weil in Erkauffung der Zwiebeln von Tulipanen/ und dergleichen Blumwerck viel Betrug unterlauffen/so ist dieſes ein Mittel/ nicht betrogen zu werden/ wenn man in einen Garten kommet/ da ſotante Waare zu kauff. Nemlich/ lasset euch diejenige Blumen/ die euch gefallen/ mit ſambt den Zwiebeln aus dem Erdreich in eurer Gegenwart auſheben/ und nehmet ſie mit nach Hause. Ferner drücker einer jeden den Stengel oben hart unter der Blumen mit zween Fingern alſo/ daß der Stengel etwas welck werde: darnach hänget das gantze Gewächs ümbgekehrt auff/ ſo daß die Zwiebel oben/ und die Blume unten komme. Solcher geſtalt ziehet die Zwiebel allgemach den Safft aus dem Stengel nach ſich/ und erhält ſich dadurch/ als durch ihre Nahrung/ etliche Monate/ bis ihr ſie bequem wieder ins Erdreich verſetzen könnet: jedoch muss das Gemach etwas lufftig ſeyn. Deßgleichen kann man auch wol eine blühende Tulipane ausgraben/ die Zwiebel abſondern/ ſie in friſchem/ doch trucknen Sande in einem lufftigen Keller verſcharren/ und ſie daſelbst/ bis auff die Zeit der Einſetzung/ ohn Schaden auffheben.

1705 — Neue Unterweiſung zu dem Blumen-Bau, Leipzig.

Von denen Tulipanen.
Von dem Unterſcheid derer Tulipanen/ und ihren Gattungen.

Herr Menage ſagt, daß die Tulipanen oder Tulipen urſprünglich aus der Türckey ſeyen; und werden dieſelbige Tulipanen genennet/ weil ſie einiger Maſſe mit der Figur eines Turbans oder Türckiſchen Bunds übereinkommen/ welchen letztern die
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Italiäner Tulipano nennen.
Obwohl alle Tulipanen nur von einerley Art (nemlich Tulipen) ſind/ so giebts doch gewißerlich vielerley Gattungen darunter/ als weiſſe und gelbe; Die gemeine rothe ſind auch Tulipen/ aber von dreyerley Gattunge/ die unter den drey Gattung ihre Farbe niemals ändern/ und ſind die allergemeineſte/ aber auch die geringſchätzigſte sind.
Man ſieht auch ſonst andere von unterſchiedlicher rothen Farbe/ einige ſind etwas dunckel in der Farbe/ andere aber etwas heller; einige haben einen ſchönen Glantz/ andere hingegen ſind hierinnen etwas ſchwächer: Wann ſich nun unter dieſen Gattungen eine oder die andere finden/ deren Grund-Farbe verſtändigen Blumen-Liebhabern anſtehet/ und iſt wie ſie ſeyn ſoll/ so laſſen ſie dieſelbige Saamen tragen/ und von dieſen Saamen kommen die beſte Farben her.
Man findet daß die Tulipen von zweyerley Art oder Natur ſind/ als die frühe und dann die ſpäthe: Es iſt auch noch eine andere Gattung zu ſehen/ die man mittägige oder mittlere nennen kan/ weil ſie zwischen denen erſten und letzten zu blühen pflegen. Von allen dieſen dreyen Gattungen ſehen wir von unterſchiedenen Farben. [...]
  (Insgesamt widmen sich 51 Seiten den Tulpen)

1710 — Heſſe, Heinrich: Teutſcher Gärtner, Leipzig.

Tulipa ist ein Zwiebel-Gewächſe/ so jährlich durch dero junge Bruth oder abgeſetzte junge Bulben vermehret und fortgepflantzet wird/ auch von Saamen gezogen/ ſo aber langſam zugehet. Nach der Ordnung von dieſer Blumen zu handeln/ und dem geliebten Leser den gründlichen Bericht mitzutheilen/ ist dieſes vors Erſte/ daß/ wenn ein Liebhaber deſelbigen geſinnet/ von dieſen Blumen/ ſonderlich der rar-und ſchönſten/ ſo man aus Holland kommen
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läſſet/ in ſeinen Garten gerne haben wil und pflantzen/ daß er für allen Dingen den Ort betrachte/ oder wo er es ſelber nicht verſtehet/ ſolchen durch einen erfahrnen Gärtner beobachten laſſe/ ob er zu ſolchen Dingen tüchtig; denn unter den gemeinen rohten und gelben Tulipanen/ und denen Holländiſchen ein groſſer Unterſchied iſt; denn die Gemeinen mögen wohl geringe Erdreich und Wartung haben; dargegen die Holländiſchen eine viel beſſere und ſorgfältigere Wartung erfordern/ weil die ſo viel edler und zärter ſeyn. Und ist nicht gnug/ daß mancher ſage: Tulipanen ſind ein Geſchlechte/ und iſt kein Unterſchied unter ihnen/ wo eine geringe kann wachſen/ auch wohl eine gute. Ich aber ſage Nein dazu/ und nehme die Erfahrung zum Zeugen/ daß eine geringe Tulipan leicht ein Land und Ort haben mag/ da ſie wächſet/ auch wohl in ſchatticht- groben und ungebautem Erdreich ihre Blumen bringen/ und wie die Erfahrung mit ſich bringet/ wo ſolche gemeinen Blumen geſtanden/ daß man ſie nicht wieder vertilgen kann; dagegen aber die Holländiſchen und Zarten/ wenn ſie ſchon alle Jahre zur rechten Zeit werden ausgenommen/wieder zur rechten Zeit verſetzet/ das Erdreich nach Möglichkeit verbeſſert/ und alſo an ihnen gethan wird/ was möglich ist/ dennoch wohl gantze Länder voll / ſonderlich/ wenn ein feuchter/ nasser Winter iſt/ verfaulen und abſtehen/ wie mir es denn offt mit nicht geringen Schaden geſchehen. Darum/ wenn ein Liebhaber/ wie oberwehnet/ Tulipanen/ ſo kostbar ſeyn/ in ſeinem Garten haben will/ er wohl beobachte/ ob das Erdreich darzu tüchtig ſey; hat es keine Sonne/ so iſts nicht zu rahten/ iſt der Boden ſteinicht/ iſt auch nicht zu rathen/ denn ſolcher verurſacht Kälte/ und dadurch verfaulen die rare und edle Tulipanen; iſt der Boden leimich/ dient eben ſo wenig wegen der Fäulnüß. [...]
  (6 Seiten, 12 Spalten beschäftigen sich mit der Tulpe)

 

1714 — Pictorius, Johannes Baptiſta: Der im Blumen- Kuchen- Artzney- und Baum-Garten gründlich informirte Gärtner, Nürnberg.

Tulipanen. Iſt fast unzehlicher Art und Farben/ als wie die Negelein/ deren man über hunderterley zehlen könnte; Weil es aber zu weitläufig würde/ ihre beſondere Namen alle hier zu ſpecificiren und zu benennen/ als habe ſolches übergehen/ und die Liebhabere auf gröſſere

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Bücher/ welche ein mehrers davon geſchrieben/ verweiſen wollen; wir aber führen nur das nöthigſte hier an. Sie floriren theils im Mertz/ und theils erſt im May nachdem ſie tieff oder hoch ſtehen/ nachdem kommen ſie früh oder ſpat; Nach Jacobi nimt man ſie aus/ trocknet und verwahret ſie/ bis in die dritte Wochen/ oder wohl gar bis mitten in den September/ in einem ſchattichten Ort/ hernach ſetzt man ſie im wachſenden Liecht in ein geſchlachtes/ aber nicht mit Miſt gedunktes/ ſondern mit Sand vermengtes Erdreich/ wieder ein/ dann von dem Dungfaulen die Zwiebeln; man ziehet ſie aus ihren Saamen/ allein es gehet sehr langſam zu/ jedoch wer die Gedult hat/ darauf zu warten/ der kann hierdurch allerley ſchöne Farben überkommen/ daß ihm alſo ſein langes Warten nicht dauern wird. Die Farben derſelben sind roth/ gelb/ weiß/ ſchwartz/ welche letztere man aber in ſolcher Farbe ſelten allein ſiehet: Angeregte Farben haben haben entweder nur einzechtig/ welches nicht für sſhön gehalten wird/ oder auf mancherley Weiſe und Gattung/ auf das allerſchönſte und künſtlichſte untereinander gemenget/ alſo/ daß theils geſtreiffet/ teils geſtriemet/ theils geflammet/ u.s.f. ſeyn; ſie lieben einen freyen trucknen Ort/ nicht zu fett und nicht zu mager/ daß auch die Sonne den Ort recht beſcheinen könne. Doch man muß sich in Acht nehmen, daß der Nord-Wind ihnen keinen Schaden thue/ über das so soll der Grund nicht sehr naß und fett seyn/ damit die Zwiebeln in demselben nicht verfaulen/ und dadurch die schöne Farbe verlieren; Im nassen Ort müssen sie nicht eingesetzet werden/ damit-sie/ wie gedacht/ nicht verfaulen/ oder im Winter desto eher ausfrieren.
[...]


1716 — Liger, Louis: Der Hiſtorische Blumen-Gärtner, Leipzig.

  Von der Schönheit derer Tulipen.

[...]
Auſlegung des Nahmens.
Tulpe kommt von dem Türkischen Wort tulipan, ſolches bedeutet bey diſsem Volk einen der Tulipe gleichen Bund/ welchen die Türckiſchen Sklaven auf dem Kopfe tragen.
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Hiſtorie.
Die erſten Tulipanen haben wir aus Dallmatien bekommen/ daſelbst war einſmahls ein ſchönes Mägdgen dieſe Nahmens/ Ihre Mutter ware eine Nymphe des Timauſchen Brunnen/ der Vater aber Proteus, welcher alle Augenblicke in andere Geſtalt verwandelt wurde/ gleichwie aber offtmahl die Kinder der Natur der Eltern nachahmen/ alſo hatte Tulipe an allerley Veränderung Belieben. Es kam von ohngefehr der Gott Vertumnus, nachdem er die Welt durchlauffen/ in Illyrien/ und traff dieſe Nymphe auf dem Brunnen ihrer Mutter ſitzend an: Hier nun wurde er von ihrer Schönheit entzündet/ indem er aber ſich fertig machte ihr ſeine Liebe zu entdecken/ entflohe ſie alſobald. Der von Liebe brennende Vertumnus machte alle erſinnliche Anſtalt ſeine Leidenſchafft zu befriedigen/ und weil er wuſte/daß ſie große Lust an bunten Blumen hatte/ſo verwandellte er ſich in unzählige Arten derſelben/ alleine alles vergebens. Er wurde also ganz beſtürtzt/ daß ſein Seufftzen und angewandte Mühe nichts fruchten wollte/ also flehete er ſie mit den innigsten Bitten/ wiewohl ohne Erfolg an: Endlich ergriff er ſie/ der ungeduldige Gott/ mit Gewalt; Tulipe schrye in dieser Angſt: Gnädiger Gott meines Vaterlandes/ gieb nicht zu/ daß meine ſo heilig gehaltene Keuſchheit entehret werde; ſie hatte aber dieſe Worte kaum auſgesprochen/ ſo verwandelte ſie die angeruffene Gottheit alſobald in die Blume/ welche noch heut zu Tage ihren Nahmen führet.
Anwendung. Dieſes Exempel ſollten ſich billig alle Personen dieſes ſchönen Geſchlechtes/ bey Vertheidigung ihrer Keuschheit vorſtellen/ und sich weder durch die Hoheit des Standes/ noch alles was nur schön in der Welt zu nennen/ an den Manns-Bildern/ die alles hervorsuchen Sie zu berücken/ blenden lassen.

1731 — Le Blond, Alexandre: Die Gärtnerey, Augsburg.*

Die Tulipanen werden in vielerley Sorten eingetheilet, nemlich in ſolche, welche im Frühling blühen, in mittlere und ſpate, welche nach der Jahrs=Zeit ihres Flors unterſchieden, ingleichen in Farben=Tulipanen, von welchen man den Saamen einſammlet, und endlich in bundfärbige, ſo an denen Enden eingefaßt, welche die ſchönste ſind.

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Die Farben=Tulipane wird diejenige genannt, welche ohne Unterbrechung oder Vermiſchung reine und nette Farben hat; die bundfärbige aber ist geſtreifft, und mit vielen andern Farben eingefaßt. Diejenige, welche alle Jahre nett und alſo unverruckt geſtreifft kommt, wird die auſbündig ſchöne genennet.
  Die bundfärbigen werden in Frankreich und andern Orten wieder eingetheilet in in verſchiedene Sorten , abſonderlich aber in die neu auſfallende, gedoppelte, geſtreiffte, und dergleichen, wie ihnen dann ein jeder Namen nach ſeiner Phantaſie gibt, als die Kayſerin, die Triumphierende, die Juno, u. s. w.
  Uberhaupt werden die Tulipanen hoch geacht, wenn ſie eine nette Farbe auf Atlas=Art haben, ohne einige unordentliche Verwirrung. Man verlangt von Ihnen einen blauen Grund, und ſchwartze oder Violet=farbene Streiffe. Diejenigen, welche die Frantzoſen Bizarres nennen, und die, welche am wenigſten Gelb= und Rothes haben, werden am meiſten geſucht. Biſweilen ſchlagen ſie aus der Art, abſonderlich wenn ſie geſäet werden; hingegen werden andere noch ſchöner, und dieſe nennet man Tulipen von ungefehr, pflantzet auch dieſelben beſonders, und zu Ende zweyer Jahre geben ſie die allerſchönſten Tulipanen. Die bundfärbigen, ſo in etwas vermenget, verbeſſern ſich zum öftern im anderen Jahre.
  Die Tulipanen ſind gemeiniglich 12. bis 14. Tage im Flor, es ſey dann, daß man ſie zu verschiedenen Zeiten gepflanzet, damit man ihren Flor noch länger genieſſen kan. Sie ſtehen gerne in einer ſandigten und leichten Erde. Sie ſind ſo ſtarck, daß ſie die Kälte gar nicht fürchten. Damit man aber doch die ſchönen erhalte, ſo gibt man ihnen nichts deſto weniger, wenn es zimlich kalt ist, eine leichte Bedeckung. Man ſetzet ſie mitten im September/ bis zu Ende des Octobers nach der Schnur 5. Zoll weit voneinander am Rand der Rabbaten. Man setzet ſie ungefehr 3. oder 4. Queer=Finger tief in die mit einem am Ende runden Pflantz=Holz in der Erden gemachten gemachte Löcher; denn ſo befinden ſie sich eben auf der Erden aufliegend/ und können ſich beſſer mit derſelben verknüpffen, als wenn eine Höhle darzwischen, da dann die Zwiebel verfaulen, oder zum wenigſten die Würckung der Blume aufgehalten werden könnte. Es gibt auch einige, welche die Zwiebel mit den Händen einſencken, welches aber ein ſehr übler Gebrauch iſt, indem man dieſelben bey Antreffung eines Steines gar leicht beſchädigen, oder das Hertz zerstoſſen kan. Zu trockener Zeit benetzet man die Zwiebeln, wenn die Knoſpen aus den Hülſen hervor brechen; dieſes verurſachet, daß ſchöne Blumen hervor kommen.
  Die Tulipanen werden aus Saamen und junger Bruth vermehret. Den Saamen nimmt man von den ſchönst=gefärbten. Von denen bundfärbigen mit eingefaßtem Rande, oder andern ſchönen Tulipanen muß man keinen Saamen nehmen, ſondern den Stengel, wenn ſie ausgeblühet, abſchneiden. Denn alſdenn wird ſich die Zwiebel beſſer befinden, und die Wartung, welche zu dem Stengel und Saamen nöthig geweſen wäre dienet zu deſſen Erhaltung und Vergröſſerung.
Seitentext im Original  Nehmet dieſe Zwiebel auf das längſte all 3. Jahr aus, einige Blumen=Verſtändige aber thun ſolches alle Jahr, oder zum wenigſten alle 2. Jahr; Allein die Zeit von 3. Jahren ist die gebräuchlichſte vor alle Blumen. Die Urſach dieſer Auſhebung iſt, weil ſich die Zwiebeln, abſonderlich die Tulipanen, von Natur ſencken, und ſich zuweilen verliehren. Läſſet man die Zwiebel mehr Jahre in der Erden, ſo wird man viel, und zugleich auch ihre Schönheit verliehren, wenn ſie aber von Zeit zu Zeit verpflantzet werden, ſo empfinden ſie dieſe Bewegung, und eine neue offt umgearbeitete und zubereitete Erde.
  Die tauglichſte Zeit zu dieſer Arbeit iſt vom Anfang des Junii bis zu Ende des Julii, wenn es ſtill und trocken Wetter iſt, und man ſiehet, daß ſich die Stengel und Hülſen anfangen einziehen. Wenn man ſie geſchickt heraus nehmen will, muß man ſich kleiner Schauffeln oder Grab Eiſen bedienen, und wohl Acht haben, daß man nichts verletze.
  Wann ſie nun also auſgenommen, breitet man ſie auf einer Tafel 8. oder 10. Tage aus, damit ſie die Feuchtigkeit der Erden verliehren. Alſdenn thut man ſie in Säckchen oder Lädlein, oder aber, welches noch beſſer, in kleine Körbe, um ihnen mehr Lufft zu geben.
  Dieſe Zwiebeln zu pflantzen muß man eine bequeme Zeit erwarten, dieſelben wohl durchſuchen, putzen, und das, was verfault, oder von dem Ungeziefer angegriffen worden, bis auf das friſche abſchneiden, damit die Zwiebeln, wenn ſie so in dieſen Körblein beyſammen liegen, einander nicht anſtecken. Man nimmt alſdann die junge Brut mit der Hand von der alten, welches man eine Zwiebel von der Mutter abſaugen nennet.
  Die 3. Jahr über, da die Zwiebeln in der Erden bleiben, haben die Zwiebel=Bruthen Zeit, ſich zu geſtalten, und ſtark zu werden, ſo, daß einige in einem Jahre Blumen tragen. Diejenige, ſo noch nicht ſtarck genug, pflantzet auf eine flache Rabatte in einem Pflantz=Garten, wartet ſie wohl, und hebt von Zeit zu Zeit viel aus, ſo Blumen tragen.

1754 — Krauſe, Ludwig Philipp: Der kluge und ſorgfältige Gärtner, Langenſalza.

Bei den Tulpen nimt ihre Schönheit ab, wo ſie nicht alle Jahre auſgenommen werden. Wil man in der genauen Zeit ſie auſnehmen, nicht irren; ſo verrichte man dieß alſden, wenn ihre Blätter und Stengel gelblicht geworden ſind. Solches kann man auch bei andern Zwiebelgewächsen beobachten. Das Laub ſchneidet man sodan einen Zol hoch über den Zwiebeln weg. Hat man den Raum; ſo breitet man ſie in einem luftigen Zimmer ſo aus einander, daß ſie ſich nicht berühren. Mit dem Auſgange des Herbſtmonats, und bis um Martini, werden ſie wieder gepflanzet. Man leget ſie nemlich bei trocknem Wetter, in eine mittelmäſſige mit etwas Sand vermiſchte Erde, bis 5 Zol tief, und decket ein leichtes Erdreich darüber. Vornemlich verlangen die Tulpen einen leichten und magern aber wohl
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umgegrabenen Boden. Von ſtarkem Düngen werden ihre Zwiebeln klein, mat, und ſchimlicht. Sehr wohl aber gerathen ſie, wenn man die alte Erde, worin ſie das vorige Jahr geſtanden, einen Fus tief wegnimmt, und an deren Platz ein Erdreich bringet, das wenigstens ein Jahr ungebraucht, und mit einem wenigen verfaulten Kuhmiſt untermenget, gelegen hat. [...] Den Tulpen ist es auch ſchädlich, wenn man ihnen, gleich nach der Blüte, die Samenſtengel wegschneidet.
Jede Tulpenzwiebel, die eine Blume gebracht hat, vergehewt. Will man von dieſem Gewächſe den Samen aufnehmen, und künftig ſäen, so mus es von den weiſſen und rothgeſprengten geſchehen, ſonderlich, wenn ſie blaue Boden haben. Die gelbe und rothe variiren nicht. Es taugen auch die ſpäte Blumen beſſer zum Samentragen, als die frühen. [...]

1769 — Brocke, Heinrich Chriſtian von: Beobachtungen von einigen Blumen, deren Bau und Zubereitung der Erde, Leipzig.

Die Tulipan.

Es giebt deren unzählige Farben, die Haupt-Arten sind 1) die Frühen, dieſe ſind nicht ſo ſchön von Farben wie die Späthen, auch nicht von Stengel ſo hoch, 2) die Späthen. Letztere werden wieder eingetheilet in Baquetten dieſe ſind violet geſtreift, und wegen der Höhe ihres Stengels, Größe der Blume, und Schönheit die beſten, hernach kommen die Biſarden welche von allen Farben ſind. Dieſe aber haben die
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Eigenschaft daß ſie endlich in rothe, fleiſchfarbige, gelbe und weiße, folglich in ſchlechte Blumen auſarten. Dann kommt noch die kleine Baquette oder der Falcke, und die kleine niedrige ganz frühe, welche premier Duc genennet werden. Diese sind roth mit einer gelben Einfassung. Es ist keine Blume so unterschieden von Farben und Zeichnung als die Tulipan, ihr Geruch aber ist nicht besonders. Die Art solche aus dem Saamen zu ziehen, ist wie bei denen Hyacinthen, nur daß die Tulipanen erst in 7 Jahren zur Blüthe kommen, wenn sie aus dem Saamen gezogen werden.Ich habe noch keine Proben damit gemacht, theils, weil es zu langwierig ist, theils auch weil das Säen alle Jahre geschehen muß, damit man die Blüthen von Jahren zu Jahren auf einander folgend habe, wozu aber viel Land erfordert wird, welches ich in meinen Garten nicht übrig habe, zudem ist auch das Land in meinen Garten zu dem Bau der Zwiebel-Gewächse zu schwer, feucht und salpeterich. Es hat die Tulipane dieses vor allen anderen Zwiebel-Gewächse voraus, daß ihre Zwiebel alle Jahre vergehet, und eine neue entstehet, welche auch zugleich die Ableger setzet. Dieses gehet also zu: Aus der alten Zwiebel setzet sich nach der Tiefe der Erden zu ein Stiehl 3 Finger breit, an welchen sich unten am Ende wieder die neue tragbare Zwiebel nebst denen Ablegern absetzet, zugleich schießet aus [d]er alten Zwiebel über sich das Kraut und der Stengel woraus die Blume wird. Von der alten Zwiebel, welche ihre Kraft zu Bildung der neuen Zwiebel, Blume und Kraut hergegeben hat, bleibet also nichts wie die leere alte Hülse übrig. Man wird finden daß wenn man die Tulipanen-Zwiebeln einige Jahre, ohne sie im Herbste aufzunehmen liegen läßt, solche endlich über eine Elle tief in die Erde gehen, daß man dieselben endlich gar nicht wieder finden kann, und dennoch kommt die Blume und das Kraut alle Jahre hervor, es wird aber endlich eine sehr schlechte Blume daraus, zuletzt aber wird die Blume grün und dann kommt sie gar nicht mehr zum Vorschein, weil die Zwiebelendlich so tief in die Erde gehet, daß das Kraut und die Blume nicht mehr durch die darauf liegende hohe Erde dringen kann, und so muß die Zwiebel ersticken. Unterweilen wird man auch sehen, daß einige Zwiebeln welche ganz roth aussehen über der Erde unten an dem Stengel zum Vorschein kommen. Diese Zwiebeln taugen nichts mehr, weil schlechte Blumen daraus werden. Dieses aber rühret aus zweyen Ursachen her. Die erste ist diese, wenn die Zwiebel nicht tief genug geleget wird. Die andere Ursache ist diese, daß wenn die alte Zwiebel den Stiehl zu Ansetzung der neuen Zwiebel unter sich treiben will, und ein kleiner Stein oder andere Behinderung ihr im Wege lieget, so krümmet sich der Stiehl überwärts aus der Erde, und es setzet sich die neue Zwiebel über der Erden an, welche sich sonsten wenn dieser behindernde Gegenstand nicht gewesen wäre in der Erde hätte ansetzen müssen. Wenn man dieses gewahr wird so thut man wohl wenn man gleich einen Haufen lockere und gute Erde um die Blume schüttet, so daß diese über der Erde sich ansetzende Zwiebel damit bedecket zeitig werden könne, denn so bleibt sie gut. Findet es sich aber bey den Ausnehmen der Zwiebel, daß sich dessen ungeachtet in der Erden noch eine neue Zwiebel angesetzet hat, wie dann solches unterweilen geschiehet, so kann man die über der Erde liegende Zwiebel sicher wegwerfen, und davor die welche sich in der Erden angesetzet hat, behalten. Die Erde zu denen Tulipanen muß die pag 1. [Dort wird ausführlich die Herstellung und Zusammensetzung einer guten Blumenerde beschrieben] beschriebene sein. Man muß diese Blumen ja vor dem Pferde- und Schaaf-Mist in acht nehmen, denn dieser ist ihr Verderb, wenn solcher auch schon zu Erde geworden wäre. Die Erde muß alle Jahre aus denen Beeten genommen, und frische hinein gethan werden. Die Zwiebeln werden alle Jahre heraus genommen, und im Oktober wieder geleget. Es wird damit ebenso wie bey dem Legen der Hyacinthen verfahren, nemlich daß auf dem Ort wohin jede Zwiebel kommen soll, ein Häufgen weißer Trieb-Sand geleget wird, auf dieses wird die Zwiebel gesetzet, und damit 4 Finger tief in die Erde gedrücket. Jede Zwiebel kommt eine gute Spanne weit auseinander. Die Brut aber kommt auf ein a partes mit eben der Erde praeparirtes Beet, jede Zwiebel 3 bis 4 Zoll aus einander. Das Bedecken im Winter ist nicht nöthig, weil diese Zwiebel sehr starken Frost ohne Schaden ertragen kann. Zum Abtrocknen muß man dieser Zwiebel wenigstens 4 Wochen Zeit lassen, und die ausgehobenen Zwiebeln ja nicht auf einander sondern bey einander hinlegen. Wenn die Blume abgeblühet hat, wartet man noch 8 oder 14 Tage, alsdann schneidet man die Blume mit dem Kraute 8 querr Finger hoch über der Erden ab, damit die Zwiebel desto reifer werde, und sich desto besser verstärken könne. Ein salpetriges und feuchtes Land ist denen Tulipanen zuwieder. Dieses Land ist im Winter zu kalt. Die Zwiebeln verfaulen in solchen zu leicht. Die Blume bleibet klein, und artet sich aus. In einen warmen und sandigen Boden, werden aus der Baquette prima, welches die Mutter-Blumen, und einfarbige blaß violette Baquetten sind, schöne gestreifte Baquetten, aus der französischen Baquette aber, welche dunkel violet mit gelber Einfassung sind, schöne Bisarden. In einen feuchten und schweren Lande aber geschiehet dieses nicht, sondern aus guten Blumen werden schlechte und niedrige Blumen, weil die Zwiebel klein bleibet auch leicht anfaulet.

1773 — Müller, Johann Georg: Deliciae Hortenses oder vollständige Gartenlust, Stuttgart.

Etliche Anmerkungen von den Plantis bulbosis oder den Zwiebelgewächsen in specie.

1.

Im Setzen soll man sich hüten, das Zwiebelwerk mit den Fingern grob zu drücken.
2. Wann etwa eine Zwiebel im Ausnehmen verletztet worden, muß man sobald gebrennten Laimen, klein zerstossen, nehmen, solchen in die Wunden streuen, so wirds wieder

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ausheilen.
3. Nach Johannis im wachsenden Licht sollen die Zwiebeln, so frühe Blumen getragen, die späte aber nach Jacobi alle Jahre, oder allezeit längstens im dritten Jahr ausgenommen, an einen trocknen, schattichten Ort ausgeschüttet, von allem Wust und Erden gesäubert, vor den Mäusen wohl versichert, und also ausgetrocknet werden.
4. Im September, oder wohl auch erst um Martini sollen solche wieder im Zunehmen des Monds, bey trockenem Wetter, in ein gutes, mit etwas Sand vermengtes Erdreich, drey Zwerchfinger tief eingelegt, und mit leichtem Erdreich oben darauf bedecket werden.
5. Vor dem Setzen sollen die Fasen an den Narcissen gestutzt, aber nicht gar abgerissen, ingleichem die alte Haut der Tulipanen abgelöset werden.
6. Kein Zwiebelgewächs kan den frischen Tung leiden, in dem sie leicht faulen. Aber ein gutes fettes Erdreich und gänzlich verfaulter, in Erde verwandelter Mist, ist ihnen sehr vorträglich.
7. Wilt Du Saamen von Tulipen nehmen un dsäen, so solls von den weissen und rothgesprengten seyn, sonderlich so sie blaue Böden haben; Die gelbe und rothe variiren nicht, es taugen auch die spate Blumen besser Saamen zu tragen, als die frühen.
8. Wilt du Saamen von Zwiebelgewächsen säen, so thue es im Herbst in ein Geschirr voll guter Erden, eines halben Zwerchfingers tief bey zunehmendem Mond, im Zwilling oder Waag; (er muß aber ziemlich dick gesäet werden) bedecke ihn zwey Zoll tief, mit leichter Erden, begieß ein wenig, und stells an die freye Luft. Wann es anfäht zu gefrieren, o stells in einen luftigen Keller, oder, in einen warmen andern Ort in einem Zimmer. Im Frühling, doch nicht ehe, bis die Reifen aufhören, stelle es wieder aus, so werden die jungen Zwiebeln wie Schnittlauch aufgehen, die man fleißig vom Unkraut reinigen, mit Fleiß ihrer warten, aber nicht zu viel begiessen solle, ohne wanns gar zu heiß und trocken ist, am Abend, mit Fluß- oder Teichwasser; Im Ausgang des Septembris nimmt man sie aus der Erden, lässers acht Tag liegen, und legts nachgehends wieder, bey zunehmendem Mond in obgedachtem Zeichen, eine Handbreit von einander in obiger Tiefe, in leichte und gute, doch nicht fette Erde ein; das erste Jahr werden sie nur erbsengroß, und floriren im vierten und fünften Jahr, bezahlen aber die Müh und Gedult wohl, müssen alle Jahr, bis sie tragen, also ausgenommen und eingelegt werden.
9. Der Tulipensaamen muß bey trockenem Wetter, im obengenannten Zeichen bey zunehmendem Mond abgenommen werden.
10. Die Erde, darein man ihn obbemeldeter maßen säen soll, ist diese: Man nimmt alte Holz oder Sägspänerden, mischet darunter etwas zarten Sand, und füllet die Geschirre damit an.
11. Zu den Zwiebelgewächsen soll man niemals andere Sachen in ein Blumenbett pflanzen, sonderlich zu den feinen, weil andere Pflanzen theils wohl begossen werden, welches den Zwiebeln eine Fäulung verursachet, theils durch ihr Umwurzeln die Zwiebeln vertreiben, theils an ihrem Ausnehmen im Späthling hindern.
12. Wenn man bey einem Gärtner in dem Flor schöne Tulipen siehet, und dieselbe gerne unbetrogen haben möchte: soll man die Zwiebel samt den Blumen ausnehmen lassen, unabgebrochen mit sich heim nehmen, hernach jeden Stengel oben auf, gerad unter der Blume, mit zwey Fingern also drücken, daß der Stengel etwa welk werde, hernach jeden Zwiebel besoders, samt dem Stengel und der Blume in einem lüftigen Gemach, da der Sonne nicht zu viel kommt, also aufhenken, daß der Zwiebel über, die Blum aber unter sich sehe, und also, bis mans wieder einlegt, hangen assen.
Oder man nimmt die Zwiebel heraus, doch daß die ganze Blume allemal daran bleibe, und setze sie zusammen in ein Geschirr voll sandiger Erden, dick zusammen, hernach so bald da Kraut daran ganz dürr ist, nimms wieder heraus, truckne, säubere und lasse es also liegen, bis mans wieder einlegt. Dient wider den Betrug der Gärtner sehr wohl, und ist gewiß gut.
13. Hüte dich, daß du von keinem Zwiebelgewächs, ausser den unträchtig Königskronen, das Kraut abschneidest oder reissest, sonst schadets dem Zwiebel, sondern lasse es allgemach einziehen und abdorren.
14. Wann man zweyerley Zwiebeln von einander schneidet, doch also daß das Herz oder Mark innwendig an keinem zu viel beschädigt sey, und diese beyde hernach zusammen fügt, mit einem Faden zusammen bindet, auch die Spalte mit Pelzwachs [=Baumwachs] wohl verstreicht, und in einem guten tauglichen Grund einlegt, kan man gefüllte Tulipen bekommen; geräth es schon nicht allemal, doch zuweilen, und ist alsdann der Mühe wohl werth.


1810 — Dietrich, Friedrich Gottlieb: Vollſtändiges Lexicon der Gärtnerei und Botanik, Berlin.*

Tulipa. Linn. Tulpe.

Kennzeichen der Gattung.

Eine ſechsblättrige, glockenförmige Blumenkrone, ein  länglicher, dreikantiger Fruchtknoten, ohne Griffel, mit  feſtſitzender, dreieckiger, dreilappiger Narbe. Die Kapſel ist ist dreikantig, dreifächrig,

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  vielsaamig, der Saamen flach.
  Linn. Syſtem VI. Klasse I. Ordn.

1. Tulipa australis. Link in Schrab. bot. Journ. 2r Bd. S. 317. Südliche Tulpe. D. ♃
   T. folia linearia. Flos ante anthesin nutans, dum floret erectus. Petala recta. Link.
Diese Tulpe wächst häufig in dürren Heiden in Spanien. Sie unterscheidet sich von Tulipa sylvestris durch gleichbreite Blätter und durch eine viel kleinere, röthlich-gelbe Blume, die meistens aufrecht steht. in unseren Gärten dauert sie ohnfehlbar im Freien aus; nur muß sie in einen lockeren, sandigen Boden gepflanzt und im Winter mit Baumblättern ec. bedeckt werden.
2. Tulipa biflora. Linn. suppl. 196. Pallas it. 3. app. nr 86. t. D. f. z. zweiblumige
   Tulpe.
 ♃
Mit aufrechter, etwas flacher Blume, einem zweiblättrigen, zwei = bis dreiblümigen Stengel, und linien = pfriemenförmigen Blättern.
Diese Pflanze wächst in Rußland, vornehmlich an der Wolga, in lehmigem, salzigen Boden. Der Stengel ist ohngefähr eine quer Hand breit hoch, durchaus glatt und mit zwei abwechselnden, gleichbreiten, an beiden Seiten verdünnten, zurückgekrümmten, rinnenförmigen Blättern besetzt. Diese Blumenstiele sind kürzer als die Blätter; die Blumen gelb; sie gleichen den Blumen von der gelben Vogelmilch ( Ornithogalum luteum ), sind aber größer und abstehend; die drei äußeren Kronenblätter sind lanzetförmig, ausgebreitet, die drei innern weiß, am Grunde mit rothgelben Flecken geziert, die Staubfäden an der Basis bartig. Sie dauert in unseren Gärten im Freien und eignet sich zur Verschönerung der Rabatten; die Zwiebeln werden 2 – 4 Zoll tief in die Erde gelegt und in Gruppen vertheilt.

3. Tulipa breyniana L. Kapische Tulpe. ♃

  Sisyrinchium. Breyn. cent. t.36 Rudb. elys.2. f.11.

Mit einem vielblümigen, vielblättrigen Stengel und gleichbreiten Blättern.
Sie wächst auf dem Kap und verlangt also Durchwinterung in frostfreien Behältern. Der Stengel ist mit 6 – 7 abwechselnden, linien = lanzettförmigen Blättern besetzt, welche nach oben immer kürzer sind; er trägt auf seinem Gipfel 3 – 4 niedliche purpurrothe Blumen, deren Kronenblätter an der Basis schmäler auslaufen; der Griffel fehlt.
4. Tulipa celsiana. Redounte Liliac. 7. Liefer. Persoon syn. 1. p. 361. Orientalische Tulpe.
   D. ♃   
Mit lanzett=gleichbreiten, rinnenförmigen Blättern, welche auf unbehaarten Stielenstehen, und gelben Blumen. Man vermuthet, daß diese Art, welche zuerst in Frankreich ( im Elsischen Garten ) kultivert worden ist, im Morgenlande, auch in Südeuropa, vielleicht in Spanien einheimisch sey.
5. Tulipa clusiana. Redounte Liliac. 7. Lieferung.  Persoon syn. 1. p. 361. Persische Tulpe.  D. ♃
   T. persica praecox. Clus. postb. p. 9. 
Mit einem unbehaarten, einblümigen Stengel, aufrechter, weißer Blume, deren drei inneren Kronenblätter an der Basis röthlich und mit violetten Nägeln versehen sind. Die Blätter des Stengels sind länglich, unbehaart, die untersten scheidenartig. Wächst in Persien wild?
6. Tulipa gesneriana. L. Gemeine Tulpe; Gartentulpe; Tulipan. Engl. Common Tulip. Franz.
   Tulipe des jardins. ♃
Mit einem glatten, einblümigen Stengel, ey = lanzettförmigen Blättern, aufrechter Blume, und glatten, stumpfen Kronenblättern.
Die Zwiebel ist länglich = rund, dicht und mit einer braunen Schale umgeben. Aus derselben erhebt sich ein aufrechter, glatter, mit einigen ey = lanzettförmigen Blättern besetzter Stengel, der nach Verschiedenheit des Standortes einen halben bis drei Fuß Höhe erreicht, und auf seinem Gipfel eine große, aufrechte, glockenförmige Blume trägt; die Kronenblätter sind eyförmig, stumpf, die Staubfäden mit langen, eckig = gefurchten Antheren gekrönt. Die Saamenkapsel variirt zuweilen mit vier Fächern.
Die gemeine Tulpe stammt ursprünglich aus Kleinasien und wurde im Jahr 1559 von dem berühmten schweizer Botaniker Conrad Geßner (dem größten Botaniker seiner Zeit) in Europa eingeführt, und als Zierpflanze in die Gärten aufgenommen. Auch hat man sie nachher in Rußland wildwachsend angetroffen. Durch die Kultur und wechselseitigen Befruchtungen der Blüthen sind eine ungeheure Menge Ab= und Spielarten entstanden, welche sich durch die Gestalt ihrer Blumen und durch die manigfaltigen Farben unterscheiden und von den Blumisten nach der Blühzeit, den Farben und mehr oder weniger Gefüllt seyn der Blumen in Klassen und Ordnungen eingetheilt werden. Unsere gemeine Tulpe wurde demnach, nebst ihren Abarten, ein Hauptgegenstand der Blumisten, welche sehr beträchliche Summen auf den Ankauf der AB= und Spielarten verwendeten. Zum Beweise dient die Sogenannte Tulipomanie, welche ohngefähr in den Jahren 1634cbis 1637 in Holland dergestalt wüthete, daß Menschen aus allen Ständenmit dem Tulpenhandel sich beschäftigten. Munting hat einige der enormen Preise, wofür in damaligen Zeiten Tulpenzwiebeln verhandelt und bezahlt wurden, aufgezeichnet, die wir in Neuenhans Zwiebelgärtner 2r Theil, auch im teutschen Gartenmagazin 2r Jahrg. 3s St. S. 101 wiederholt finden.
Die Blumenliebhaberei ändert sich mit der Zeit, wie die Mode der Kleider ec. Ehedem wurde eine Tulpenflor weit höher geschätzt und ihre Kultur mit einer Art von Enthusiasmus getrieben. Allein in unsern Tagen haben die exotischen Zierpflanzen mehrere Liebhaber erhalten; denn es werden die schönblühenden Sträucher und perennirenden Pflanzen vom Kap und aus den beiden Indien ec. zu den beliebtesten Modeblumen gezählt. Vergleichen wir indessen den Aufwand und die Arbeiten, welche die Tulpen= und Hyacinthenzwiebeln fordern, mit dem Kostenaufwande der jetzigen Modeblumen : so werden in dieser Rücksicht beide Floren einander ziemlich gleich stehen. Die guten Tulpen= und Hyacinthenzwiebeln werden immer um einen sehr hohen Preis, den uns gewöhnlich die Holländer zu bestimmen pflegen, gekauft, und ihre Kultur fordert, wenn wir die Abänderungen vollkommen und rein erhalten wollen, mehrere Umstände. Dagegen verlangen diejenigen Ziersträucher und Stauden, welche in wärmern Ländern als unser deutsches Klima ist zu Hause gehören, zur Erhaltung im Winter Gewächshäuser.
Die mannigfaltigen Ab= und Spielarten der Tulpen gewähren in der Blühzeit, besonders dann, wenn sie zusammen auf Beete gepflanzt sind, einen überaus reizenden Anblick und bieten den Kennern und Liebhabern derselben sehr Unterhaltungen dar; aber nach geendigter Flor, die nur einige Wochen, höchstens einen Monat dauert, hat ein solches mit Tulpen bepflanztes Beet kein gutes Ansehen, und kann nicht wohl durch Anpflanzung anderer Zierpflanzen verschönert werden, bis man die Zwiebeln aus der Erde nimmt und bis zum Herbst an einem luftigen Orte aufbewahrt. In dieser Hinsicht haben die jetzigen Modeblumen den Vorzug. ohne die beliebte Hortensia mutabilis und andere, die einige Monate in der Blüthe stehen, zu erwähnen, will ich nur die schönsten Arten von den Gattungen <Erica, Brunia, Melaleuca, Metrosideros und Pelargonium etc. anzeigen, welche nicht nur in der Blühzeit den Erziehern Freude machen, sondern auch nach der Flor, und wenn sie in Gewächshäusern und Zimmern stehn, durch das lebhafte Grün und die lieblichen Formen ihrer Blätter das Auge des Beschauers erfreuen, und daher das ganze Jahr in ihrem Werthe sich erhalten.
Durch diese Bemerkungen will ich aber keineswegs den Werth der Tulpen herabwürdigen, noch viel weniger behaupten, daß die eben genannten Ziersträucher u. a. m. der Tulpe und mehrere ältere Zierpflanzen aus unsern Gärten verdrängen werden; denn, was die Spielerei betrifft, weöche man den Freunden und Erziehern der Tulpen Hyazinthen , Nelken und Aurikeln zum Vorwurf maxht, so dürfte es vielleicht auch mit den jetzigen Modeblumen bald dahin kommen, daß ihre Kultur in Spielerei ausartet, zumal wenn die Botaniker die vielfältigen Veränderungen der Pflanzennamen so eiferig fortsetzen und Abänderungen, die bloß der Standort und das Erdreich ec. hervorbringt, zu wirklichen Arten erheben. Noch weit mehr Unfug treiben in dieser Hinsicht die Handelsgärtner, welche die Pflanzen nicht systematisch bestimmen können, und, um ihre Produkte loszuwerden, neue Namen aufzutischen sich bemühen. In solchen Fällen werden Bluzmenfreunde, die keine Botaniker von Profession sind, in ihrer Erwartung getäuscht, wenn sie eine Pflanze unter einem ihnen noch unbekannten Namen erhalten, die sie schon längst in ihrer Sammlung aufgestellt haben. — Sollte nicht schon dieser Umstand in der Folge manchen Blumenliebhabern die Lust zum Ankaufe ausländischer Modeblumen benehmen und sie zu den ältern Lieblingspflanzen zurückführen?
Man lasse also einem jeden seinen freien Willen. Der Tulpe kann man ihren Werth, den sie so lange in der Blumengärtnerei behauptet hat, durchaus nicht absprechen, und verbände ihre Blume Schönheit mit Wohlgeruch, so würde sie ohnfehlbar mehreren Pflanzen, die unsere Gewächshäuser zieren, vorzuziehen seyn. Unter ihren vortrefflichen Abänderungen nenne ich nur die sogenannte Tournesoltulpe mit gefüllter Blume, deren Kronenblätter schön gelb und am Rande purpurroth gezeichnet sind. Welche Pracht stellt diese Blume unserem Auge dar! Sie soll aus den Saamen von der niedlichen frühen Tulpe Duc van Toll entstanden seyn und mit einem niedrigern Stengel und kleinern, ebenfalls vollblättrigen Blumen variieren.
Was nun die Kultur unsreer gemeinen Tulpe betrifft, spo legt man gewöhnlich die Zwiebeln im Herbste in gutbearbeiteten Boden, der ohngefähr mit dem vierten Theile Flußsand gemischt ist. Man theilt sie in zwei Klassen, nämlich in früh= oder spätblühende Tulpen. Die erstern werden mit Anfang oder in der Mitte Septembers, auf einem beschützten Beete, 6—8 Zoll von einander entfernt und 3—5 Zoll tief in die Erde gelegt. In kalten Wintern , besonders, wenn nicht viel Schnee liegt, bedeckt man das Beet mit Baumblättern, Moosen oder Gerberlohe; im Frühlinge wird zwar die Laub= oder Moosdecke abgebnommen, aber bei einfallenden späten Frösten muß man das Beet, wenigstens des Nachts, mit Matten oder Fichtenzweigen bedecken, sonst leiden die Blätter oft auch die Blumenknospen.
Von den spätblühenden Tulpenzwiebeln legt man die Zwiebeln später, z.B. in der letzten Hälft Octobers. Diese nehemen beinahe mit jedem Mutterboden vorlieb, sind dauerhafter gegen den Frost und bedürfen also im Winter keiner Bedeckung. Daß die Hauptzwiebeln, sowohl von den späten als auch frühblühenden Tulpen, alle Jahre im Juki oderAugust aus der Erde genommen und im Herbste wieder in frischen Bodengelegt werden, ist allgemein bekannt. Wer sich indessen genauer von der Kultur der Tulpen und wie dieselben aus Saamen gezogen werden, unterrichten will, der findet in dem schon gedachten Zwiebelgärtner von Neuenhahn hinlängliche Belehrung.
Manche frühblühenden Tulpen, welche schöne Blumen tragen, z.B. Duc van Toll; Pretty Betty; Tulipa praecox; die Tournesoltulpe u. a. m. eignen sich sehr gut zum Treiben im Winter. In dieser Absicht legt man im Herbste von jeder Sorte einige Zwiebeln in einen Blumentopf, in gute lockere Erde, und stellt diesen an einen frostfreien Ort; zu Ende Novembers oder im December werden die mit Tulpenzwiebeln versehenen Töpfe ins Zimmer in die Nähe der Fenster gestellt un d gehörig begossen. Die Hauptsache oder der vorzüglichste Kunstgriff b ei der Tulpentreiberei besteht darin, daß man die Pflanzen, wenn sie in kräftigem Wachsthume stehen und die Blumen ihrer Ausbildung näher schreiten, nicht zu warm hält; 6—9 Grad Reaum. ist hinreichend.
7. Tulipa suaveolens. Roth. Catal. bot. 1. p. 45. Wohlriechende Tulpe. Engl. Sweet scented
   Tulip.  ♃
   T. pumilio. Lobel. ic. 127.
Mit ey=lanzettförmigen Blättern, einem aufrechten, einblümigen, filzige Stengel, aufrechter, wohlriechender Blume, und stumpfen, unbehaarten, ausgebreiteten Kronenblättern. Diese niedrige Tulpe wächst im südlichen Europa und kann also in unseren Gärten ohngefähr wie die erste Art (T. australis) behandelt werden.
8. Tulipa sylvestris. L. Wilde Tulpe; gelbe, waldliebende Tulpe. Engl. Italian yellow Tulip. Franz.   Tulipe sauvage. ♃
  ß. T. turcica. Roth. Catal, 1. p. 45.
mit einem aufrechten, einblümigen unbehaarten Stengel, einer gelben, fast überhangenden Blume, und gespitzten Kronenblättern, die an der Spitze bartig sind.
Diese Art wächst in Sibirien, Frankreich, der Schweiz und in Deutschland, blüht im Frühlinge. Sie ist mit T. Gesneriana zunächst verwandt, aber unterschieden durch schmälere Blätter, durch eine übergebogene Blume und durch die Kronenblätter, welche an der Spitze mit Barthaaren besetzt sind; die drei innern Kronenblätter sind auch an der Basis mit weichen Haaren bekleidet. In Gärten kommt sie fast in jedem Garten gut fort und dient zur Verschönerung der Rabatten und Blumenbeete.
Alle diese beschriebenen Tulpenarten und ihre Abänderungen dienen zur Verschönerung unserer Gärten. Sie lieben einen guten, lockeren Boden, der gehörig mit Sand gemischt ist, und lassen sich durch Saamen und durch Nebelzwiebeln, welche an der hauptzwiebel sich bilden, vermehren und fortpflanzen. Die zärtlichen Arten, welche in Persien und im südlichen Europa, z.B. in Spanien, zu Hause gehören, wollen in kalten Wintern bedeckt seyn.

1811 — Sickler, Johann Volckmar: Garten-Handlexicon für Unerfahrne in der Gartenkunſt, Erfurt.

Tulpe, Garten-Tulpe. L. Tulipa Geſneriana. Bechſt. S.529. Klaſſe 6.Ordn. 1. Gewächſe mit 6 Staubfäden und einem Stempel. Dieſe Blume wurde in der Mitte des 16ten Jahrhunderts aus Conſtantinopel nach Teutſchland gebracht, und vorzüglich durch einen deutſchen Gelehrten Geſner bekannt gemacht, von dem ſie auch wohl den Linneiſchen Namen Gesneriana hat. Sie wurde in
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Holland ſo beliebt, daß man Beyſpiele weiß, daß eine Tulpenzwiebel mit 2000 bis 5000 holländiſchen Gulden iſt verkauft worden. In dem gräflichen Garten zu Pappenheim will man einmal 5000 verſchiedene Sorten zuſammen gehabt haben. Noch ſind die holländiſchen Blumiſten die einzigen, die ſich mit der ſo mühſamen Erziehung der Tulpen aus dem Saamen abgeben, und eben dadurch die große Mannichfaltigkeit dieſer Blumen zuwege gebracht haben.
Man bemühe ſich nur um gute Zwiebeln, ſie müſſen aber alle Jahre auſgenommen und ihnen ein neuer Standort zugewieſen werden, da hingegen die gemeinen Tulpen nur alle drey Jahre verſetzt zu werden brauchen. Die beſte Erde für die Tulpe iſt: drey Theile gute fette Gartenerde (nur kein Miſt) und ein Theil Flußſand durch ein Drahtſieb gelaufen. Vierzehen Tage nach Michaelis iſt die Pflanzzeit, und man legt dann in dieſe präparierte Erde fünf bis ſechs Zoll tief die Tulpenzwiebeln, aber, nicht wie gewöhnlich, thue man ſolches mit der Hand, ſondern mit einem Pflanzholze, wie ſchon erwähnt worden, ſ. Hyazinthe.
[...]

1819 — Salzmann, J. G.: Allgemeines deutſches Gartenbuch, München und Leipzig.

Tulpen. Wird man schwerlich in kleinen Gärten viel anbauen; will man aber blos einige einfarbige Sorten, so ist das nicht mühsam. Man kann dieselben viele Jahre auf dem nämlichen Platze stehen lassen, auf welchem sie gestanden haben. Bunte und andere von den Liebhabern sehr geschätze Sorten, müssen jährlich frisch gelegt werden. Man fängt um Michaelis schon an die Zwiebeln 6 bis 8 Zoll tief bey trockener Witterung einzulegen, (welche man nach der Reife des Saamens ausgenommen hat) und fährt damit so lange fort, als es die Witterung erlaubt. Man verfährt bey Behandlung der Tulpen eben so wie bey Behandlung der Hyacinthen.


1819 — Wredow, Joh. Chr. Lud.: Der Gartenfreund, Wien.

  Tulipa Gesneriana L. Gemeine Tulpe. ♃.

Gehört in die erste Ordnung der sechsten Classe.
   Aus der länglich runden, mit einer braunen Schale umgebenen Zwiebel kömmt ein aufrechter, glatter mit wenigen oder gar keinen Blättern besetzter Stängel. Die untern Blätter

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sind breit, lanzettförmig, und meistens am Rande wellenförmig gebogen. An der Spitze des Stängels kömmt die große glockenförmige, aufrechte Blume.
   Eine allgemein bekannte, und seit vielen Jahren mit großer Sorgfalt cultivierte Blume, um deren Cultur sich vorzüglich die Holländer sehr verdient gemacht haben. Hierdurch sind eine sehr große Menge an Spielarten entstanden, welche sich durch die Mannigfaltigkeit der Farben, und auch durch das Gefülltseyn der Blumen unterscheiden. Letztere werden am wenigsten geachtet. Zuweilen theilt sich auch der Stängel in mehrere Seitenstängel, deren jeder eine Blume trägt. Eine andere hat große am Rande ausgezackte Blumenblätter, und ist unter dem Nahmen Monstreusen bekannt. Wegen der Schwere der Blumen ist der Stängel gewöhnlich zur Erde gebogen.
   Die einfachen regelmäßigen Tulpen werden am Meisten geschätzt. Man theilt sie im Allgemeinen in zwey Classen: — frühe und spät blühende. Die spät blühenden treiben weit höhere Stängel, und übertreffen die ersten sehr an Schönheit, welche nur deßwegen geschätzt werden, weil sie früher blühen. Die Schönheit einer Tulpe beurtheilt man vorzüglich darnach, daß sie einen hohen starken Stängel hat und daß die Blume oben rund, nicht spitz ist, und daß die Blumenblätter gerade aufstehen.
   Gewöhnlich theilt man sie ein, in einfarbige oder Muttertulpen, und in bunte. Die einfarbigen theilt man in Bizarres und Violettes. Erstere haben gewöhnlich eine braune Kupferfarbe, und unten auf dem Grunde der Blume einen kleinen gelblichen oder schwarz mit gelb vermischten Flecken. Letztere sind entweder dunkel- oder hellviolett, grau, roth braunroth u.s.w., und haben auf dem Grunde der Blume einen wei&szglig;en, oder grau mit weiß vermischten Flecken.
   Die bunten sind auf mannigfaltige Weise illuminirt, und sehr mannigfaltig gestrichelt, panachirt, gefedert, gemarmelt, gerandet u.s.w. Im Allgemeinen theilt man sie ein, in: — Baguettes primo, mit weißem Grunde und dunkelbrauner Illumination; — Baguettes Rigeaux, mit weißem Grunde und hellbrauner Illumination; — Bibloments, Beyblumen, mit weißem Grunde, und blau, violett, rosenfarbig, roth, röthlich u.s.w. illuminirt; - Bizardes, mit gelbem Grunde und verschiedenfarbiger Illumination.
   Insbesondere theilt man sie in Ansehung der Farben und Mahlereyen ein on Picotten, Bizarden, Concordien und Farbenblumen. Die Picotten sind gleichsam ausgestickt oder fein ausgemahlt. Sie haben zwey Farben, Grundfarben und Illumination in Gestalt von Flecken oder Streifen, welche aber nicht bis unten in den Grund heruntergehen. - Die Bizarden haben eine unregelmäßige und unwillkührliche Farbenmischung, deren Illumination bis unten in den Grund hinuntergeht. — Die Concordien haben zwey ähnliche Farben, z.B. einen hellrothe Grundfarbe, und eine dunkelrothe Illumination. — Die Farbenblumen sind roth, gelb, braun, bläulich, und werden so wie die Concordien am wenigsten geachtet.
   Wenn man eine gute Tulpenflor hat / und sie erhalten will, so muß man die Zwiebeln alle Jahre , wenn die Blätter trocken geworden sind, aufnehmen, die junge Brut absondern, von der Erde reinigen, und an einem luftigen Orte bis zum Einpflanzen aufbewahren. Am Ende des Septembers und im October werden sie wider eingepflanzt, wozu man die Beete ebenso zubereitet als zu den Hyacinthen. Eine gute lockere schwarze Gartenerde, mit etwas Sand vermischt, ist ihnen vorzüglich zuträglich. Man legt die Zwiebeln sechs bis acht Zoll tief ein, und wählt hierzu trockene Witterung, damit sie nicht naß in die Erde kommen. Die junge Brut pflanzt man auf eigene für sie zubereitete Beete, um hiermit, wenn sie anfangen zu blühen, die alte Brut zu verjüngern.
   Um neue und schöne Sorten zu erhalten, kann man auch Samem säen. wozu man die schönsten einfarbigen Blumen nimmt, welche an einer recht sonnenreichen Stelle stehen. Mit dem Säen des Samens kann man ebenso verfahren, wie mit den Hyacinthen.
   Zur Winterflor eignen sich vorzüglich die früh blühenden Sorten, und unter diesen am besten die kleine Duc van Toll. Man legt zu diesem Zwecke die Zwiebeln im October in Töpfe, welche mit einer leichten Erde gefüllt sind, stellt sie an einen frostfreyen Ort ohne sie zu begießen, und nimmt sie nach und nach ins Zimmer, so wie man sie treiben will, stellet sie ans Fenster und begießt sie dann gehörig. Sie treiben sehr bald ihre Blumen.

  Tulipa biflora L. Zweyblumige Tulpe. ♃.

Mit linien-pfriemenförmigen Blättern, und einem etwa sechs Zoll hohen, aufrechten, glatten, mit zwey gleichbreiten, zurückgekrümmten, rinnenförmigen Blättern besetzten Stängel, welcher gewöhnlich zwey, auch wohl mal drey gelbe Blumen trägt. Blühet im May.
   In Rußland an der Wolga wild, und wird durch die Zwiebel fortgepflanzt, welche man, etwa vier Zoll tief einlegt, und einige jahre liegen läßt, ehe man sie aufnimmt.

   Tulipa sylvestris L. Wilde Tulpe. ♃.

Mit schmalen lanzettförmigen Blättern, und einem einblumigen glatten Stängel, welcher eine gelbe, vor der Blüthe überhängende Blume trägt, welche spitze, und an der Spitze bartige Blätter hat. Blühet im May, auch wohl schon früher.
   In der Schweiz, Osterreich u.a.O. wild, kömmt fast in jedem Boden gut fort, und läßt sich durch die Zweibeln fortpflanzen. Man kann sie auch wie die erste Art zur Winterflor benutzen, wozu man sie im August in Töpfe pflanzt.


Reichart Gartenschatz

1821 — Bernardi, J. J.: Christian Reichart's practisches Handbuch, Grätz.

Tulipa, Tulpe. Die gemeine Tulpe (T. gesneriana L.) ist wegen der prachtvollen Farben ihrer Blumen und wegen der Mannigfaltigkeit der Zeichnung, die ihre unzählbaren Spielarten darbiethen, noch immer eine der geschätztesten Zierpflanzen. Nach der Blüthezeit unterscheidet man gewöhnlich Frühtulpen und Spättulpen. Erstere sind weniger zahlreich, und im Allgemeinen weniger schön von Farbe, und werden daher auch nicht so geschätzt, als die letztern; sie haben indessen den Vorzug,

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daß sie sich besser zum Treiben eignen. Eine scharfe Grenzlinie existirt übrigens zwischen diesen beyden Abtheilungen kaum; indem die verschiedenen Sorten allmählich nach einander ihre Blüthe entwickeln, und bey einer vollständigen Flor kein Zeitpunct eintritt, wo nicht diese oder jene Sorte blühete. Die Sorten mit gefüllten Blumen haben vor den andern den Vorzug, daß ihre Blüthe längere Zeit dauert.
Die Tulpen lieben einen sandigen, warmen lockern Boden; wo daher zu fest und kalt ist, muß er durch beygemischten klaren Sand, und ganz verweseten Kuhmist, der wohl drey bis vier Jahre gelegen hat, verbessert werden.Niemahls darf man aber einen solchen Dünger in Menge anwenden; denn von vieler Düngung werden die Tulpenzwiebeln nur kleiner, und verfaulen endlich ganz. Frischer Dünger ist ihnen wahres Gift.
Die beste Zeit, die Tulpenzwieben zu legen, geht von der Mitte des Septembers an bis in October, wo sie vier bis fünf Zoll tief in die Erde gebracht werden. Ehe die Tulpenzwiebeln im Frühjahr zu keimen anfangen, muß man die Erde zwischen ihnen auflockern, und von allem Unkraut reinigen. Will man die Blüthezeit verlängern, so verfährt man auf ähnliche Weise wie bey den Hyacinthen und andern Zwiebelgewächsen. Diejenigen Sorten, welche höhere Stängel treiben, muß man an beygesteckte Stäbchen binden. Die Blumen selbst dürfen niemahls abgerissen werden, da das Wachsthum der Zwiebeln dadurch verhindert wird. Es ist dagegen unrichtig, wenn man glaubt, daß die Ausbildung der Samen der Zwiebel die Kraft raube, und deßhalb die Samenkapseln vor der Reife abschneidet; es erreicht vielmehr auch dann, wie sich Reichart durch Versuche überzeugte, die Zwiebel ihre gehörige Größe*). [...]
*) Das Abschneiden der Blumen wird wohl nur dann schädlich, wenn ein bedeutender Theil des Krauts zugleich mit abgenommen wird. In Holland werden wenigstens von den frühen Tulpen durchaus alle Blumen, theils während der Blüthe, Theils wenn sie zu verblühen anfangen, abgeschnitten. Die spätern läßt man aber daselbst wachsen, weil zwischen der Blüthezeit und der Herausnahme der Zeitraum zu kurz ist, als daß die Samen reif werden können.


1842 — Bosse, Jul. Friedr. Wilh.: Vollständiges Handbuch der Blumengärtnerei, Hannover.*

Tulipa; Tulpe.
Blumenhülle (Corolle u. A.) 6blättrig; Kronblätter meistens glockenförm. zusammengeneigt. Ansitzende 3lappige Narbe. Capsel 3seitig, 3fächerig, 3klappig, vielsaamig.
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Hexandria Monogynia. Liliačeae. Perennirende Zwiebelgewächse mit meistens 1-blumigem Schafte u. schönen Blumen.
  1. T. altaica Pall., Ledeb. ic. Fl. Ross. t. 134. Altaische T.; T. sylvestr. Falk. Am Irtischflusse Frühl. — Stengelblätter längl.=lanzettförm., wellenförm., knorpelrandig, langgespitzt. Stengel 4—8"[ hoch, mit gelber, 2" langer Blume. — Cult. wie bei der gewöhnl. Gartentulpe.
  2. T. biflōra Pall. il. t. D. f. 3. Bot. Reg. 535. Rchb. ic. 393. Zweiblumige T. Iberien, an der Wolga. Frühl. — Blätter 2, abstehend, linien=pfriemenförm., blaugrün. Schaft 1—2—3blumig. Blumen aufrecht, an 8"' lang; die 3 äußern Kronblätter grünlich oder blaßblau, die innern gelb oder weiß.
  Die Zwiebel pfl. man im Octob. in lockeren, guten Boden 3—5" tief. Alle 3 Jahre nimmt man sie nach dem Abwelken heraus, theilt die Vermehrung und pfl. sie im Oct. wieder in frisch bereiteten Boden.
  3. T. Celsiāna Red. Lil. t. 38. Oriental. T.; T. Breyniāna Bot Mag. 717, australis Lk., biflōra Don, sylvéstris ß. Bieb., transtagāna Brot. (als Variet.) Südeur., Orient, Nordafrika. Frühl. — Blätter lanzett=linienförm. rinnenförmig langgespitzt. Stengel 1blumig, glatt; Blume wie bei T. sylvestr., aber kleiner u. immer aufrecht, gelb; Kronblätter längl.=lanzettförm., spitz.
  Man kann sie 5—6" tief an eine warme nicht zu feuchte Stelle in's Freie pfl.; bei eindringendem Froste aber muß sie bedeckt werden. Einige pfl. sie in den Topf, um sie sicherer und frostfrei zu durchwintern. Übrig. s. No. 2.
  Cult. S. No. 3.
  4. T. Clusiāna DC., Red. Lil. t. 37. Bot. Mag. 1390. Sibth. Fl. graec. t. 329. Clusische T.; T. rubro-alba Brot., Cypriāni Hort. Frankr., Span., Portug., Ital. u.s.w. Frühl. — Blätter linienförm. langgespitzt, glatt, das unterste scheidig. Schaft 1blumig, glatt; Blume aufrecht; Kronblätter weiß, am Grunde schwarzpurpurroth, lanzettförmig.
  5. T. Gesneriāna L., Bot. Mag. 1135. Bot. Reg. 381. (1838) t. 46 (die ächte, wilde Art, mit großen, rothen Bl., welche bei Florenz im Thale D’Emo wächst). Gemeine T.; Garten=T,; Capadocien, Europa, Taurien. Frühl. — Zwiebel breit ei=förm. oder längl.=rund, spitz, braunschalig, dicht. Stengel aufrecht, steif, rund, glatt, 1—3’ hoch, unten mit einigen ei=lanzettförm. oder lanzett=förm., graublau=grünen, wellenförm. Blättern besetzt, u. mit einer prächtigen, großen aufrechten Blume gekrönt; Kronblätter stumpfisch, carmoisin=roth, im Grunde gelblich.
  Diese Tulpe wurde im Jahre 1559 durch den berühmten Botaniker Conrad Geßner, einen Schweizer, aus Kleinasien nach Europa gebracht. Nachdem haben besonders die Holländer außerordentlichen Fleiß auf ihre Cultur verwandt, u. ihnen verdanken wir eine zahllose Menge an prachtvoller Spielarten, welche mit dem blendensten Farbenglanze unsere Gärten schmücken. Die Liebhaberei für Tulpenzwiebeln war früherhin so groß, daß eine seltene Varietät oft mit 1000—4000 Gulden bezahlt wurde. Diese Manie für Tulpen hat nach u. nach abgenommen, u. wiewohl die schönsten u. seltensten Varietäten auch jetzt noch von den Holländern hoch im Preise gehalten werden, so übersteigt dieser doch selten die Summe von 6—10 Gulden.
  Man unterscheidet Früh= u. Spät=Tulpen als 2 Hauptclassen.
  Die frühen Tulpen, welche sich durch einen kürzeren Stengel, durch frühere Blüthezeit u. durch die Blume selbst unterscheiden, werden weit minder als die Spättulpen geachtet, obgleich sie manche prächtige Varietäten enthalten, welche jenen mit Recht zur Seite stehen dürfen. Sie blühen an einem warmen Standorte schon im April oder noch früher, u. lassen sich sehr gut, wie Hyacinthen, treiben. Man pfl. sie zum Treiben im Sept. in 4—5" weite Töpfe, verfährt dann damit, wie mit den Hyazinthen, u. stellt sie im December oder Januar (einige, als die frühesten. auch schon im Novemb.) vor ein sonniges Fenster des warmen Zimmers oder in's Treibhaus, woselbst sie bei einer allmählig gesteigerten Wärme von 10—15° (bei Entwicklung der Blüthe etwas weniger) bald blühen. Die frühesten u. schönsten sind: Admiral Hoofd, Bizard Ponkert, *Bruid v. Haarlem, *Claberland, Couleur ponceau, Cour de Brabant, Duc de Cumberland, Duc d'Orange, Duc Nieuwkerk, Duc van Broock, Duc de Harlem, Duchesse de Parme, Geel en Rood van Leyden, Geele Prins, Gelb gefüllt, Graf Florus, *Grosmeister v. Maltha, 'Hecuba, *Ma plus aimable, Pallas, *Pottebacker (roth u. gelb), Pretty Betty, Rose-Tulipane, *Standaart royal, Superintendent, Thomas Moritz, Tournesol (einfache u. gefüllte, vorzügl. schön, u.. zum Treiben besonders empfehlenswerth), Yellow crown, gef. u. a. m. Auch Duc v. Toll u. T. praecox (s. u.) sind zum Treiben sehr empfehlenswerth. Man kann hiervon 3—4 Zwiebeln in einen (5zöll. Topf pflanen. Das 100 der mit * bezeichneten Variet. kostet in Harlem 10 Fl., vom Superintendent 30 Fl., von den meisten andern Variet. 3—5—8 Fl., von allen Variet. im Rummel in Harlem 2 u. 4 Fl., in Berl. bei den Herrn Kunstgärtnern Fr. Möwes u. Leop. Faust (Fruchtstrstr. No. 13) 100 St. in 27 Variet. 2 Pf. Pr. Cour., in Hamb. bei Herrn J. Hinr. Böckmann 62 Sort. frühe Treibtulpen mit Namen 10 Mk. Übrigens erhält man sie fast in allen größern Handelsgärten.
  Die Hauptfarben der Frühtulpen sind: weiß, gelb, roth u. purpurroth, einfarbig oder schön geflammt.
  Die Spättulpen, als die eigentlichen Favoriten der Kenner u. Liebhaber, begreifen eine weit größere Mannigfaltigkeit als die Frühtulpen. Die holländ. Blumisten cultivieren an 1000 Varietäten derselben u. theilen sie in folgende Ordnungen u. Unterordnungen.
  1. Einfarbige (Expectanten der Muttertulpen); a) Bizarden; b) Violette.
  2. Bunte oder gestreifte Tulpen; a) Baguetten primo; b) Baguetes rigaux; c) Bybloemen; d) Bizardes.
  Die Einfarbigen haben anfängl. nur eine Farbe, z. B. purpurroth, roth, violett, grau, kupferfarb., braun, schwärzl. gelb u. s. w., nehmen aber nach einer Reihe von Jahren nach u. nach mehrere Illuminationsfarben an, so wie auch aus dem Saamen derselben neue bunte Varietäten entstehen.
  Die Bizard-Mutterblumen (1. Ord. 1. Unterord.) haben gewöhnl. eine braune Kupferfarbe u. unten im Grunde einen kleinen, runden, gelbl. oder gelbl.=schwarzen Fleck. Aus diesen entstehen nach mehrern Jahren die Bizarden mit gelbem Grunde (2. Ord. 4. Unterord.).
  Die violetten Muttertulpen (1. Ord. 2. Unterord.) sind entweder purpur= oder blaßviolett, leinengrau (gris de lin), kirschbraun oder roth, einfarbig u. haben im Grunde einen rein weißen oder schwärzl.= grauweißen Fleck. Sie nehmen nach mehrern Jahren Illuminationsfarben an u. bilden die Baguettes u. Bybloemen (2. Ord. 1. 2. u. 3. Unterord.).
Die Baguettes primo haben die höchsten (3' hohe) Schäfte u. sehr stumpf abgerundete , weißgründige Kronblätter mit brauner oder violetter Illumination. Da sie am wenigsten ihre Zeichnung verlieren, so sind sie am meißten geschätzt.
Die Baguettes rigaux gleichen sehr den Vorigen; der Schaft ist aber etwas kürzer u. dicker, u. die Blumen sind größer, weißgründig, bisweilen 8blättrig, u. haben eine dunkelbraune oder braunrothe Illumination.
Die Bybloemen haben einen noch niedrigern Schaft, aber die Blumen sind eben so schön gebauet als bei den Vorigen u. haben eine noch weißere Grundfarbe. Die Illumination ist in 2 Classen getheilt; nähmlich a) mit blauer, violetter u. schwärzlich=brauner, b) mit rosenrother, röthliche u. rother Illumination. Letztere Classe ist am seltensten u. schätzbarsten.
Die Bizardes haben fast die Stengelhöhe der Vorigen, eine gelbe Grundfarbe u. 2 oder mehrere Illuminationsfarben. Man theilt sie nach der Art ihrer Zeichnung, wie die Gartennelke, in Picotten, Bizarden u. Concordien.
Die gefüllt blühenden Varietäten ('deren es über 50 giebt) gewähren in Blumen= u. Lustgärten ein prachtvolles Ansehen. Sie blühen gewöhnl. mit den einfachen Spättulpen zugleich, werden aber von den Blumisten diesen nachgesetzt. 100 St. in 25 Sorten kosten in Harlem 5—10 Fl., im Rummel Fl.
Die Monstreusen (Perroguet-oder Papageien=T.) haben sehr große, unförmliche Blumen von glänzender u. schöner Farbe (gelb u. roth), mit weit abstehenden, zerissen=gefranzten Kronblättern. Die Blume biegt den Schaft zur Erde nieder. Sie werden am wenigsten unter allen Varietäten geachtet. 100 St. (4—5 Variet.) kosten etwa 4 Fl.
Die Kennzeichen einer guten bunten Spättulpe sind: ein starker, aufrechter 2' u. darüber hoher Schaft, eine große, 6blättr., vollkommen kelchförm, unten flach gerundete, oben weite Blume, deren 3 äußere Blätter größer als die innern sind, völlig ganzrandige, oben stumpf abgerundete Kronblätter, eine reine Grundfarbe, eine rein weiße oder gelbe Farbe im Boden der Blume, eine lebhafte, scharf abgeschnittene, regelmäßig vom Rande in Strichen (die in der Mitte breiter sind u. sich unten zuspitzen) heranlaufende Zeichnung. Je feiner u. regelmäßiger diese Zeichnung ist, desto schöner ist die Blume.
In Harlem kosten 100 Sorten Spättulpen (1. Sortiment) 100 Fl.; das 2. Sortim. 100 St. in 50 Sort. 50 Fl.; das 3. Sortim. 100 St. in 25 Sort. 30 Fl., 100 St. im Rummel 3 Fl., 100 St. weißgründige in 50 Sort. 10, 15 u. 20 Fl., im Rummel 2 u. 4 Fl., gelbgründige desgl. Man erhält übrigens gute Tulpenzwiebeln aller vorzügl. Varietäten auch in vielen Handelsgärten, z. B. in Berl., Hamb., Erfurt., Dresd. u. s. w.
Cultur: Die Lage u. Zubereitung des Bodens muß dieselbe sein, wie bei der Garten=Hyazinthe (s. das.). Die Pflanzung der Zwiebeln geschieht vom Anf. bis Ende des Octobers, in 6—8" weiter Entfernung von einander, 4—6—8" tief, je nachdem di Zwiebel stark sind u. der Boden mehr oder minder feucht u. locker ist. Die Beete müssen bei strengem Frost mit Laub oder dergl. (wenn keine Schneedecke schützt) bedeckt werden; besonders die Beete der Frühtulpen, welche letzteree etwas zärtlicher sind. Leichter Frost u. mäßiger Regen schaden den Zwiebeln nicht; daher kann man auch (um das zu frühe Treiben zu verhüten) bei anhaltendem Thauwetter, die Bedeckung mit einem Rechen von den Beeten herunter ziehen. Im Apr., wenn sich die Blumen ihrer Entwicklung nähern, thut man wohl, die Ränder der Beete mit Brettern einzufassen, zwischen den Reifen die Oberfläche aufzulockern u. ein Gerüst oder Reife über das Beet zu stellen, , um die aufgeblüheten Blumen gegen heiße Sonnenstrahlen u. heftigen Regen durch übergespannte Leinwand schützen zu können. Morgen u. Abendsonne lasse man aber darauf scheinen, da ohne Licht und Luft die Farben keinen Glanz bekommen u. matt bleiben. Gegen das Umlegen und Abbrechen ziehe man Metalldrath oder mit grüner Ölfarbe bemalten Bindfaden längs den Reihen hin, befestige solchen an grünen Stäben und binde daran nahe unter der Blume die Stengel fest, Anhaltender und heftiger Regen schadet sehr; mäßiger Rewgen aber ist dem Wachsthume und Gedeihen der Tulpen förderlich. Das Begießen der Beete muß möglichst vermieden werden, da es meistens mehr schadet als nüzt, und auch kaum nöthig sein wird.— Um vollkommene, große Zwiebeln zu erhalten, darf man die Blumen nicbbrechen; denn bricht man in der Blüthezeit die Schäfte ab, so setzt die Zwiebel mehr Nebenbrut an, welche sie schwächt und ihre Ausbildung hindert.
  Die Gartentulpen dürfen niemals mehrere Jahre nach einander in den selben Boden gepfl. werden. sonst verschlechtern sie sich von Jahr zu Jahr und verlieren endlich ganz ihre Zeichnung.
  Nach dem Absterben der Blätter und des Schaftes (oder wenn dieser oben welkt) werden die Zwiebeln bei trockenem Wetter herausgenommen, an einem schattigen Orte getrocknet, dann von der Nebenbrut befreiet und bis zur pflanzzeit trocken aufbewahrt.
  Die Varietäten der Gartentulpe gewähren auch gruppenweise im Rasen, in Blumen= und Lustgärten einen vortrefflichen Anblick, u. gedeihhen, wenn es nur auf so einen Gesammt=Effect abgesehen ist, auch sehr gut in jedem mittelmäßig guten , lockern u. nicht zu nassen Gartenboden. Da aber solche Gruppen nach dem Verblühen kahl aussehen, so pflanze man die Zwiebeln in 5/4' weit voneinander entfernten Reihen, und setzt noch vor beendigter Flor zwischen diesen Reihen Sommer= oder Herbst=Levkojen, Aster chin, Eschscholtzia und dergl., oder im Herbste mit den Zwiebeln zugleich Campanūla Medium.
  Die Anzucht neuer Spielarten durch Aussaat erfordert sehr viele Zeit u. Geduld u. ist daher in deutschen Gärten selten üblich; denn die aus Saamen erzogenen Zwiebeln kommen meistens erst im 7ten Jahre zur Blüthe. Die Aussaat geschieht übrigens Anf. September (bis zu welcher Zeit man den Saamen in den Capseln aufbewahrt) auf ein locker zubereitetes Beet, das eine warme Lage hat. Man bedeckt den Saamen 1" hoch mit leichter Dammerde u. schützt das Beet gegen Frost. Im Frühl. keimt der Saame; man hält dann das Beet vom Unkraute rein und bringt im Herbst noch 1" hoch ERde darauf, welches auch im folgenden Jahre wiederholt wird. Im 3ten Jahre werden die Zwiebeln nach dem Abwelken der Blätter herausgenommen, gegen zu starkes Austrocknen im weißen Grubensande bewahrt, u. im Sept. auf neu zubereitete Beete reihenweise, 4" tief und 3—4" von einander, wieder gepflanzt. Im folgenden Jahre pfl. man sie 5—6" von einander u. 4—5" tief u. behandelt sie auf obgedachte Weise. Zur Saamenzucht wählt man am liebsten gut Mutterblumen, welche zur Erlangung schöner Spielarten für besser gehalten werden, als die schönsten bunten Tulpen (s. Loud. Encyclop. d. Gartenw. p. 1099).
  6. T. Oculis sólis St. Amand., Red. Lil. t. 219. Bot. Reg. 1143. Sonnenaugen T.; dunkelrothe T.; T. acutifōra Poir agénensis DC. (als Variet. ?) Südfrankr., Schweiz, Ital. Mai, Juni. — Schaft 1blumig, glatt, kürzer als die längl. Blätter, 1' hoch. Blume aufecht, schön; Kronblätter stumpf, am obern Rande zurückgerollt, wellenförm., dunkelroth, am Grunde einwendig mit einem bläulich=chwarzen Flecken. In mehrern Handelsgärten. 3—4 Gr.
  7. T. praecox Ten. Fl. neap.1. t. 32. Frühe T.; T. Oculis sólis Bot. Reg. 204. Italien. April, Mai. — Schaft 1—2’ hoch,1blumig, länger als die ei=lanzettförm., bläulich bereiften, gewimperten, etwas wellenförm. Blätter. Blume aufrecht, sehr lebhaft scharlachroth, einwendig am Grunde jedes Kronblattes mit einem großen, rautenförmigen, schwarz=purpurrothen, gelb gesäumten Flecken geziert; Kronblätter eirund, die äußern langgespitzt. — Cult. s. No. 6; sie läßt sich sehr gut treiben und zwar früher noch, als andere Frühtulpen.
  Dieſe Art dürfte ſchwerlich unſere Winter im Freien ertragen; man pfl. ſie daher in ſandgemischte Dammerde, in einen Topf, giebt ihr eine Unterlage zerſtoßener Scherben u. durchwintert ſie frostfrei.
  8. T. saxatilis Sieb., Rchb. ic. 580. Felsen=T.; Creta. Frühl. — Stengel beblättert, hin= u. hergebogen, fast 2blumig, an 5“ hoch. Blätter längl.=lanzettförm., spitz. Kronblätter aufrecht, stumpf, gelb, an der Spitze fast gebartet. Fruchtknoten länger als die Antheren.
  9. T. suaveolens Roth., Red Lil. t. 111. Bot. Mag. 839. 2388. Wohlriechende T.; Duc van Toll Hort.  Südeuropa. April, Mai. — Schaft 4—6“ hoch, 1blumig. Blätter ei=lanzettförm., bis 6“ lang, grau=blaugrün, 1“ breit, oben weichhaarig. Blumen wohlriechend, aufrecht; Kronblätter gleich den Staubfäden glatt, eirund, stumpflich, scharlachroth, am Rande oben gelb.
Diese Art und die gefüllt blühende Varietät derselben sind als Treibtulpen sehr bekannt und beliebt. Die einfache Variet. blühet etwa 8 Tage früher als die gefüllte. Wenn man die Zwiebeln im Aug. oder Anf. Sept. je 2—4 in Töpfe setzt u. in der Mitte des Oct. in's warme Zimmer oder Warmh. stellt,  so erscheinen die Blumen schon in der Mitte oder gegen Ende des Septembers. Die gefüllte Variet. kann erst im Januar zur Blüthe gebracht werden.
Das hundert Zwiebeln dieser Tulpe kostet in deutschen Handelsgärten etwa 2 Gulden. Im Blumenzwiebel=Verzeichnisse des Herrn J. H. Böckmann in Hamb. sind unter der Rubrik >>Duc van Tolls<< noch angeführt u. als vorzügl. zum Treiben empfohlen: Duc d'Alborum (neue einfache weiße, extra) à 1 Mk. 4 Pf..; Duc d' oré (neue einfache gelbe, extra) à 12 Pf.; Duc de Rose (neue einfache rosa, extra) à 6 Pf.
  Als Abart gehört hierher: T. pubéscens W. En. Weichhaarige T. Südeuropa? April, Mai. — Blätter längl.=lanzettförmig, etwas flaumhaarig, etwas läner als der 6" hohe, weichhaarige 1blumige Schaft. Blume aufrecht, weit glockenförmig, von sehr schwachem Wohlgeruch, gewöhnl. roth u. weißbunt, doch auch gelb oder weiß; die äußern Kronblätter eirund=lägl. spitz, die innern Stumpf, stachelspitzig. Diese Tulpe steht ungefähr in der Mitte zwischen T. Gesneriāna u. suavolens u. wird gleichfalls zum Treiben benutzt.
   Cult. s. bei No. 6; man pfl. die Zwiebeln 4—6" tief u. eben so weit von einander u. bedeckt die Beete im Winter hinreichend gegen den Frost.
  10. T. sylvéstris L. Engl. Bot. 63. Red. Lil. 165..Bot. Mag. 1202. Schkuhr’s Handb. t. 93. Wilde T.; gelbe Wald=T. Deutschl., Schweiz, Sibir., Ital., Frankr. u. s. w. Mai. — Zwiebel kleiner u. heller als bei No. 6. Blätter linien=lanzettförmig, glatt. Schaft 1—2’ hoch, 1—2=, selten 3blumig. Blumen vor dem Aufblühen überhängend, groß, schön, nach Veilchen riechend; Kronblätter gelb, auswendig grünlich schattirt, lanzettförm., ausgebreitet, an der Spitze gebartet. In mehrern Handelsgärten. 2 Gr. Sie wird häufig unter dem Namen T. florentīna u. T. florentīna odorāta verkauft. — sie liebt etwas Schatten u. die Zwiebeln können 2—4 Jahre in der Erde bleiben, ehe man sie umpflanzt. Sie läßt sich auch im Januar u. Febr. im Zimmer bei 8—10° W. gleich den Frühtulpen treiben.
  11. T. turcica Roth. Türkische T; T. acumuminata Vahl., cornūta Red. Lil. 445. Bot. Reg 127; T. stanopetala Herb. gen. t. 171, sylvestr. β. W. Türkei, Persien. April, Mai. — Blätter linien=lanzettförm., blaugrün, wellenförm., glatt, kürzer, als der 1—2' hohe, 1blumige, glatte Schaft. Blume aufrecht, roth oder roth u. gelbbunt; Kronblätter 4—5" lang, lanzettförm., sehr langgespitzt, an der Spitze zusammengewickelt u. gebartet. Staubfäden glatt, weiß oder roth gefleckt. - Cult. s. bei. No. 6.
  Die andern Tulpenarten, als T. heteropetala, maculāta, maleolens, media, montāna, patens (tricolor), stellāta, scabriscāpa, Sibthorpiāna u. a. sind minder schön und mehr für botanische Gärten geeignet.
  Tulipa altaica Gebl. s. Ornithogālum uniflōrum.

1842 — Bouché, Carl David: Die Blumentreiberei, Berlin.*

TULIPACEAE.
Tulipa,
Tulpe
Von dieſer Gattung ſind es beſonders die frühblühenden Arten, deren man ſich zur der Treiberei bedient, weil dieſe in den Häuſern und Zimmern erzogen einen ſchönern Habitus als die
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ſpätblühenden behalten.
  Die Tulpe gedeiht faſt in jedem Boden, wenn er nur einigermaaßen locker und gut gedüngt ist. Die Zwiebeln werden im Oktober in Entfernungen von 5—6 Zoll und in einer Tiefe von 5 Zoll gepflanzt. Die Zubereitung der Beete, ſo wie die Pflanzordnung iſt dieſelbe, wie ſie bei den Hyazinthen angegeben iſt.
  Bei anhaltender Kälte ohne Schnee bedeckt man die Beete 3—4 Zoll hoch mit Laub oder Miſt, um das Eindringen des Froſtes abzuhalten; dieſe Decke muß aber, ſobald ſich gegen das Frühjahr anhaltend milde Witterung einſtellt, hinweggenommen werden, damit man das zu zeitige Treiben vermeidet.
  Im Juni, oft ſchon Ende Mai's, ſobald die Blätter anfangen abzuſterben, nimmt man die Zwiebeln aus der Erde, reinigt ſie möglichſt und bringt ſie an einen luftigen, ſchattigen Ort zum Abtrocknen, wo ſie bis zur Pflanzzeit aufbewahrt werden. Die Tulpe mehrere Jahre hintereinander in der Erde liegen zu laſſen, iſt nicht zu empfehlen, weil dadurch das Farbenſpiel der ſchön gezeichneten Sorten verloren geht, und weil ſie oft ſchon im zweiten Jahre einfarbig blühen, was den Blumisten keineſweges angenehm und befriedigend ſein kann. Daß die Blumen einfarbig werden, ist Folge eines zu üppigen Wuchses, daher denn auch die Beete, welche nicht zur Anzucht, ſondern zur Aufstellung der Florblumen beſtimmt sind, nur mäßig gedüngt werden müſſen. Viele Blumiſten pflanzen ihre Tulpen, beſonders Tulipa Gesneriana, erſt im Dezember, auch wohl Januar, weil dadurch die Pflanze zwar geſchwächt wird, aber ſchöner gezeichnete Blumen bringt. Dies Verfahren ist ſehr gewagt, denn nicht ſelten kann man des ſchnell eintretenden Froſtes wegen gar nicht pflanzen, und verliert dadurch die ganze Flor.
  Die Vermehrung der Tulpen geſchieht in der Regel durch Bruten, denn aus dem Saamen erzogen ſind ſie ſehr dem Variieren ausgeſetzt, und nur ſelten erzieht man ähnliche Sorten, wie die, von denen der Saamen entnommen iſt, daher denn auch die unzähligen Varietäten entſtanden sind.
  Das Erziehen neuer Sorten aus dem Saamen ist noch langwieriger, als bei den Hyazinthen; im vierten Jahre pflegen die erſten zu blühen, bleiben aber oft bis zum 1oten auch 12ten Jahre einfarbig. Viele erhalten erſt im 15ten Jahre ihre vollſtändige Zeichnung, andere zeichnen ſich ſchon eher, denn erſt von der Zeit ab iſt die Brauchbarkeit und der Werth einer Sorte zu bestimmen. Die Form der Blume bleibt ſchon in früheren Jahren constant, und man kann diejenigen Sämlinge, die ſich durch ſchlecht geformte Blumen auſzeichnen, auſſondern, damit man nicht unnütze Arbeit mit ihnen hat.
Zum Treiben bedient man ſich faſt nur der Varietäten der Tulipa suaveolens; T. Gesneriana läßt ſich nur ſehr ſpät dazu benutzen.

   1) Tulipa suaveolens, Wohlriechende T.

Obgleich dieſe Art, im ſüdlichen Europa einheimiſch, eines der älteſten unſerer Zwiebelgewächsſe iſt, und ſchon ſeit vielen Jahren in der Blumentreiberei benutzt wird, ſo gewährt ſie dennoch alljährlich neuen Reiz; beſonders ſind es die Erſtlinge, welche ſchon im November ihre Blumen entfalten, die unſere Aufmerkſamkeit auf ſich ziehen, und an des Frühlings ſchöne Zeit erinnern.
   Von der wohlriechenden Tulpe hat man in Folge der langjährigen Kultur eine Menge ſchöner Varietäten aus dem Saamen erzogen, die ſich größtentheils treiben laſſen, jedoch ſind es nur zwei, Duc van Toll und die gefüllte Duc van Toll, die ſich mit Sicherheit zur Frühtreiberei eignen.
Für die Frühtreiberei hat man beſonders ſtarke Zwiebeln auſzuwählen; vorteilhaft ist es, wenn es vierjährige ſind, dieſe werden dann ſchon im August in Töpfe geſetzt, und bleiben im Freien ſtehen, wo ſie aber ſtets gleichmäßig feucht erhalten werden müſſen. Beim Einpflanzen hat man beſonders darauf zu achten, daß ſowohl die Spitze der Zwiebel als auch der Wurzelboden von der braunden trocknen Schale befreit ist, denn dieſe wird oft, wenn ſie in die feuchte Erde kommt, faſt lederartig, und für die ſchwächlichen, zur Unzeit hervorgerufenen Keime und Wurzeln undurchdringlich; bei den nach Ende December zu treibenden Zwiebeln iſt dieſe Vorſicht weniger nöthig, weil da Zeit genug ist, daß ſich die Schale gehörig erweicht und überdies die Wurzeln und Keime kräftiger ſind.
Duc van Toll kann man von Mitte Novembers bis ſie draußen im Freien blühen, in den Zimmern und Gewächſhäuſern in Blüthe haben; am ſchönſten werden ſie von Anfang Januars, bis etwas über die Mtte des Februar hinaus, ſpäter werden die Blätter zu ſchlaff und geben der Pflanze kein ſchönes Anſehen; man bedient ſich von da ab lieber anderer Sorten.
Die nun Mitte Novembers blühen ſollen, werden Anfang Octobers in ein warmes Haus oder in Ermanglung deſſen in ein warmes Miſtbeet geſtellt; da in dieſer Zeit in den Häusern wenig oder gar nicht geheizt wird, ſo giebt man ihnen einen Platz nahe den Fenstern, auf der oberen Stellage, und bedeckt ſie mit Moos oder einem Glaſe, damit ſie ſtets von feuchter Luft umgeben ſind; durch das Moos wird ihnen das Licht entzogen, wodurch ſie höher und anſehnlicher werden. Haben ſie nun nach 3—4 Wochen ſchon einige Fortſchritte gemacht und es wird geheizt, ſo kann man ſie nach und nach in die Nähe des Ofens bringen, wo ſich nach 8—14 Tagen die Blumen entfalten werden.
Die ſpäter zu treibenden pflanzt man im Laufe des September, ſpäteſtens aber bis Mitte Octobers in Töpfe, giebt ihnen im Freien einen ſonnigen Platz, wo ſie aber gegen Nachtfröſte geſchützt werden müſſen, und bringt ſie, wenn ſtärkerer Froſt eintritt, an den Ort ihrer Aufbewahrung, entweder in ein kaltes Haus oder in einen Keller; ſie in die Erde zu vergraben, iſt nicht zweckmäßig, weil da die Keime zu dünn und zu lang werden.
Wird nun in den Treibquartieren ſtärker geheizt, ſo werden die Duc van Toll anfänglich an den kältesten Ort des Hauſses, und erſt nach 8—14 Tagen der Feuerung näher geſtellt und mit Moos bedeckt; von Anfang Januars ab iſt dieſe Bedeckung nicht mehr nöthig. Haben ſie eine Höhe von 4 Zoll erreicht, ſo wird das Moos hinweggenommen, damit ſich noch vor dem Erblühen, welches dann nicht mehr fern iſt, grün färben.
Oft geſchieht es bei der Frühtreiberei, daß die Blumen von den Blättern feſt umſchloſſen ſind und ſich dieſe nicht ſelbſt auſeinander löſen können, in dieſem Falle muß man ihnen dann zu Hilfe kommen und die Blätter öffnen.
Die im November blühenden bedürfen von Beginn des Treibens einer Zeit von 6 Wochen, im December 4 Wochen und ſpäter nur 3 Wochen.
Beabsichtigt man, die Duc van Toll bis zum März zu conſerviren, ſo werden ſie Anfang Februars aus dem Hauſe odem dem Keller in einen kalten Kaſten gebracht, damit man ihnen bei möglichſt niedriger Temperatur ſo viel Licht als möglich geben kann.
Für die Treiberei im Zimmer einen ſich am beſten: Duc van Toll einfach und gefüllt, Tourneſol und Duc de Berlin. Im Allgemeinen findet die Treiberei auf dieſlbe Weiſe wie im Hauſe ſtatt, nur bei denen, die man Ende Novembers ins Zimmer ſtellt, iſt es nöthig, die Keime mit einem Glaſe zu bedecken, weil für dieſe die Luft im Zimmer zu trocken iſt ſpäter, vom Januar an, iſt dieſe Vorſicht nicht mehr nöthig, denn will man ſie nicht ſehr forciren, ſo treiben ſie ſchon an den Stubenfenſtern genug.
Die übrigen frühen Tulpen=Sorten blühen auch ſehr gut im Zimmer, müſſen aber um 8—14 Tage ſpäter, als dies im Hauſe ſein kann, warm geſtellt werden.
In Betreff des Einpflanzens und der Aufbewahrung während des Winters kommen bei allen übrigen Tulpen=Sorten dieſelben Regeln in Anwendung, nur die Zeit des Antreibens erleidet einige Abänderungen; die Dauer aber, in der ſie zur Blüthe gebracht werden können, ſtimmt im Allgemeinen mit der des Duc van Toll überein.
Gefüllte Duc van Toll können schon Anfang Decembers angetrieben werden, und bedürfen in dieser Zeit 4—5 Wochen bis zur Blüthe.
Mitte deſſelben Monats ſtellt man Tournesol warm; oft gelingt es auch früher, nur muß man bei ſolchen Verſuchen einen kleinen Verluſt an Zwiebeln nicht achten; am ſchönſten gedeihen die beiden letzten Sorten im Februar, wo ſie den im Freien erzogenen an Schönheit gleich kommen.
Außer dieſen drei Sorten giebt ex noch eine Menge früher Tulpen, die ſich in der nachſtehenden Ordnung treiben laſſen; jedoch iſt zu bemerken, daß ſie nicht einer ſo hohen Temperatur auſgeſetzt ſein wollen, ſondern am beſten gedeihen, wenn ſie einen hellen Platz dicht an den Fenſtern erhalten, wo ſie bis zur vollſtändigen Auſbildung der Blumen ſtehen bleiben.
a) Ende des Decembers oder Anfang Januars können angetrieben werden:
Braut v. Harlem, weiß, roth und purpur.
Duc de Berlin, roth und gelb.
Duc de Neuwkerk, roth und gelb.
Duchesse de Parma, orange und gelb.
Evelinens Mantel, roth und gelb.
Grand duc, gelb mit roth.
Habit de Parade, gelb, purpur und violet.
Weiſſe duc de Toll, weiß.
  
b) Von Mitte Januars ab:
Bisard Bronkert, roth mit gelb.
Caiman, dunkel purpur mit lila.
Canarienvogel, goldgelb.
Carmin brillant, roth.
Clarmond, weiß.
Clarmond couronné d'or, weiß mit roth.
Couleur Cardinal, roth und d. purpur.
Duc d'Alborum, weiß.
Duc d'Harlem, roth und gelb.
Duc de Rose, weiß mit roth.
Duc d'Oré, goldgelb.
Etendard blanc, weiß mit purpur.
Etendard d'or, gelb und roth.
Friedericus rex, weiß mit purpur.
Hecuba, roth und weiß.
La belle alliance, roth.
La charmante, roth und gelb.
Madame de Pompadour, roth und lila.
Rex alba, weiß.
Pottebacker, gelb.
Pottebacker, roth.
Pronk Juweel, weiß.
Proserpine, rosa.
Reine de Paysbas, roth und gelb.
Sonnengluth, roth.
Standart, weiß mit roth.
Witt en rood borde, weiß mit roth.
c) Im Februar und März laſſen ſich gut treiben:
Béauté frappante, weiß und roth.
Béauté perfaite, weiß und roth.
Chrysolore, gelb.
Couleur ponceau, purpur und roth.
Duc d'Orange, gelb mit roth.
Duzc Victor, roth und gelb.
Franciscus primus, weiß, roth und violet.
Gekront Hoff, roth.
Gloriosa, purpur u. weiß.
Grande Duchesse, roth und gelb.
König Salomon, roth.
Lac van Rhün, weiß und purpur.
Triomphante, roth und gelb.
Weiſſe Zwaan, weiß.
   d) Gefüllte Tulpen, die im Februar und März getrieben werden können.
Agamemnon, gelb und roth.
Gelbe Roos, gelb.
Rex rubrorum, roth.
Regina Rubrorum, weiß und roth.

   2) Tulipa turcica, Türkiſche T.

Von dieſer Art, die im ſüdlichen Europa einheimisch ist, werden vorzüglich zwei Varietäten in unſern Gärten kultivirt, die eine mit gelb, dieſer Art, die im ſüdlichen Europa einheimisch ist, werden vorzüglich zwei Varietäten in unſern Gärten kultivirt, die eine mit gelb, dieſer Art, die im ſüdlichen Europa einheimisch ist, werden vorzüglich zwei Varietäten in unſern Gärten kultivirt, die eine mit gelb, ſcharlach und grün gezeichneten, die andere mit dunkelſcharlachroth und grün gezeichneten Blumen, beide gehen auch unter dem Namen Monſtröſe oder Perroquet=Tulpen.
Die türkiſche Tulpe läßt ſich ebenfalls treiben, will aber nicht vor Ende Februars oder Anfangs März warm geſtellt ſein. zu dieſer Zeit aber erſcheinen ihre ſonderbar geormten Blumen in 3—4 Wochen.

    3) Tulipa gesneriana, Gemeine Garten= oder Späte T.

Dieſe eignet ſic h eigentich nicht zur Treiberei, aber ſie kann, wenn ſie den Winter hindurch im kalten Hauſe conſervirt und im Februar in einem Froſtfreien Miſtbeetkaſten unter Fenſter geſtellt wird, vermittelſt der Sonnenwärme um 4 Wochen früher als im Freien zur Blüthe gebracht werden.
Mit den gefüllten Varietäten dieſer Art verhält es ſich mit wenigen Auſnahmen eben ſo; nur einige, z. B. Jonquille mit gelben und Pileus cardinalis mit blutrothen Blumen, welche gewiſſermaßen einen Übergang von den frühen zu den späten Tulpen machen, laſſen ſich Anfangs März antreiben und im April in Blüthe haben.
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1875 — Stranz, Minna: Die Blumen in Sage und Geschichte, Berlin.

Tulpenfest.

Alljährlich feierten die Frauen des Serail auch das Tulpenfest. Der Sultan sieht es als den schmeichelhaftesten Beweis der Liebe und Zuneigung an, wenn die Bewohnerinnen des Harems ihm zu Ehren dieses Fest in ihren Gärten veranstalten.

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Es wird mit dem größten Pomp gefeiert. In den in blendender Illumination prangenden Gärten gewahrt man auf besonderen Erhöhungen einen amphitheatralisch aufgestellten Tulpenflor, der an Farbenmannigfaltigkeit einen Alles überragenden Anblick gewährt. Teppiche breiten sich über den Boden, kostbare Essenzen senden ein Meer von Wohlgerüchen, denn die Tulpe haucht derartige Düfte nicht aus, sie besticht nur durch schöne Form und Farbenpracht die Sinne. Wenn alles vorbereitet ist, dann holen die reichgeschmückten Frauen den Sultan und führen ihn in feierlicher Procession in die gleich einem Märchen aus tausend und einer Nacht ausgeschmückten Gärten.

Hier werden ihm die seltensten und schönsten Tulpen gezeigt, die zwar nicht seinen Namen führen, doch in allegorische Beziehung mit ihm gebracht werden, wenn man sie ihm als "Traum der Glückseligkeit, Geheimniß des Ewigen, Elixier der Liebe" vorzeigt, und seine Phantasie dadurch anregt. (Seiten 270-290).


1889 — Jühlke, Ferdinand: Gartenbuch für Damen, Berlin.

Jühlke, Gartenbuch für Damen
Die Tulpe (Tulipa Gesneriana). - Um neue Varietäten zu erhalten, erziehen erfahrene Blumisten die Tulpen aus Samen. Da die jungen Zwiebeln aber oft vor dem fünften bis siebenten Jahre nicht blühen, so ist diese Art von Vermehrung für Liebhaber sehr unvorteilhaft. Selbst wenn die aus Samen erzogenen Tulpen blühen, so erzeugen sie in den ersten zwei oder drei Jahren nur einfarbige Blumen und lassen natürlich in diesem Zustande viel zu wünschen übrig. Um bei Tulpen die Erzeugung glänzender und bestimmter Farben herbeizuführen, welche in Betreff der
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Schönheit der Blumen den Anforderungen der Blumisten entsprechen, unterwirft man sie einem plötzlichen Wechsel des Bodens, des Klimas und der Behandlung. Einmal werden sie in dem dürftigsten Boden gehalten, wobei man ihnen nur so viel Wasser verabreicht, daß sie am Leben bleiben, dann versetzt man sie in den fettesten Boden und giebt ihnen Wassers die Fülle. Um eine Veränderung des Klima's zu bewirken, ließen früher manche Blumenliebhaber ihre Tulpen zuweilen zwanzig oder mehr Meilen von dem Orte, wo sie erzogen wurden, kultivieren und nahmen sie später von dort wieder zurück in ihre heimatliche Luft. Diese mühsame und unwissenschaftliche Methode hat schon längst rasch einem geeigneteren Verfahren Platz [gemacht]. Hiernach bringt man die jungen Zwiebeln vermittelst Bodenwärme, Wasser und wiederholtes Versetzen dahin, daß sie im zweiten Jahre blühen und bestimmt ausgesprochene Farben annehmen.

[...Insgesamt widmen sich 4 Seiten den Tulpen]

1913 — Davidis, Henriette: Großes Gartenbuch, Regensburg.

Tulipa Gesneriana. und T. suaveolens - Gartentulpe. Man hat davon eine große Anzahl von Abarten in allen möglichen Schattierungen und Farben, bei denen nur die rein blaue Farbe fehlt. Es ist gut, sie jedes Jahr aufzunehmen und wieder im Herbst zu pflanzen; jedoch schadet es nicht, wenn sie auch einmal ein Jahr stehen bleiben, wobei das Beet nach der Blüte mit anderen Blumenarten besetzt wird.


1922 — Lehmann, A.: Pflanzenkunde Heft 1., Leipzig.*

Abbildung der dazugehörenden Tafel 2
2. Die Gartentulpe. Tafel 2.*)

Die Tulpe ist in den Steppenländern Westasiens heimisch. Erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte sie nach Deutschland und schon einige Jahrzehnte später hatte sie sich über alle europäischen Länder verbreitet. Ganz besonders nahmen sich die blumenliebenden Holländer ihrer Pflege an. Es wurden zahlreiche Sorten, "Spielarten", gezüchtet, die hochgeschätzt und oft teuer bezahlt wurden.
  A. Von der Zwiebel. 1. Die Tulpe wächst aus einer Zwiebel ("Blumenzwiebel") hervor. Durchschneiden wir die Zwiebel, bevor sie "ausgetrieben" hat, der Länge nach (1), so sehen wir ganz unten einen kurzen, plattgedrückten Stamm, die Zwiebelscheibe. Diese setzt sich

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in einen Stengel fort, der einige grünliche Blätter (Laubblätter) und eine Blüte trägt. Weiter finden wir, daß sich auf der Zwiebelscheibe rings um den Stengel noch mehrere Blätter, die sog. Zwiebelschalen, erheben. Sie machen die Hauptmasse der Zwiebel aus. Die äußeren Schalen sind trocken, brüchig und von brauner Färbung, die inneren dagegen saftig, fleischig und farblos. Die Zwiebel enthält schon fast alle oberirdischen Teile der Pflanze, wenn auch noch unentwickelt. Da die Zwiebel vorwiegend aus Blättern besteht, ist sie keine Wurzel, wofür sie gelegentlich gehalten wird, sondern ein kurzer unterirdischer Stamm mit besonders gestalteten Blättern.
  Zur Aufnahme der Nahrung aus dem Boden trägt die Zwiebelscheibe einen Kranz faseriger Wurzeln.
  2. Da - wie wir gesehen haben - die oberirdischen Teile bereits in der Zwiebel ausgebildet sind, ist die Tulpe auch imstande, schon zu Beginn des Frühjahres zu grünen und zu blühen.
  3. Die oberirdischen Teile sind jedoch in der Zwiebel nur klein und unentwickelt. Sie bedürfen daher noch einer Menge Baustoffe, bis sie über den Erdboden hervorgedrungen sind. Diese Stoffe entnehmen sie der Zwiebel. Daß dies wirklich der Fall ist, zeigen die Zwiebeln, die wir in Hyazinthengläsern "treiben": obgleich sie nichts weiter als reines Wasser erhalten, bilden sie doch Blätter, ja sogar Blüten. Die Zwiebel stellt also eine reichgefüllte Vorratskammer dar. Die Vorratsstoffe liegen in den dicken, fleischigen Zwiebelschalen aufgespeichert.
  4. Je mehr den Zwiebelschalen diese Stoffe entzogen werden, desto welker und trockener werden sie: die "alte" Zwiebelstirbt nach und nach ab. Es wird aber für sue ein Ersatz geschaffen: In der Achsel der innersten Zwiebelschale hat sich schon längst eine Knospe gebildet (1, 3, 4, 5E), die fortgesetzt an Größe zunimmt und die Schalen der "alten" Zwiebel immer mehr nach außen drängt. Ist diese "Ersatzzwiebel" endlich vollkommen ausgebildet, dann sind die Schalen der "alten" Zwiebel zu trockenen Häuten verschrumpft. Die Tulpenzwiebel, die wir im Sommer aus dem Boden nehmen, ist also nicht dieselbe, die im Frühjahre Blätter und Blüten getrieben hat, sondern eine Knospe oder ein Nachkomme dieser.
  5. In den Achseln anderer Zwiebelschalen findet man zumeist noch weitere Knospen, die sich gleichzeitig zu Knospen ausbilden (1, 3, 4, 5B). Wenn die Schalen der "alten" Zwiebel endlich verwesen, werden sie frei und führen ein eigenständiges Leben. Diese Zwiebeln bezeichnet man als Brutzwiebeln.
  6.  Ersatzzwiebeln und Brutzwiebeln sind lange Zeit von den verschrumpften braunen Schalen der "alten" Zwiebel umhüllt. Da diese Blätter ungenießbar sind, bewahren sie zugleich jene Zwiebeln vor den Angriffen zahlreicher Bodentiere (Insektenlarven u. a.).
  7. Gegen diese Feinde sind die Zwiebeln auch noch durch einen Giftstoff geschützt, der beim Menschen Erbrechen erregt.
  B. Vom Stengel und den Blättern. 1. Stengel und Blätter, die aus der Zwiebel hervorgehen, müssen nicht selten eine dicke und Erdschicht durchbrechen. Da die Blätter zusammengelegt sind und die fast stechend harte Spitze des größten, äußeren Blattes vorangeht, durchdringt der "Trieb" den Boden ziemlich leicht.
  2. Der Stengel ist rund, saftig und brüchig. Die Blätter sind ungestielt, umfassen den Stengel scheidenartig, stehen schräg aufwärts und haben meist die Gestalt deulticher Rinnen. Daher rollen auch die Regentropfen, von denen sie getroffen werden, nach innen ab (Versuch!) Das Wasser wird also dorthin abgeleitet, wo sich die Wurzeln befinden. Das Abrollen der Tropfen erfolgt umso leichter, als die Blätter mit einer bläulchen Wachsschicht bedeckt sind, die kein Wasser "annimmt". -Die Blattfläche ist von feinen Blattnerven (Blattadern, Blattrippen) durchzogen, die unverzweigt in der Richtung des Blattrandes verlaufen.
  C. Von der Blüte (3 und 6). An der Blüte können wir nicht wie beim Scharbockskraute Kelch und Blütenblätter unterscheiden; es findet sich nur eine einfache Blütenhülle von sehr wechselnder Färbung. Ihre 6 Blätter sind zu 2 Kreisen geordnet. Auch die 6 Staubblätter stehen in 2 Kreisen. Sie umgeben den Stempel, der aus einem dreifächerigen, säulenartigen Fruchtknoten und einer dreilappigen Narbe besteht.
  Die Übertragung des Blütenstaubes auf die Narbe (Bestäubung) wird durch Insekten bewirkt. Die auffallend große senkt die Blicke der Insekten leicht auf sich. Diese speisen von dem Blütenstaub, der in den großen Staubbeuteln so reichlich vorhanden ist, daß die Besucher ohne Schaden für die Pflanze davon entnehmen können. Honig enthält die Blüte nicht.
  Wenn aber auch aus der Blüte keine Frucht hervorgehen sollte, so stirbt die Tulpe doch nicht, ohne "Nachkommen" hinterlassen zu haben; denn die Ersatzzwiebel und die Brutzwieben sorgen dafür, die Pflanze zu erhalten und zu vermehren.
  Im hellen Sonnenscheine, breiten sich die Blätter der Blütenhülle auseinander. Abends schließt sich die Blüte wieder (8). Bei trüben und regnerischem Wetter öffnet sie sich gar nicht. (Bedeutung?)
  D. Von der Frucht. Die Frucht ist einen Kapsel. Sie enthält in jedem der 3 Fruchtfächer 2 Reihen Samen (7) und öffnet sich bei der Reife mit 3 Klappen (9). Da der Stengel jetzt trocken und elastisch geworden ist, vermag der Wind die Samen leicht auszuschütteln (Schleuder!). Die Samen sind flache leichte Scheiben, können also vom Winde verweht werden (Bedeutung?).

* Auf der Tafel 2 ist nicht die Gartentulpe, sondern die wohlriechende Tulpe dargestellt, weil diese sich von allen Tulpenarten am leichtesten im Blumentopfe ziehen läßt. Sie stimmt mit der Gartentulpe in allen wesentlichen Punkten vollkommen überein. - Vgl. den Anhang über Zucht und Pflege der Tulpe.


1930 — Böttner, Johannes [d. J.]: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt/Oder u. Berlin.

Tulpenzwiebeln werden im Oktober 6 Zentimeter tief gepflanzt, kleine Sorten mit 12, mittlere mit 15, große und hohe mit 18 Zentimeter Abstand. Die Tulpenbeete werden vor Frost durch aufgedecktes Reisig von Wacholder oder Fichten geschützt.

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Sind die Blumen abgeblüht, dürfen die Zwiebeln noch nicht gleich herausgenommen werden; die Blütenstengel werden dann abgeschnitten, aber die Blätter müssen bleiben, bis sie von selbst eingehen, dannerst werden die Zwiebeln ausgehoben, scharf getrocknet und trocken aufbewahrt. Nährstoffreicher, aber milder Lehmboden sagt den Tulpen gut zu, außerdem brauchen sie, wenn sie eine Reihe von Jahren kräftig bleiben sollen, viel kurzen Dünger.

Niedrige Sorten mit kleineren Blumen sind die frühen Duc van Tholl-Sorten, die besonders in leuchtend scharlach, gelb, weiß und einigen Zwischenfarben zu haben sind.

Etwas höhere Sorten (30 Zentimeter), auch noch frühblühend, sind: Jost van Vondel, La Reine, Weißer Schwan, welche weiß blühen; Vermillon und Maas, leuchtendrot; La Précieuse, rot und weiß gestreift; Thomas Moore, rosa; Grand duc, rot mit gelbem Rand; Van der Neer, violett. Die genannten Tulpen blühen einfach; schöne gefüllte Sorten sind: La Candeur. weiß; Murillo, leuchtendrosa; Vuurbaak, tieffeuerrot; Veronika, dunkelrot mit gelbem Rand; Prince d#39;Orange, gelbrot (schwachwüchsig). Die Preisverzeichnisse bieten eine große Zahl von Sorten an; man achte auf Blütezeit, Farbe und Höhe bei gemischten Pflanzungen.

Eine besondere Art, welche 50 bis 70 Zentimeter hoch wird und in den letzten Jahren sehr verbessert wurde, sind die "Darwin-Tulpen". Wüchsige schöne Sorten sind: Psyche, rosa; Prinzesse Elisabeth, karminrosa; Königin der Niederlande, tiefrot; Ariadne, feuerrot; Europa, karmin. "Papagei-Tulpen" sind interessant durch Blütenform, streifigbunte Farben; sie blühen später als die niedrigen Sorten. Tulipa Greigii hat große, schwarzrote Blätter und spätblühende, große orangerote Blumen. Tulipa Foersteriana, mit grünen Blättern und großen Blumen, der vorgenannten ähnlich. Auch die Rembrandt-Tulpen mit getuschten Blütenfarben, etwa 35 Zentimeter hoch, sind sehr beachtenswert.


1934 — Sinclair Rohde, Eleanour: Gardens of Delight, London & Boston.*

Tulips are the most colourful of all the late spring-flowering bulbs, the most vivid jewels in the May garden. I am glad that at last we are returning to the custom of planting them as they were planted when first introduced three hundred years ago—in mixed colours.
  Anyone can plant a bed of a hundred, or for that matter a million tulips, if they can afford

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it, all of one colour, but it takes skill and knowledge to plant them so that in their flowering time there is delightful posy, so to speak, of all different colours enhanced by the less showy flowers of the carpeting plants. It is as true now as when Parkinson wrote three centuries ago in his Paradisus: "But above and beyond all others the tulips may be so matched, one colour answering and setting off another, that the place where they stand may resemble a piece of curious needlework."
  I like, too, the modern custom of planting them, especially in small gardens, rather sparcely amongst other spring flowers taller than carpeting plants, but not so tall as the tulips. For instance, in one small house I know the long low windows of the only sitting-room look out on a diminuitive paved court, and on two sides it is bounded by beds on a slight slope, ending in low parapets. The edges are a cascade of aubretias (pink, lavender, purple and pinkish mauve), golden alyssum, arabis candytuft, etc., and beyond are the May-flowering tulips in varied colours, set amidst a soft 6-inch high carpeting of Dicentra formosa, with its feathery leaves and charming pink flowers. In background are hedges of broom (the lovely Moonlight), a perfect finish to a charming spring picture. Incedentally, although Dicentra formosa looks so light and feathery the individual root take a lot of space, also the young growth in spring, and the plants should be a foot apart.
  I saw another unusual and pleasing arrangement in a small front garden—tulips of different colours amidst little clumps of London Pride and Siberian wallflower. It was very gay, and the delicate heads of the London Pride vset off the tulips to perfection, the Siberian wallflowers supplying the touch of yellow which is as essential in a mixed flowerbed as in a piece of needlework. Tulips look curiously effective when planted on a slight slope, but it must be only a very slight slope. In great beds they are naturally gloriously effective though they always need an edging such as forget-me-nots or polyanthus. But I think I like them best of all grown as one so frequently sees them in small gardens, all different colours spaced rather widely in a carpet of aubretias, mossy saxifrages, double daisies, alyssum saxatile and forget-me-nots. Planted thus it is essential to plant those thatt will flower at the same time. Princess Wilhelmina is a beautiful early-flowering pink tulip, but for vivid effect nothing touches the rich cerise of Pride of Haarlem for spacing amongst low-growing spring flowers.
  In one small garden I saw, the entrance was a straight path under a rose pergola leading from the gate to the door, and I do not think there was altogether more than three dozen Pride of Haarlem spaced about 18 inches apart, but the effect was remarkable. On either side of the path was a thick border about a foot wide of that charming-old fashioned carpeting plant Blue-eyed Mary (Omphalodes vernum), smothered with its lovely little blue flowers. and behind were the tulips, grown amidst a mixture aubretias, saxifragas, alyssum, variegated arabis and here and there a few clumps of forget-me-nots to "pick up" the blue of Blue-eyed Mary.
  The early spring tulips and the early double kinds flower during April, and very few of them exceed a foot in height. They are valuable for their early flowering, but otherwise they cannot compare with the May-flowering Parrot, Darwin, old English and Dutch tulips. Amongst the early-flowering single tulips the following are the earliest and look well together : Proserpine (a good pink, globular flowers with white centres), Van der Neer (rich violet, large flowers), Diana (beautiful pure white flowers), Yellow Prince (delicately scented). There is also the popular Kaiserkroon (scarlet flowers edged yellow), but it does not associate well whith the above-named tulips.
  The earliest and most attractive of the double tulips are Couronne d'Or, a good rich yellow, and Boule de Neige, accurately described by its name. The popular Murillo flowers slightly later. Single and double tulips do not get well together at all, and personally I do not care for mixtures of double tulips.
  If early flowering is not the chief consideration the double tulip I should choose would be the lovely Bleu Celeste, the true Blue Flag tulip that does not flower till May. I think it is one of the best. It is a soft bluish mauve—not ‘blue’— and grows nearly 2 feet high.
  If tulips are to flower at the same time the planting cannot be carelessly done. Planted at uneven depths, they naturally flower unevenly. On light soils the early-flowering singles and doubles should be planted in November 5 inches deep and on heavy soils 4 inches deep. The May-flowering tulips should be planted a good 7 inches deep on light soils and 6 inches deep on heavy soils. The tulips that can be most easily naturalised are the old English and Dutch tulips. But other tulips should be lifted when the foliage has faded and stored in a sunny dry place. If possible they should never be planted two years running in the same ground. If it is impossible to avoid this, the site should be limed and as much fresh soil as possible incorporated.
  Scented tulips appeal very strongly to some people, though my own sympathies are with Henry van Oosten, the great Dutch tulip loverof the early eighteenth century, who wrote: "Those that are so mightily for the Smell may supply themselves with Perfumes and the easier be content without this quality in this Queen of Flowers, for this might weaken or lessen her Beauty ond Pleasantness."
  Amongst the early single tulips those with the best scent are the justly popular De Wet, Thomas Mooreimproved (both a rich orange), and amongst the reddish varieties the showy Prince of Austria, which ia a rich terra-cotta. The Darwin tulips are conspicuously lacking in scent, though the gorgeous Pride of Haarlem is slightly fragrant. That grand old Dutch tulip Prince of Orange, which grows well over 2 feet high, with globular flowers, rich chestnut without a yellow within, is very sweetly scented.
  Dom Pedro, another old Dutch tulip, is also sweet-scented, the flowers being the deepest maroon-brown. Gesneriana rosea, G. rosea Stella and G. lutea are all very fragrant, especially the last named. The lovely little Persin tulip T. persica, which is only 3 inches high. is deliciously scented. It is only suitable for the rock garden. Its vivid flowers, yellow within and bronze without, are produced in May. The greenish yellow flowers of T. sylvestris, the wild English tulip, which produces several flowers on its tall single stem, are sweetly scented. T. australis, which is somewhat similar, except that the outside of the petals is bronze, is slightly scented.
  With few exceptions the species are so expensive that most people can afford to grow them in the rock garden or in pans under glass. The gorgeous T. Fosteriana and T. Tubergeniana, both from Bokhara, the charming little T. linifolia and T. polychroma, T. Ingens, T. Batalini and T. Kolpakowskiana cost two or three shillings each bulb. One of the most beautiful species, T. Kaufmanniana, is a far less expensive treasure, and a small cluster of these flowers in bloom in the rock garden is a delight. They flower towards the end of March, and in sunlight open almost flat creamy golden-centered flowers, pinkish on the outside of the petals. They are only about 6 inches high, but the flowers are large.
  One of the loveliest of all species is the "lady tulip," T. Clusiana. This dainty little tulip produces its graceful flowers (cherry-redon the outside and white within) on 8-inch stems. It only succeeds in mild parts and needs a sunny, sheltered spot, light sandy soil, the protection of stones and to be planted quite 8 inches deep. The latest of the species to flower is the striking T. Sprengeri. Its vivid orange-red flowers on 18-inch high stems are produced in early June.
  (Seiten 89- 93)


1942 — Böttner, Johannes [d. J.]: Gartenbuch für Anfänger, Frankfurt/Oder u. Berlin.

Die Tulpe (Tulipa) ist eine der ältesten Zwiebelblumen des Gartens und auch eine der beliebtesten. Wir können uns wohl keinen Frühlingsgarten ohne die vielfarbigen, hohen, niedrigen, formschönen und meist auch duftenden Tulpenblüten vorstellen. Tulpenzwiebeln werden im Oktober gelegt, und zwar etwa 10 cm tief, kleine Sorten mit 13, mittlere mit 15, große und hohe mit 18 cm Abstand. Die Tulpenbeete werden vor der Frostzeit mit Tannen- oder Fichtenreisig abgedeckt. Sind die Blumen abgeblüht, dürfen die Zwiebeln noch nicht gleich herausgenommen werden; die Blütenstengel werden dann abgeschnitten, aber die Blätter müssen bleiben, bis sie von selbst eingehen, dann erst werden die Zwiebeln ausgehoben, getrocknet und aufbewahrt. Das Herausnehmen bedeutet aber immer eine Störung, deshalb sollten wir bei durchlässigem Boden die Zwiebeln besser an Ort und Stelle lassen. Auf alle Fälle brauchen Tulpen, wenn sie eine Reihe von Jahren kräftig bleiben und reich blühen sollen, viel kurzen Dünger. [...]


1954 — Rommel, Alfred, Die Entstehung des klassischen französischen Gartens im Spiegel der Sprache, Berlin.

Die Tulpe dringt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit einer bestimmten Art von der Türkei über den Balkan nach Italien vor. Unabhängig hiervon wird sie von dem kaiserlichen Gesandten Busbeck um die Mitte des Jahrhunderts nach dem Norden eingeführt. Bei ihrem allmählichen Vordringen bringt sie die volle Form des türkischen Ausgangswortes tülbend

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‚Musselintuch‘ mit. Mit i als Gleitlaut, der ursprünglich den palatalen Charakter des l andeutet, erscheint diese in entsprechenden Abwandlungen im Südrussischen, Rumänischen, Dalmatinischen und Italienischen. Italien vermittelt sie weiter an Frankreich, wo sie als tulipan bei Oliver de Serres und in den südlichen Mundarten auftaucht. Die im Schriftfranzösischen wie Deutschen, Englischen usf. sich durchsetzende Kurzform geht von den Tulpenkulturen Hollands, und zwar speziell Mechelns, aus, die der mit Busbeck in Verbindung stehende Botaniker Clusius veranlaßte.


Abbildung des Einbandes mit Schutzumschlag

1954 — Grunert, Christian: Pflanzenportraits, Hamburg.

Tulpen
Tulipa
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Auch die Tulpen stammen aus dem Orient. Von den vielen Blumen dort, die in unseren Breiten heimisch geworden sind, haben sie die größte Verbreitung erlangt. Die Züchter räumen ihnen oft mehr Anbaufläche ein

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als allen anderen kultivierten Blumenzwiebeln [Narzissen, Hyazinthen, Crocus, Iris, Muscari und Lilien] zusammen. Als ihre Urheimat gilt das warme Vorgelände des Kaukasus, von wo aus die Tulpen nach Persien, Turkestan, Kleinasien und auch nordwärts wanderten. Einzelne Arten drangen bis nach Mitteleuropa, andere bis an die Ostgrenzen Chinas vor, oder sie stiegen in den Bergen bis an die Schneegrenzen. Es gibt zahlreiche Arten und daneben märchenhaft viele Sorten. Bereits im zwölften Jahrhundert galten sie bei den türkischen Gärtnern als unentbehrlicher Gartenschmuck.
Nach Europa kamen kamen solch türkische Tulpen im Jahre 1554, durch Vermittlung von Ogier Ghislain de Busbecq, der sich im Stile jener Zeit Busbequius nannte und weiland Kaiserlicher Gesandter am Hofe Sulimans des Großen war. Busbecq kaufte sie zusammen mit andern Knollen, Sämereien, Tieren und Merkwürdigkeiten aller Art für den Prager und Wiener Hof und berichtete in seiner »Legationis Turcicae epistolae« ausführlich darüber. Den Namen der Blumen erklärt er als von ‘tulbend’, der persischen Bezeichnung für die Typische Kopfbedeckung der Muselmanen, also von Turban, wie wir sagen, abgeleitet, dem die Blumen ähnelten. Vielleicht gleichzeitig mit Busbecqs Sendungen oder etwas später gelangten ferner über Venedig nach Augsburg Zwiebeln. Gesner sah sie zum Beispiel dort 1559 im Garten des Patriziers Joh. Heinrich Herwart blühen, und in den Anlagen der Fugger gabe es bald dsanach auch welche. Aus Prag, Wien und Augsburg wiederum erhielten die Niederländer diese neue Blume und begannen sie alsbald zu vermehren. Seit 1585 gibt es in Holland Blumenzwiebelzucht und -handel. In dem leichten, sandigen und zugleich fruchtbaren holländischen Boden mit seinem hohen Grundwasserstand wuchsen die Tulpen vorzüglich. Man zog die Brut auf und säte aus, so dass bald neue Sorten entstanden, deren Zahl weiterhin durch die mannigfaltigen Sports vermehrt wurde, die gerade bei den Tulpen häufig auftreten. Als Sport bezeichnet man plötzliche Veränderungen von Farbe und Blütenform, die nicht auf Erbspaltungen beruhen. Anno 1629, vor der eigentlichen Tulpenmanie, gab es nach Parkinson schon an einhundertfünfzig Züchtungen und daneben zahlreiche Sämlinge, die noch vermehrt werden mußten. Zwischen 1634 und 1640 erreichte diese bekannte Leidenschaft ihren Höhepunkt. Tulpenzucht unde der Besitz besonderer Spielarten galten als das höchste, Wichtigste und das einträglichste Geschäft hienieden. Arm und Reich, Mitglieder aller Gilden und Stände befaßten sich mit Tulpen. Man spekulierte in Tulpen, und über Nacht wechselten um einige Knollen Vermögen ihre Besitzer. Für ausgefallene oder auch bloß neue Farben und Tönungen wurden Unsummen ausgeworfen. Durch den Verkauf eines kleinen Satzes der Sorte ‘Van Eyck’ erzielte so ein bis dahin bettelarmer Handelsmann fast eine Viertelmillion, eine einzige Zwiebel von ‘Semper Augustus’ brachte ihrem Züchter 13000 Gulden, eine von ‘Admiral Enkhuizen’ 6000 und eine von ‘Admiral Luitkens’ runde 5000 Fladen. Für eine Knolle von ‘Vive le Roi’ erhielt ihr Besitzer in natura 2 Lasten Weizen, 4 Lasten Roggen, 4 kräftige Ochsen, 8 Ferkel, 12 Schafe, 2 Oxhoft Wein, 4 Tonnen Achtguldenbier, 2 Tonnen Butter, 1000 Pfund Käse, ein Bündel feine Kleider und einen Goldbecher. 1637 wurden in dem Städtchen Alkmar zugunsten des dortigen Waisenstifts für 120 verschiedene Zwiebeln samt Brut runde 9000 Gulden erzielt, eine einzige Zwiebel der Züchtung ‘Vizekönig’ erbrachte 4203 Gulden. Und dergleichen Preise zahlte man in Zeiten, als ein Bushel Weizen ganze 2 Gulden kostete. Die Züchter versuchten mit allen denkbaren und manchen unsinnigen Mitteln, durch Mast- oder Hungerkultur, durch frühes oder spätes Roden, durch Kältebehandlung und Chemikalien neue Spielarten, vor allem Sports zu erzielen, und neben dem Zwiebel- und Neuheitenhandel blühte der Absatz von Geheimrezepten, um Novitäten zu erlangen.
Das Ungewöhnliche und Erstaunliche dieser Tulpenmanie sind indessen weder die Einzelheiten, so absonderlich auch viele davon anmuten, noch die plötzliche allgemeine Erhitzung und Verwirrung der Gemüter und der Köpfe, dieser Taumel, der jedermann erfaßte - dergleichen hat es vorher und später oft mit Aktien, Claims auf Goldfeldern gegeben-: erstaunlich ist jedoch, daß eine vor kurzem eingeführte, leicht mutierende Blume solche Wirbel hervorrief und damit ins Zentrum des Geschehens einrückte.
Plötzlich aber trat der Lauf der Entwicklung wieder in sein normales Bett zurück. Entsprechend der Größe der Verblendung waren die Folgen dieser Umkehr beträchtlich, insbesondere stockten Anbau und Zucht einige Jahre fast ganz. Doch bereits 1670 blühte die Tulpenkultur wieder, als wäre nichts geschehen. Der Anbau war bald größer als vor dem Zusammenbruch, es wurden auch vereinzelt hohe Preise für gute Neuheiten bezahlt, wenn auch niemals wieder so phantastische wie dreißig Jahre vorher. Die Sortimente wuchsen, neue Rassen tauchten auf. Es würde indessen zu weit führen, diesen zuweilen Krausen Fortgang in seinen Einzelheiten zu schildern, und von einigen kurzen Hinweisen hätte niemand Nutzen. Denn die Würze aller solcher Abläufe, ihr eigentllicher Zauber liegen stets in einer gewissen Vollständigkeit und in ihrer geheimen Logik. Man muß solche Vorgänge in allen Einzelzügen kennen und schildern, in ihren Alltäglichkeiten und in ihren Sonderheiten. Weder summierende Reflexionen noch ein pedantisches, trockenes Aufzählen von Namen, Daten und Fakten vermögen dem, der sie nicht selbst erlebte, die verflossenen Tage zurückzuzaubern, um so kräftiger und sicherer aber angemessene Vergleiche oder etwa die Erwähnung eines Duftes, den wir selbst eingesogen haben.
Aus der Geschichte der Tulpenzucht sei nur, quasi als weiteres Beispiel für die eigentümliche Macht der Tulpe, noch erwähnt, dass zwischen 1730 und 1870, also fast fünf Menschenalter lang, zuerst die Tulpenzucht, späterhin auch die Hyazinthenzucht in der Berliner Pflege Fuß fassten und zu hoher Blüte gelangten. Einige Jahrzehnte war der Blumenzwiebelanbau an der Spree fast so bedeutend wie der niederländische – aber nicht das kärglichste Restchen ist davon übriggeblieben!
Holländische Emigranten und angeworbene Kolonisten hatten die neue Kultur als Möglichkeit mitgebracht und, als sie den Berliner Boden von gleicher Beschaffenheit und Eignung dafür gefunden wie die verlassenen in der Heimat, ungesäumt ihr angestammtes, vertrautes Geschäft wieder aufgenommen. Und da Zucht und Anbau auf für Blumenzwiebeln jungfräulichen Ländereien von eingefuchsten Gärtnern betrieben wurden, erzielte man im Berliner Anbaugebiet alsbald die gleich gute Ware wie in Holland. Von Jahr zu Jahr besetzten Nachkommen der ersten Holländer immer größere Quartiere mit Brut oder jungen Sämlingsknollen, woran sich schließlich auch die einheimischen Gärtner beteiligten. Bereits 1760 verschickten die Berliner Anbauer nach dem niederländischen Vorbild Kataloge über »viele, gar schöne Arten von Bluhmenzwiebeln«, die man gezogen hatte. Man bot sowohl Tulpen als auch Hyazinthen, Crocus und Kaiserkronen an, wovon im Laufe der Jahre die »Tinthchen« sogar weitaus überwogen. 1837 expedierte zum Beispiel der Berliner Gärtner Krause anderthalbe Millionen Hyazinthen, darunter 6000 Stück einer Neuheit ‘Henry le Grand’, welche geschlossen nach Holland gingen. Fünf Jahre später war sein Kollege Moewes der Blumenzwiebelkönig mit einem Versand von zweiundeinerhalben Million Knollen, er bot 357 Hyazinthen- und hundert Tulpensorten an. Die glatte Hälfte aller damaligen Berliner ‘Kunstgärtner’, wie sich die Blumenzüchter zum Unterschied von den Gemüseanbauern, den Krautgärtnern oder Krautern nannten, volle zwei Hundert von insgesamt vierhundert Betrieben befaßten sich zu dieser Zeit mit der Blumenzwiebelkultur. Viele wurden damit wohlhabende Leute, einzelne sogar Millionäre, die sich Pferd und Wagen hielten und als Hüte Zylinder trugen. Anno 1840 veranstalteten die Berliner Blumenzwiebelzüchter in der Fruchtstraße eine so prächtige Schau ihrer speziellen Erzeugnisse, daß der Hof sie mehrmals besichtigen kam. Auch in den folgenden Jahren fanden solche Ausstellungen statt, deren Zuspruch immer größer ausfiel - vor allem freilich, nachdem ein findiger Kopf den Einfall hatte, diese mit Restaurationsbetrieb und Monstrekonzerten zu koppeln, bzw. die Blumenveranstaltungen in ihren Dienst zu stellen. Als Eintrittsgeld forderten die Wirte bis 5 Silbergroschen, was aber niemanden abschreckte, denn an einzelnen Tagen stellten sich - wie es heißt - so zahlreiche Schau- und Vergnügungssüchtige ein, daß die Kassierer nicht einmal Zeit fanden, die vereinnahmten Münzen abzuzählen, sondern diese »körebeweise in die Gute Stuben schütten« mußten. Zur großen Schau von 1841 lud der Besitzer veines Vergnügungslokals mit folgendem Inserat in der Vossischen Zeitung ein: »Montag und Dienstag großes Konzert und wissenschaftliche Vorträge. Eröffnung der Hyazinthen-Ausstellung abends 8 Uhr. Droschken werden vergütet.«
Zum Erliegen kam der Anbau durch die rapide Zunahme der Stadt Berlin. Bodenspekulation und Mietskasernen brachten doch mehr ein als Tulpen und Hyazinthen. Auch sank durch mehrere Wasserwerke der Grundwasserstand immer weiter ab, so daß den Zwiebeln die nötige Feuchtigkeit von unten zu fehlen begann. Und nicht nur jene Berliner Blumenzwiebelfelder sind verschwunden, als hätte es rechts und links der Spreeufer nie welche gegeben, sondern auch die allermeisten Tulpen- und Hyazinthensorten jener Zeit gingen verloren. Das gleiche gilt von den frühen holländischen und allen sonstigen Züchtungen. Man muß sich an die alten Blumenbücher halten, wenn man etwas über ihr Aussehen wissen möchte. Viele Schilderungen enthalten freilich zahlreiche Irrtümer oder einfache Fabeleien. So darf man zum Beispiel den Basler Stadtphysikus Th. Twinger nicht beim Wort nehmen, der in seinem „Theatrum Botanicum“ [erschienen 1699 zu Basel] neben verschieden roten, gelben und weißen auch von schwarzen, braunen, grünen, blauen und sogar von himmelblau blühenden Tulpen berichtet, von denen er allerdings keine selbst gesehen habe. Es gibt und gab gelblich-grüne, mit grünen Flecken und Zonen, so gefärbten Punkten und Streifen versehene, desgleichen dunkelbraune, violettbraune, purpurbraune Tulpenzüchtungen, aber niemals und nirgends reinblaue und himmelblaue. Der Chromosomensatz der Tulpen enthält kein Gen, kein Genfragment für diese Farbe. Wie die Tulpen des neunzehnten Jahrhunderts aussahen, kann man dagegen aus den vielen botanischen Tafelwerken der Zeit leicht ablesen. Die meisten guten Züchtungen dieser Epoche wurden in kunstvollen Kupfern, mit der Hand ausgemalt, festgehalten, wobei die Maler mit höchster Akkuratesse und Farbtreue arbeiteten. Es ist ein Genuß für sich, in solchen Bänden zu blättern. Im ganzen zeigt sich dabei, daß man vor allem bunte, mit Flammen, Federn, Strichmustern und schön geschwungenen Linien verzierte Blüten schätzte, während einfarbige nur wenig galten. Die alten Tulpen ähneln unsern heutigen Breder- und den sogenannen bizarren Tulpen sehr. Je zierlicher und reicher die Zeichnungen, je ungewöhnlicher oder aparter ihre Grundfarben ausfielen, um so höher bewerteten Züchter und Blumenfreunde einen Sämling oder Sport. Man verlor sich freilich immer mehr ins Spielerische und Kleine und wäre mit den Jahren in Erstarrung und Nichtigkeitskrämerei abgesunken, wenn die Zucht sich nicht auf künstliche Befruchtung, auf die Verwendung neu entdeckter Wildarten umgestellt und sich so gewandelt hätte. Tatsächlich hatten die Gärtner bis weit ins neunzehnte Jahrhundert entweder wahllos ausgesät oder auf die Sports gewartet bzw. diese künstlich zu erzeugen sich bemüht. Die meisten Sorten brachten welche, aber auf die Dauer kann niemand damit wirtschaften. Nach einer je nach Sorte kürzeren oder längeren Kulturzeit ‘brechen’ [wie der Fachmann sagt] auf bislang ein- oder mehrfarbigen Blumen anderere Farben ‘durch’: ohne jedes Zutun tauchten auf dunklem Grunde in hellen oder noch dunkleren, auf hellem Grunde in dunklen Tönen die erwähnten Flecken, Zonen, Streifen, Flammen oder Federn auf und änderten sich später weiter ab. Die Neigung, solcherweise zu mutieren, war und ist nicht bei allen Züchtungen gleich stark; manche tun es leicht, andere selten. So spalten die Darwin-Tulpen in der Regel keine Varianten ab, doch gibt es auch bei ihnen Ausnahmen, die in den letzten Jahrensogar häufiger auftreten als bis vor kurzem. Aus den Darwin-Tulpen stammen zum Beispiel die Rembrandt-Tulpen, eine neuere Klasse mit gelblich-weißen oder weißen Mustern und Zeichnungen auf roten, rosa oder violetten Grundfarben. Ein scharfes Auge wird allerdings sofort erkennen, daß sie niedriger bleiben [ungefähr 20 cm], dünnere Stile haben und nicht so stattliche Zwiebeln bilden wie ihre Stammeltern, daß also mit dem Durchbrechen eine Verringerung der Wuchskraft einhergeht, was schon Darwin erwähnt. Eine derartige Schwächung kann man ferner an den Papagei-Tulpen-Neuheiten bemerken, welche entweder aus den Frühen-Einfachen-Sorten oder gleichfalls aus den Darwin-Tulpen entstanden. Sie alle: ‘Blue Parrot’, möglicherweise ein Sport der Darwin-Tulpe ‘William Copeland’, mit zart heliotropfarbenen Blumen; ‘Capriccio’, eine Variante von ‘Fantasy’, feurig lachs mit weißen, dunkelroten und grünen Strichen und Zacken; ‘Eleonora’, aus einer frühen Einfachen stammend, karmoisinfarben blühend mit violetten Lichtern und Streifen; ‘Fantasy’ selbst, eine Mutante der Darwin-Sorte ‘Clara Butt’ mit prächtig rosa getönten, weiß und grün gezeichneten Blumen; ‘Lady Derby’, wie ‘Blue Parrot’ der Sport einer mauvefarbenen Darwin-Züchtung, rauchviolette, mit rosa und dunkleren Strichen gezierte Blüten bringend; ‘Sundew’, aus der Darwin-Tulpe ‘Orion’ stammend, feurig karmin im Flor; und schließlich ‘Thérèse’, eine Variante von ‘Farncombe Sanders’ [ebenfalls eine Darwin-Sorte], glühend rosa mit verschiedenenroten Flammen - sie zählen zwar zu den herrlichsten Neuheiten der letzten Jahre. Denn sie bringen auf viel höheren Stengeln als die alten Papageitulpen [die oft kaum 20 cm hoch werden] märchenhaft bunte, phantastisch geformte, ungewöhnlich große Blüten, wunderbar krause Einfälle der Natur. Aber sie wachsen ebenfalls weniger kräftig als die Elternsorten.
Die erwähnte Schwächung wird schließlich neben der allgemeinen menschlichen Unzulänglichkeit, die [wie bekannt] die mannigfachsten Einbußen und Verluste verschuldet, auch die Hauptursache für den Hinschwund fast aller alten Spielarten sein, von welchen viele Sports waren. Denn allmählich setzen solche weniger Brut an, die wiederum länger kultiviert werden muß, ehe die Zwiebeln die handelsübliche Stärke erreichen. Und zuletzt hört jeder Zuwachs ganz und gar auf.
So willkommen den früheren Züchtern, die nicht zu kreuzen verstanden, das Durchbrechen war, so wenig wußten sie dessen Ursachen. Erst vor rund fünfzehn Jahren gewann man im Verlaufe allgemeiner, umfassender Tulpenstudien, die Sir Daniel Hall als Chef der John-Innes-Horticultural-Institution in Merton [England] in Gang brachte, darüber Klarheit. Von Sir Hall stammt auch das schöne ‘Book of The Tulip’, eine Art Tulpenbibel. Zusammen mit ihm fanden Miss Coyley und McKenny Hughes, daß Viren das Durchbrechen hervorrufen, welche wiederum von Blattläusen breitgeschleppt werden, wozu Hughes noch entdeckte, daß je nach der Virusart der Durchbruch und seine Muster verschieden ausfallen. Im einzelnen fixierte man vier Formen oder Stufen des Durchbruchs, und zwar 1) full break, die kräftigste Veränderung, 2) dunkle Federn auf hellgelbem oder weißem Grunde, 3) self-break, das sind dunkle Muster auf ebensolchen Grundtönen, und 4) clotted break, Klümpchen-Durchbruch, die mildeste Form. Dem Amerikaner F. P. McWorther glückte es sodann, zwei Virenarten zu isolieren, und diese mit Nadeln auf junge Knospen zu übertragen, wonach sich auf den erblühten Blumen teils dunkle Striche, teils helle Zeichnungen einstellten. Das gleiche wiederholte sich in Merton bei der Darwin-Tulpe ‘Bartigon’, die sonst wenig mutiert. Alle so behandelten Versuchspflanzen begannen erwartungsgemäß auch schwächer zu wachsen.
Die Spintisierer unter den Gärtnern, es gibt sie bei uns wie in jedem Berufe, haben aus diesen Funden die verschiedensten Schlüsse gezogen. Es läßt sich ja über alles unter der Sonne, die nach dem Worte des Psalmisten über Gerechte und Ungerechte gleichermaßen scheint, philosophieren. Man hat das Durchbrechen als Alters- und Abbauerscheinungen bezeichnet. Es ließe sich - wie jemand bemerkte - daraus schließen, daß die Natur zuweilen keinerlei Maß achtet und dabei sich selbst gefährdet. Ferner: daß dem Ungewöhnlichen, der Steigerung, der hohen Ausnahme Schäden gegenüberstehen [offensichtliche und wohl auch geheime, je nachdem], daß, mit anderen Worten, Schönes durch Verzichte erkauft werden muß. Man könnte wohl auch von Entartung sprechen und deren Folgen; man könnte auch von Übermut sprechen, von dem bekanntlich das Sprichwort meint, er tue selten gut. Man könnte über das Wesen und den Charakter der Ursachen nachsinnen, über die mannigfachen Arten derselben...über die handgreiflichen, offen zutage liegenden, einfachen Ursachen und über die sonderbaren, undurchsichtigen, geheimen, die nie ans Tageslicht kommen. Desgleichen ließe sich über die Folgen als solche nachdenken. Folglich können - wie jedermann allzugut wissen wird - ganz verschieden ausfallen, und oft genug entziehen sie sich jeglicher Voraussage. Es gibt Folgen, die wir berechnen können, und es wäre zu prüfen, warum, und warum andere nicht.. Es wäre zu ergründen, welcher Art letzten Endes die berechenbaren und welcher die unberechenbaren seien.
Man braucht aber vielleicht gar nicht so weit umherzuschweifen, um das Rätsel des Durchbrechens bei den Tulpen und alle anderen Tulpengeheimnisse zu lösen und zu entschleiern. Man betrachte diese Pflanzen einfach bei guter Stunde, mit Ernst, Liebe und vollkommenster Aufmerksamkeit — und alsbald werden sich sämtliche Fragen wie von selbst beantworten. Alles, was uns an den Tulpen verblüffte, was uns entzückte oder narrte, was uns unerklärlich oder selbstverständlich erschien, das sind Wesenszüge dieser Blumen. Die Tulpen können in Wahrheit gar nicht anders als tulpenhaft sein! Die Tulpen sind Liliengewächse und gehören somit einer Pflanzenfamilie an, die nur wenig ihresgleichen hat. Es gehören die Kaplilien, die Lauche, die Aloe, die Asphodelos und die Inkalilien, die Spargelarten, die Aspidistra, Dracaenen und ihre Luxusausgabe, die Cordylinen, das seltene Dasylirion, Eremurus und die Zahnlilien zu ihren engen Verwandten. Desgleichen sind die Kaiserkronen, die sukkulenten Hawothien, die Taglilien, Funkien, Hyazinthen und die Fackellilien oder Kniphofien, die herrlichen Lapagerien des Gewächshauses, die Lilien selbst, die Traubenhyazinthen oder Träubel, die Milchsterne, das Salomonsiegel [auch Gretchen unterm Busch genannt], die Scilla, die Waldlilien Amerikas, die Veltheimien, der Germer und die Yucca - ihre Vettern. Weitläufig sind sie sogar mit den Amaryllisgewächsen und den Iridaceen verschwägert. und alle bstaunen wir als Meisterstück der Natur, mögen sie niedrig bleiben und bald wieder vergehen oder mannshoch aufschießen und ein sagenhaftes Alter erreichen wie der berühmte tausendjährige Drachenbaum auf Teneriffa, den Humboldt schildert.
Viele Lilaceen wachsen in steppenhaften Strichen wild, in Strichen mit einem überschäumenden, blendend bunten Frühling, der jedoch rasch vergeht und dem vielfach ein langer, oft ein glühend heißer, trockener Sommer folgt, dessen Dürre alles Pflanzenleben zu versengen scheint. Doch immer wieder tauchen im nächsten Frühjahr aus ihren Knollen, Zwiebeln und Rhizomen all die farbenfrohen Blumen auf, die jeden Wanderer entzücken, gleich ungestüm, ebenso bunt und üppig wie je zuvor, und die Tulpe ist ein würdiger Genosse all dieser Blumen. Auch sie kommt in steppenhaften Strichen wild vor, sie beeilt sich im Frühjahr und blüht rasch auf, dann verdorrt ihr Laubwerk und sie zieht sich in die Zwiebel zurück. Wie lange die Tulpen dieses glühende, schwierige Leben schon führen, weiß niemand; sie führen es ohne Zweifel schon länger, als man sich vorstellen kann, und doch haben sie dabei keinen Schaden erlitten, sind sie nicht allmählich ermattet. Seit Jahrmillionen vielleicht schon gehören sie zum eisernen Bestand dieser unsrer Erde - braucht man da wirklich zu fürchten, daß sie nun anfangen zu degenerieren? Einzelne Formen mögen dahinsiechen [wie ihr Laub vertrocknet, wenn der Frühlingsregen aufhört, aber als Gattung sind sie so unsterblich wie irgendeine andere urtümliche Erscheinung hienieden. Man darf die Episoden nicht zu ernst nehmen, sondern muß sich an die Tendenz halten. An die Stelle der verschwundenen Sorten sind neue getreten.
Schon der Name Tulpe spiegelt die ungestüme Triebkraft, den eigentümlichen Elan dieser Blumen wider. Jede Silbe des Wortes Tulpe beginnt mit einem starken Mitlaut, der die Lippen wie ein Pfeil verläßt. Die Silben selbst werden kurz und forsch ausgesprochen und enthalten jede nur einen Vokal. Und zwar die erste das U, den Laut der Tiefen, der ursprünglichen Kräfte, der Urverhältnisse, während der Vokal der zweiten, das E, nur eine färbende Rolle spielt, sozusagen das vorangehende P instrumentalisiert. Ein Ding, das Tulpe heißt, vergeht nicht gleich einer flüchtigen, seltenen Laune. Solch ein Wesen ist ein Urphänomen.

Von vielen anderen Blumenzwiebeln unterscheiden sich die Tulpenzwiebeln dadurch, daß ihre Knollen nicht bestehen bleiben und im kommenden Frühjahr erneut austreiben, sondern sie sterben nach dem Flor ab. Allerdings haben sie vorher aus der Basis der alten eine größere neue, blühfähige Zwiebel und je nach Sorte drei bis vier kleinere getrieben. Die neue Knolle und die Brut, wie der Gärtner die Nebenzwiebeln nennnt, werden im August angesetzt und wachsen zunächst nur langsam voran, erst im nächsten Frühjahr beginnen sie stärker zu schwellen. Am meisten nehmen sie während der Blütezeit der Mutterzwiebel zu. Je nach der Güte des Bodens und der Wüchsigkeit der Sorte fallen sie stärker oder schwächer aus. Wenn das Laub der alten Knollen vollkommen abgestorben ist, beginnen die Züchter, den ganzen Bestand zu roden, was man auch im eignen Garten tun darf, falls man die Knollen nach Vorschrift aufzubewahren vermag. Den genauen Zeitpunkt des Rodens bestimmt das Wetter: in trockenen, warmen Frühsommern kann der Anbauer etwa Mitte Juni damit beginnen, in feuchten Jahren eben später. Die aufgenommenen Zwiebeln sollen weder zu zu kühl noch zu warm lagern, denn die Temperatur in den Aufbewahrungsräumen hat großen Einfluß auf das Austreiben im nächsten Frühjahr. Die frühe Treibware für die Gärtner verlangt sogar verschiedene Wärmegrade. Im allgemeinen hält man sie zuerst eine Woche lang bei 20° Wärme, dann bis zum Pflanzen im September bei 9°C und stellt sie schließlich nach dem Eintopfen bei leichter Erddecke im Freien auf. Die Forscher nehmen an, daß die niedrigen Temperaturen die in den Zwiebeln ruhenden Reservestoffe in Bewegung bringen. Erzielt werden die verhältnismäßig geringen Grade dadurch, daß der Züchter die Zwiebeln in mit Heizröhren versehene Räume schafft, doch statt erwärmten Wassers kaltes durch die Röhren schickt. Das Kühlen gestattet das besonders zeitige Abtreiben der Zwiebeln, aber nicht jede frühe Sorte reagiert darauf in gleicher Weise. Einzelne Sorten verlangen eine Sonderbehandlung. So blüht die Darwin-Tulpe ‘William Copeland’, eine der sichersten und besten Marktgärtnerzüchtungen, bereits zu Weihnachten [das heißt fast vier Wochen früher als die meisten Darwin-Treibsorten], wenn der Züchter sie am 25. Juni aus der Erde nehmen konnte, sie dann bis zum 22. Juli, also volle vier Wochen, bei 20° lagerte, sie weiterhin bis zum Eintopfen bei 9° hielt und die Blumen ziemlich hell stehend abgetrieben wurden. Andere Züchtungen dagegen brächten, so behandelt und so früh aufgestellt, zu lange und zu dünne Stiele, dazu auch kleinere Blumen; oft trocknen diese sogar ein, oder die ganzen Pflanzen fallen um.
Es gibt niedrig bleibende, früh blühende und hochwachsende, spät in Flor kommende, einfache und gefüllte Sorten, einfarbig und bunt blühende. Sie bringen weiße, verschieden gelb, rot oder rosa gefärbte, violette, braune, stellenweise ins Pfauenblau spielende Blüten mit weißen, gelben, schwarzen und blauschwarzen Grundflecken im Innern oder ganz ohne solche. Die Zahl der Züchtungen nimmt immer noch zu; manche Neuheiten vermehren den Farbenreichtum, andere wachsen kräftiger und blühen früher oder später. Zugleich verschwinden zahlreiche Sorten wieder aus den Beständen. In den Katalogen der Züchter und Händler findet der Kauflustige siec stets in Klassen aufgeteilt. Solche Klassen sind:
1. Die Frühen Einfachen Tulpen, worunter man kurz bleibende, im Freien als erste, einfach blühende Züchtungen versteht. [...]
2. Die Frühen Gefüllten Tulpen. [...]
3. Mendel-Tulpen. [...]
4. Triumpf-Tulpen. [...]
5. Lilienblütige Tulpen. [...]
6. Papagei-Tulpen. [...]
7. Darwin-Tulpen. [...]
8. Rembrandt-Tulpen [...]
9. Breeder-Tulpen. [...]
10. Die Späten Einfachen oder Cottage-Tulpen, wie die Engländer sie nennen, blühen am Ende der Tulpenzeit meist reinfarbig, auf hohen, strammen Stielen sitzend, mit großen, vielfach eirunden Blumen. Sie sind für den Garten und zum Schnitt gleich wertvoll. Das Sortiment enthält alle Farben außer den stumpfen der Breeder und Rembrandt-Tulpen. Besonders zu rühmen sind die gelbblühenden Sorten dieser Klasse, wie ‘Mongolica’ und ‘Mrs. John Scheeper’[beide von Tubergen gezogen], die so lebhaft gelb leuchten, wie man sich nur wünschen kann. Sie besitzen »jene heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft«, welche Goethe seiner Farbenlehre als das schönste Charakteristikum dieser Farbe anführt. Desgleichen entstanden einzelne besonders lebhaft rot blühende Cottage-Tulpen. Solche farbliche Steigerungen sind z. B. ‘Advance’ [ebenfalls von Tubergen durch Kreuzung von Tulipa Gesneriana spathulata undTulipa Greigii gezüchtet], ‘G. W. Leak’ und ‘Mayflower’, welche feurig wie Gartenmohn gefärbt sind. Neben den aufgeführten findet man in den Katalogen weiterhin Abkömmlinge und Varianten der Darwin-, der Cottage und anderer Klassen angeboten, die noch größere Blüten, neue Farben, stärkere Stiele bringen sollen als die Eltern. Solche Rassen sind die Ideal-Darwin-Tulpen, die etwas früher blühenden Grullemansi-Tulpen, die Chamäleon-Tulpen, welche im Verlauf des Flors ihre Farben ändern [etwa cremefarben auf- und rosa abblühend], die Chinesischen Laternen-Tulpen mit zarten Pastelltönen, die das Sonnenlicht durchscheinen lassen, und schließlich die Mehrblühtigen Tulpen, das heißt Sorten, die mehrere Blumen je Stil tragen. Der Wert all dieser Neuheiten muß sich allerdings erst noch erweisen.
Und schließlich findet der Blumenfreund in den Katalogen noch zahlreiche Wild- oder Botanische Tulpen angeboten, also Tulpen der Wildnis. Sie gleichen den vollblütigen, kühnen Frauen der frei umherschweifenden, fern aller modernen Zivilisation lebenden Völker oder Stämme, die in Einöden und Wüsten hausen und wandern. Sie stellen unter den Tulpen die Schönheiten dar, die von selbst aufwachsen und gedeihen, die keines Schmuckes, keiner kosmetischen Künste bedürfen — welche man erblickt und nie wieder vergißt.
Es gibt unter den Wild-Tulpen wie bei unsern Zuchtformen früh- und spätblühende Arten, groß- und kleinblumige, einfarbige und bunte. Es gibt leicht wachsende Spezies, die sich rasch und ohne Schwierigkeiten vermehren lassen und oft Hundert weniger kosten als die üblichen Gartensorten, während andere selten und teuer bleiben und langsam vorankommen. Manche füllen jahrzehntelang ihren Platz, andere gehen früher oder später ein, so daß man sie von Zeit zu Zeit nachstecken muß. Viele bringen nicht die bekannten eirunden oder bauchig-becherförmigen, vollen Blumen unserer Tulpenzucht, sondern flache, sich weit ausbreitende, ganz dem Licht geöffnete Sterne mit langen, spitzen oder kürzeren, stumpfen Zacken; andere wiederum treiben bis fast handlange, schmale Kelche. Jede einzelne der zahlreichen Wildtulpenarten hat ihre besonderen Reize, ihren eigenen Charakter. Man könnte leicht ein eigenes Buch füllen, wenn man sie genau schildern wollte. Es zeigt sich immer wieder, daß die Spezies ihrem Zwang der Jahreszeiten, den Umständen des Standortes unterliegen und doch zugleich spielen. Denn so unerbittlich die Witterung den Tulpen das Entfalten und Vergehen vorschreibt, so wenig bestimmt diese die Größe, die bunte Zeichnung der Blüten, die Art des Flors.
Wie bei den Zuchttulpen ist die Auswahl groß, so daß hier genau so wenig alle beschrieben werden können wie dort. Ich erwähne jetzt nur Arten, die ich selbst da und dort sah und beobachtete oder zum eigenen Vergnügen pflanzte, wobei ich sicher manche prächtige Spezies versäumte oder übersah. Eine der prächtigsten Wildtulpen ist die Tulipa kaufmanniana, auch Nymphaeen-Tukpe genannt. Sie stammt aus Turkestan und wird gegen 20 bis 26 cm hoch. Die Art blüht als erste im Freien, noch vor den ‘Duc-van Toll’-Sorten, mit bis 10 cm breiten, sternförmigen, sich weit öffnenden Blumen, welche den Blüten der Seerosen ähneln. Schon in der Wildnis gibt es verschieden gelb - teils blaß, teils lebhaft gelb - und rot blühende Formen, dazu kommen in der Kultur entstandene zweifarbige Blendlinge mit teils roten, teils gelben Strichen oder Zonen und Flecken sowohl an den Außenseiten als auch im Innern. Die Staubgefäße sind oft schwarz gefärbt, als seien sie aus Ebenholz gefertigt. Die Art hält lange an ihrem Platze aus, vor allem in guten Böden, darf jedoch nicht zu naß stehen, was überhaupt keinem Zwiebelgewächs bekommt. Und keine Blume glüht gegen Ende März so lebhaft getönt wie diese Tulpenart. Man setze sie in größeren Horsten, wenn möglich farbenrein, stecke sie jedoch niemals in den blanken Rasen, sondern zwischen niedrige, flachwurzelnde Stauden wie Immergrün, Katzenminze, Paronichia oder Sedum siwboldi, die man lange ungestört läßt und durch Kopfdüngung immer wieder auffrischt. Blühend wirken sie da wie eine Schar Freundinnen, die zusammenkamen, um zu schwatzen, zu tuscheln und dabei feurige Blicke um sich zu werfen. Tulipa eichleri, Tulipa Greigii und kuschkensis dagegen gehören zu den Eremiten unter den Tulpen. Sie treten nirgends in Massen auf und wachsen langsam. Alle drei werden ungefähr kniehoch und blühen kurz nach den Tulipa kaufmanniana, also in der ersten Aprilhälfte. Sie bringen schlanke, ziemlich große, typische Tulpenblüten, teils mit auswärts gerollten oder gebogenen Spitzen, und sind seltsam glühend rot bunt, außen oft etwas grau schimmernd, als würde ihre Glut dort allmählich erkalten. Man lege sie zu dreien bis fünfen in sandig-lehmige Böden an warme Plätze, am besten vor Koniferen oder andere immergrüne Gehölze, vor deren dunklem Laub ihre Glutblumen wie stille Flammen lodern. Leider gehören sie zu den Arten die mit der Zeit wegbleiben. Das muß man auch von der Tulipa fosteriana gegenwärtigen, die aus Buchara stammen und schon lange bekannt sind. Sie bringen auf bis zu 25 cm hohen, steifen Stielen ungefähr 12 bis 15 cm lange, verhältnismäßig schmale Blüten von so lebendigem, reinstem Zinnober wie keine Tulpen sonst. Es gibt überhaupt nur wenige Blumen, die gleich feurig rot leuchten; man kann ihre Farbe nur bei einzelnen Geranien-, verschiedenen Canna-Sorten und einigen Papaver orientale wiederfinden. Früher gehörten Tulipa fosteriana zu den großen Seltenheiten, und mancher Blumenfreund mußte Jahre warten, ehe er eine Zwiebel erhielt; heute jedoch haben die Anzuchten solche Ausdehnung angenommen, daß die Züchter jede Nachfrage befriedigen können. Auch die Preise sind von einigen Mark je Knolle auf wenige Groschen gesunken. Es gibt sogar bereits Sorten von Tulipa fosteriana, die teils noch größere Blumen als die Stammform bringen oder die Farbe und die Blütezeit variieren. So blüht ‘Defiance’ besonders spät, ‘princeps’ wird nur 10 bis 15 cm hoch, sitzt also fast auf dem Boden auf, und die Züchtung ‘Red Emperor’ [bei Tubergen gefallen] bringt riesige Blumen auf oft 30 cm hohen Stielen, welche aber die roten Flammen sicher tragen. Man setze sie sonnig und geschützt, in Horsten von vier bis acht; wenn es sich einrichten läßt, umstecke man ihre Bestände mit einigen Stützen, auf die man Glasscheiben auflegen kann, wenn es derb regnet, damit die Blumen nicht darunter leiden.
Schließlich sei noch der Zierlichen Damentulpe, der Tulipa clusiana, und ihrer Abarten gedacht. Sie treiben kleinere, graziöse Blüten. Bei Tulipa clusiana sind sie innen zartrosa und außen stumpf karmin mit scharf abgesetzten weißen Rändern. Tulipa stellata dagegen ist außen lebhaft rot und innen fast weiß, aber mit kräftigen schwarzen Grundflecken, und Tulipa linifolia treibt tief karminfarbene offene Becher, die über dem zierlichen, grasförmigen Laube wie bunte Ballons hin und her schwanken. Man pflanze sie ebenfalls in Massen, in den Steingarten, vor Sträucher oder überall hin, wo sonst noch ein Plätzchen frei bleibt.

Über die Pflege und allgemeine Behandlung der Tulpen bedarf es nur weniger Worte, so bekannt sind sie. Man stecke die Zwiebeln im Herbst , und zwar stets so früh wie möglich. Je besser der Boden, um so länger halten sie an ihrem Platze aus, ohne im Flor allzusehr nachzulassen. Man mische deshalb unter das gewachsene Erdreich reichlich allerbesten mit Kuhdung versetzten Kompost, vor allem in die tiefern Schichten unterhalb des Zwiebelbodens. Die Knollen selbst geraten und bewurzeln sich am besten, wenn man sie mit einer dünnen Lage Sand unterfüttert. [...]
(Seiten 63 - 83)


Buch mit Schutzumschlag

1955 — Schubert, Margot: Im Garten zu Hause, München.

Tulipa, Tulpe (Liliengewächs)
Höhe 20-80 cm; Pflanzzeit September/Dezember; Blütezeit April/Mai; Blütenfarben: alle außer blau.

Hier möchte man sagen: "Wer kennt die Völker, zählt die Namen" ... denn Tulipa Gesneriana, die Gartentulpe, erscheint alle Jahre in neuen Farben und Formen, die das Extrem der Höhe und Riesenblütigkeit nach

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der einen, und das Extrem der Kleinheit und Vielblütigkeit nach der anderen Seite mit aller Publikumswirksamkeit vertreten. Die normale Pflanztiefe ist 10-15 cm, der Abstand von einer Tulpe zur anderen 15-20 cm. Was den Umgang mit Tulpenzwiebeln anbelangt, so sind die Meinungen - wie schon erwähnt - verschieden. Manche guten Gartenkenner schwören darauf, dass sie ihre Tulpenzwiebeln mit bestem Erfolg jahrelang im Boden lassen, andere nicht minder gewiegte Fachleute bleiben dabei, sie allsommerlich herauszunehmen, gebündelt zu trocknen, nach dem Abstreifen des Laubes fein nach der Größe zu sortieren und nur die schönsten, regelmäßigsten, größten Zwiebeln schon im August/September 18-20 cm tief neu zu legen. Für dekorative Einzelpflanzung auf Rabatten, auch als Frühlingsflor vor Rosen wird sich diese Methode des alljährlichen Wechsels unbedingt empfehlen, zumal wenn man die kleineren Tulpenzwiebeln jeweils auf einem abseitigen Zuchtbeet bis zur richtige Größe und Blühfähigkeit weitertreiben kann.

Wo Tulpen "ungezähmt" in Naturgartenpartien wachsen dürfen, können - ja sollen sie ruhig an ihrem Platz bleiben. Nur so entwickeln sie sich nämlich zu jenen schönen, starken Büschen, wie man sie vor allem bei den niedrigen Wildtulpen liebt. […]

Nebenbei: einfache, nicht zu hohe Tulpen sind im Garten langstielige Exemplare, die leicht vom Wind zerzaust und durch die Schwere ihrer Blütenköpfe vom Regen geknickt werden. Im übrigen bieten die Tulpen zahllose Möglichkeiten gartenkünstlerischer Behandlung und farblich überzeugender Eingliederung in andere Pflanzengemeinschaften. Allerdings sollten sie in diesem Falle nie einzeln, sondern immer in Trupps zu mindestens einem Dutzend eingefügt werden, was ihrer Eigenart die schönste Bildwirkung sichert. [...]


1959 — Krüss, James (Hrsg): So viele Tage wie das Jahr hat.

Die Tulpe

Dunkel
War alles und Nacht
In der Erde tief
Die Zwiebel schlief,
Die braune

Was ist das für ein Gemunkel,
Was ist das für ein Geraune,
Dachte die Zwiebel,
Plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
Und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
Und um sich geblickt
Mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat der Frühling Ihr entgegengelacht.

(von Joseph Guggemoos).

1961 — Garms, Harry: Lebendige Welt, Braunschweig u.a..*

Abbbildung aus Garms, Lebendige Welt
 
Der Garten im Frühling
1. Die Gartentulpe ist eine schöne Frühlingspflanze (Abb. 12)
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  1. Stelle fest, welche Form- und Farbsorten der Tulpe in den Ziergärten vorkommen!
  2. Was hat die Tulpe mit anderen Frühblühern gemeinsam?
  3. Die Tulpe stammt aus den Steppen Mitteleuropas und Südrußlands. Hier herrscht im Sommer überaus trockenes, im Winter sehr kaltes Wetter. Kannst du sagen, wie die Tulpe diesen Lebensbedingungen angepaßt ist?
  4. Schneide den Fruchtknoten quer durch! Zeichne, was du siehst! Untersuche ebenso die Staubblätter!
  5. Schneide eine Tulpenzwiebel (oder eine Küchenzwiebel) der Länge nach auf und zeichne, was du beobachtest (Abb. 11)

Die Blüte der Tulpe ist sehr groß und hat die Form einer Glocke. Sie besteht aus sechs Blumenblättern, sechs Staubblättern und drei Fruchtblättern. Letztere sind zu einer kleinen Säule, dem Fruchtboden, verwachsen. Jedes Staubblatt trägt auf einem Staubfaden einen großen Staubbeutel (Abb. 10a und b). Er beherbergt sehr viele winzige, gelbe Körnchen, die Pollenkörner oder den Blütenstaub.

Der große dreikantige Fruchtknoten (Abb. 10c und d) trägt auf seiner Spitze drei lappige Narben. Den Fruchtknoten zusammen mit den Narben nennt man den Stempel. Im Innern des Fruchtknotens liegen drei Fruchtfächer, in denen je zwei Reihen kleiner Körnchen, die Samenanlagen, sitzen. Bienen, Fliegen und andere Insekten besuchen die Tulpenblüte. Sie naschen von dem reichlich vorhandenen Blütenstaub. Dabei tragen die Tiere
Abbbildung aus Garms, Lebendige Weltauch viele Pollenkörner auf die Narben benachbarter Blüten. Eine Übertragung von Pollenkörnern auf die Narben bezeichnet man als Bestäubung. Ohne diese Bestäubung entstehen aus den Samenanlagen keine Samen.


Petersen, Das gelbe Gartenbuch

1965 — Petersen, Elly: Das gelbe Gartenbuch, München.

Tulpe (Tulipa)
Es wankt das Tulpenbeet, von eigenem Glanze trunken!

In Holland, wo der leichte Sandboden und die Nähe des Meeres das altbekannte Tulpenparadies schufen, kann man vieles von den Züchtern lernen. Die wichtigsten Punkte sind: niemals eine Tulpe in Samen gehen lassen, sondern den Blütenkopf sogleich nach den Tagen der Hochblüte abbrechen. Dies kräftigt die Zwiebel. Zweitens: beim Legen der Tulpenzwiebeln die Stelle im Garten wechseln. Der Boden wird

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tulpenmüde. Nach etwa drei Jahren - er hat inzwischen andere Pflanzen getragen und ernährt - ist er wieder aufnahmefähig für Tulpen. Das muss man wissen. Und erlebt man die Beglückung im Frühling einmal in Holland die Tulpenfelder zu sehen - es ist wirklich ein großes Erlebnis - so versäume man nicht, ein paar der Züchter in ihren anspruchslos wirkenden Glashäusern zu besuchen. Sie zeigen gerne ihre besonbderen Seltenheiten, auf die sie stolz sind, wie auf ein Kunstwerk. Es sind auch wahre Herrlichkeiten, die man zu sehen bekommt. Von der riesenhaften Tulpenglocke auf kurzem hellgrünem dicken Stiel, zur Zwergtulpe, von ihr wieder zur Darwintulpe auf meterhohem Stengel in ganz ungewöhnlichen Farben. Was sah ich dort für farbige Züchtungen aus den gewöhnlichen Papageientulpen!
Man soll die Zwiebeln früh im Herbst legen, damit sie bei Eintritt von Frost bereits genügend tief bewurzelt sind. der Boden muß eine Zeitlang vorher umgegraben sein mit Kompostzusatz und er muß sich gesetzt haben, man soll nicht Tulpen in frisch umgegrabenen Boden legen. Um Farbflecke zu erzeugen, nimmt man die gleiche Sorte, die gleiche Farbe und legt 5-20 Stück in Trupps. - Sollen sie herausgenommen werden und zum Herbst für neues Leben bewahrt, muß man sie in Torfmull oder Sand aufbewahren, sonst welkt die Zwiebel.
Viele Gartenfreunde haben sich die Tulpe als Lieblingsblume erwählt, wa hat sie auch für mannigfaltige Formen und Farben! Welch ein langer Weg führt von den frühblühenden kleinen Wildtulpen, die wir in den Steingarten setzen, von den niedrigen Duc van Tol-Tulpen zu den Darwin- und Mendeltulpen, zu den Papageientulpen, zu den gefüllten, deren Schönheit man erst ahnt, wenn sie sich in der Wärme wie eine Päonie öffnen. [...]


1966 — Eipeldauer, Anton: du und dein garten, Berlin-Frankfurt a. M.-Wien.

Tulipa, die Tulpe. Familie der Liliengewächse.
Auch die Tulpen können jahrelang an Ort und Stelle bleiben und blühe immer wieder. Dem Blumenfreund geht es aber mit den Tulpen genauso wie mit den Hyazinthen. Die Zwiebeln können ihm im Weg sein, wenn er das Beet umgraben und für die Sommerblumen, die den Tulpen im Blühen folgen sollen, den Boden vorbereiten will. Die Tulpenzwiebeln werden 12

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Zentimeter tief in die Erde gelegt. Nach der Blüte darf der Boden nur oberflächlich gelockert werden, wenn man Sommerblumen nachpflanzen will, es sei denn, man nimmt die Tulpenzwiebeln aus dem Boden und hebt sie bis zum Herbst trocken auf, um sie dann neuerlich zu pflanzen.
Die Samenhändler bieten verschiedene Arten von Tulpen, die scich in der Blütenform unterscheiden, an: einfache und gefüllte Tulpen, früh- und spätblühende Sorten; Mendel-Tulpen; Breeder-Tulpen; Triumpf-Tulpen; Darwin-Tulpen; Lilienblütige Tulpen; Papagei-Tulpen; Rembrandt-Tulpen, Botan. Tulpen (Wildtulpen). Man soll früh- und spätblühende Tulpen wählen, um sich recht lange an der Tulpenblüte erfreuen zu können. Die Pflanzzeit ist, wie bei den Hyazinthen und Narzissen, im Frühherbst. Je früher man pflanzen kann, desto besser. Der Boden ist tiefgründig umzugraben und feinkrümelig zu machen. Dann legt man die Zwiebeln auf eine Entfernung von 15 Zentimeter aus und drückt sie 12 Zentimeter tief in die lockere Erde. Würde man die Löcher mit dem Pflanzholz vorstechen, so bestünde die Gefahr, daß unter den Zwiebeln Hohlräume bleiben, die die Wurzelbildung beeinträchtigen.
Hat man die Tulpenzwiebeln nach der Blüte im Boden gelassen, so kann es sein, daß manche im nächsten Jahr nur Blätter entwickeln, ohne zu blühen. Diese Zwiebeln, die aus irgendeinem Grunde nicht zur Entwicklung kamen, können aber ein Jahr später blühen. Die Tulpen bringen Tochterzwiebeln, die genügend gekräftigt sein müssen, um blühen zu können. Die Vermehrung der Tulpen geschieht durch diese Tochterzwiebeln. Sind sie klein, so setzt man sie auf ein Beet mit gutem Boden.


1967 — Böttner, Johannes [d.J.]: Gartenbuch für Anfänger und Fortgeschrittene, Hannover.

Ansicht des aufgeschlagenen Buches

Tulpen

über Tulpen zu sprechen, heißt bei manchem Gartenfreund, Eulen nach Athen zu tragen. Trotzdem muß darüber gesprochen werden, denn ohne Tulpen wird der Frühling im Garten nur unvollkommen einziehen und zudem ist das Thema "Tulpe" so unendlich mannigfach zu variieren, dass auch für den Kenner immer Neues entsteht.

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Nicht die Frage der Sorten ist entscheidend, da in jeder Gruppe oder Rasse praktisch alle Farben der Skala rot-gelb-weiß vorkommen, sondern das Spiel mit den einzelnen Gruppen, um zu immerblühendem, leuchtendem Frühling zu kommen.
Eines sei zum Verständnis für die Behandlung vorausgeschickt: die Tulpe ist eine ausgesprochene Steppenblume. Wenn in ihrer kleinasiatischen Heimat die Regenzeit von sengenden Sonnenstrahlen abgelöst wird, vergeht das Laub. Tief verborgen im kühlen Schoß der Erde verharrt die Zwiebel in einer scheinbaren Ruhezeit. Sie ist nur scheinbar, denn in dieser Zeit bildet sich im Inneren die neue Blüte. In unseren Breiten geschieht das im Juli-August. Kommt der Herbst und Winter mit seiner Feuchtigkeit, so treibt die Zwiebel zunächst neue Wurzeln. Dann schiebt sich der Sproß vorsichtig bis dicht unter die Erdoberfläche und wartet, bis der Boden die - für jede Tulpenart verschiedene - richtige Temperatur erreicht hat, um raketengleich hochzuschießen und in kürzester Zeit zu blühen und zu fruchten. Diese Leistung wird ganz aus eigener Kraft, aus den in den Zwiebelschalen gespeicherten Energien geschafft. Die Mutterzwiebel verzehrt sich dabei zu einem schäbigen, schrumpeligen Rest. Gleichzeitig arbeiten jedoch Wurzeln und Blätter auf vollen Touren, um aus Licht, Luft, Wasser und Nährstoffen neue Zwiebeln entstehen zu lassen. Nicht immer wird es geschafft, in einem Jahr eine blühfähige dicke Zwiebel heranzubilden; dann werden
eben im nächsten Jahre nochmals Blätter gemacht und nochmals Energien gesammelt.
[...]


Einbanddecke mit Gärtner Pötschle

1970 — Pötschke, Harry: Gärtner Pötschkes großes Gartenbuch, Holzbüttgen.

Tulpe (Tulipa gesneriana)

Liliaceae - Liliengewächs. Im Vorderen Orient und in Persien ist die Tulpe bereits seit mehr als tausend Jahren bekannt und beliebt. Im sechzehnten Jahrhundert hielt sie ihren Einzug bei uns in Europa und darf heute in keinem Garten mehr fehlen. Durch intensive Kreuzung und Züchtung der zahlreichen Wildsorten verfügen wir jetzt über ein

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umfangreiches Sortiment der verschiedensten Sorten. Diese hier einzeln zu beschreiben, würde zu weit führen. In den Herbstkatalogen der Versandgärtnereien kannst du dir Jahr für Jahr neue, schöne Sorten aussuchen. Ich möchte dir nur die verschiedenen Klassen nennen, die vorwiegend angeboten werden.

ausgezeichnet zum Schnitt verwenden. Es gibt darunter sehr wohlriechende Arten.

Die gefüllten, frühen Tulpen sind auch außerordentlich frühblühend, werden etwa 30 cm hoch und eignen sich vorzüglich zur Grabbepflanzung, für Beete, Rabatten und zum Schnitt.

Die Darwin-Tulpen sind ausgesprochene Schnitt-Tulpen, die eine Höhe von 60 bis 75 cm erreichen. Sie blüehen nach den beiden erstgenannten Sorten in einem zauberhaften Farbenspiel.

Noch langstieliger sind die Breeder-Tulpen. Sie sind als ausgesprochen spätblühend anzusprechen.

Die Triumpf-Tulpen blühen zur gleichen Zeit wie die Darwin-Tulpen, werden aber nicht ganz so hoch und sind deshalb auch zur Beetpflanzung noch sehr gut zu verwenden.

Lilienblütige Tulpen sind durch ihre hübsche Blütenform beliebt, ebenso die Papageien-Tulpen, die durch ihre bizarren Blütenformen aufffallen.

Außer den genannten Klassen gibt es noch eine große Menge botanischer Tulpen, die sich vorwiegend für den Steingarten eignen, und kein Liebhaber sollte versäumen, sich von diesen Sorten einige zu besorgen. Tulpenzwiebeln sollten nur im Herbst, je nach Sorte 10 cm tief gepflanzt werden. Sie überwintern ohne Schutz, ich empfehle jedoch immer gern, auf die Pfanzstellen eine Schicht Torfmull auszubreiten. VorwitzigeTulpen, die schon im Herbst aus der Erde gucken, bekommen dann nicht so leicht die häßlichen, braunen Spitzen. Außerdem kann die Herbstsonne nicht direkt auf den Boden einwirken und die Zwiebeln zu verfrühtem Austrieb verlocken. Merke auch bei Tulpen: Niemals viele Jahre nacheinander auf das gleiche Beet bringen. Bodenmüdigkeit und Krankheiten führen dann leicht zu hohen Verlusten.

Ein bis zwei Jahre kannst du die Zwiebeln an Ort und Stelle stehenlassen. Dann mußt du sie aber, wenn das Laub abgestorben ist aus der Erde nehmen, den Sommer über kühl und trocken aufheben und im Herbst erneut einpflanzen.


1982 — Spangenberg, Christa: Elly Petersens praktisches Gartenlexikon, München.

Tulpe Tulipa - Liliaceae, Liliengewächse. Winterharte Zwiebelgewächse. Vorderasien. Sonne, Halbschatten, Schatten. Für Rabatte, Beete, Steingarten, Wildtulpen in Trupps unter Sträucher, frühe Gartentulpen für Gräber, Balkon, Treiberei. Stengel einfach, wenig beblätter. Blätter linealisch bis breit linealisch-lanzettlich. Blüten glockig, meist einzeln. Schnittblumen.

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Der Name Tulpe (toliban) stammt aus Persien. Die Blütenform ist turbanähnlich. In Vorderasien wurden schon viele Sorten gezüchtet, als die Tulpe bei uns noch völlig unbekannt war. Der Gesandte Busbeck brachte sie vom Hofe des Sultans 1554 nach Wien, von hier aus gelangte sie durch den Botaniker Clusius nach Leyden; 1559 blühte sie in den Gärten der Fugger in Augsburg. Größere Importe von Tulpenzwiebeln erreichten ab 1561 Holland, England und Frankreich. In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts spekulierte man vor allem in Holland mit Tulpen. Jeder Gärtner und jeder, der über ein kleines Stückchen Boden verfügte, züchtete neue Tulpensorten, geflammte, gestreifte, schwarze und bunte. Als der Preis 1637 auf 5.500 Gulden für die Zwiebel einer Sorte stieg, schritt die Regierung ein und setzte Höchstpreise fest. Diese Regelung führte zu einer unerwarteten Katastrophe. Die Spekulation brach in sich zusammmen. In dieser Zeit schuf Breughel das satirische Bild "Tulpenhandel"; Rubens malte seine Frau inmitten eines Tulpengartens; Dumas schrieb den Roman "Die schwarze Tulpe".
Heute nimmt die allgemeine Beliebtheit der Tulpe wieder zu. In den Niederlanden versuchen größere Züchtereien ständig neue Sorten hervorzubringen. Der Export der Tulpenzwiebeln spielt dort wirtschaftlich eine wichtige Rolle. Wer sich an der Tulpenpracht in Holland erfreuen will, dem sei im Frühjahr eine Fahrt nach Haarlem oder nach Lisse zum berühmten Keukenhof empfohlen. Er wird eine Tulpenschau ohnegleichen erleben. (Es folgen über eine Seite Sorten- und Pflanzhinweise).


1996 — Grohmann, Gerbert: Lesebuch der Pflanzenkunde, Stuttgart.

Deckel des Buches Grohmann, Pflanzenkunde
Von der Tulpe

Sie ist ein Frühlingsgewächs, ja, man kann sie sogar schon lange, ehe es draußen Frühling wird, im Zimmer zur Blüte bringen. Diese Eigenschaft hat die Tulpe noch mit anderen Zwiebelpflanzen gemein, wie z. B. mit der Hyazinthe. Der Grund, warum das überhaupt möglich ist, liegt darin, daß sie nicht ganz von vorn anfangen muß, wenn sie blühen will, wie es wäre, wenn sie jedesmal erst aus dem Samen keimen müßte.Das erste, was getan werden muß, ist darum eine genaue Betrachtung der Tulpenzwiebel.
  Außen hat sie eine lederartige braune Schale um sich, und innen sind die weißen Zwiebelschalen oder -schuppen.

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Ganz unten aber ist die Zwiebelscheibe. Sobald die Zwiebel anfängt zu treiben, wachsen dort Wurzeln heraus. Aber auch an alten Zwiebeln, die ausgegraben werden, weil sie schon verblüht sind, kann man die Wurzeln sehen. Die Zwiebelscheibe ist der Stamm der Zwiebel, der nur statt in die Länge in die Breite gewachsen ist. Am deutlichsten sieht man natürlich alles, wenn man eine Zwiebel längs durchschneidet, wie es auf dem Bilde gezeichnet ist. Oben ragt aus der Zwiebel der Blütenstängel heraus, und unten hat sich schon eine junge Zwiebel, ein Tochterzwiebel -wie man sagt- gebildet, denn jedes Jahr erneuert sich die Zwiebel aus sich selbst. Bald wird die Tochterzwiebel so groß wie die Mutterzwiebel geworden sein.
  Jede Tulpenzwiebel, die alte wie die neue, besteht aus Schalen. Diese Schalen sind nichts anderes als unterirdische, fleischig gewordene Blätter, welche auch nicht ergrünen, weil sie nicht an das Licht kommen. So ist also eine Zwiebel nicht etwa eine Wurzel, sie ist nichts anderes als ein stark verwandelter Trieb mit einem kurzen Stämmchen und schalenformigen Blättern. Die Wurzeln sind erst ganz unten. Wenn die Zwiebel treibt und grüne Blätter und eine Blüte hervorbringt, wächst eben aus der unterirdischen, verwandelten Pflanze eine zweite, grüne nicht verwandelte hervor. Das ist das Geheimnis der Tulpenzwiebel.
  Die Tulpe hat es wirklich sehr eilig, wenn sie sich im Frühling aus ihrer Zwiebel herausschießt. So schnell wie möglich möchte sie zur Blüte gelangen. Darum ist sie ja in ihren Teilen nur einfach gebildet, ihre Stengelblätter sind zungenförmig, und auch die Blumenblätter sind nicht viel kunstvoller. So bilden Tulpen z. B. nicht einmal grüne Kelche aus, weshalb man ihre Blütenhülle eben einfach nennt. Zunächst, in der Knospe nämlich, sieht es so aus, als ob die Tulpe einen grünen Kelch hätte; dann aber zeigt es sich, da? es nur die Blumenblätter sind, welche anfangs noch nicht buntfarbig sind. Erst wenn die Tulpe sich öffnet, sind sie farbig geworden. Es kommt einem vor, als ob die Tulpe erglühen würde.
  Sehr oft kann man eine interessante Mißbildung beobachten. Es kommen nämlich zuweilen Tulpen vor, bei denen schon die obersten Stengelblätter ganz oder doch wenigstens zur Hälfte buntfarbig geworden sind. Manchmal haben sie auch bunte Ränder. Bei wieder anderen dieser Mißbildungen ist ein Blütenblatt teilweise noch grün geblieben. An solchen Wunderlichkeiten kann man eben sehen, daß die Tulpe Laubblätter und Blumenblätter noch nicht richtg unterscheiden kann. Bei der Rose kann man solche Verwechslungen nicht beobachten. Die Rose ist eben eine vollkommenere Pflanze als die Tulpe. Werfen wir aber nun die Frage auf, wie denn die Tulpe eigentlich zur Erde steht! Sie eilt zur Blüte rasch hin, um bald darauf wieder unter der Erde zu verschwinden.
  Aber es besteht doch ein sehr großer Unterschied zwischen den unterirdischen Teilen der Tulpen und denjenigen z. B. der Bäume.Bäume haben unter der Erde nur ihre holzigen Wurzelstöcke, die Tulpe hat ihre blättrige Zwiebel unter der Erde. Ja, sie ist ganz und gar wässrig, und nirgends hat sie einen holzigen Teil. Sie nimmt etwas vom Erdenwasser für sich allein und schließt es durch ihre derbe Haut ab, so daß man sie sogar aus der Erde herausnehmen und für sich aufbewahren kann. Bei einer Rose würde das nicht gehen. So sagt die Tulpe: Ich will meinen Kopf für mich alleine haben!
  Wenn sie aus der Erde herausgeschossen ist und geblüht hat, müßte sie zwar eigentlich eine Frucht bilden, wie die Rose die Hagebutte. Das bringt sie aber nicht fertig. Sie umhüllt ihre Samen rasch mit einer trockenen Samenkapsel und schickt das Fruchtige in ihre Zwiebel, damit diese stark und fleischig werde. So ist die Zwiebel auch gleichzeitig wie eine Frucht, eine Frucht, welche statt in der Blüte in der Erde darinnen steckt. Wenn die Tulpe dann im Frühling keimt, so zehrt sie die in ihrer Zwiebel gespeicherten Nährstoffe wieder auf, während die wirklichen Früchte für die anderen Erdenwesen, für Tiere und Menschen, und nicht für die Pflanze selbst da sind. Also kann die Zwiebel doch keine echte Frucht sein.

Abbbildung aus Grohmann, Pflanzenkunde

Wenn man eine ausgereifte Tulpenzwiebel längs durchschneidet und das Innere mit einem Vergrößerungsglas betrachtet, so kann man eine merkwürdige Entdeckung machen: Im Herzen der Zwiebel sitzt keimhaft schon die Blüte des nächsten Jahres sowie ganz klein und zusammengezogen auch die Stengelblätter. Sind auch alle Teile nur veranlagt, die Blumenblätter farblos, Staubgefäße und Stempel noch undeutlich, so sind sie doch immerhin bereits vorhanden. Der Stengel braucht sich nur zu strecken, die Teile sich vergrößern, und die Blüte kann sich entfalten; denn sie schlummert, in den fleischigen Zwiebelschuppen eingeschlossen, schon den ganzen Winter. Die Tulpe braucht also nicht erst zu warten wie die Rose, bis sie längere Blütentriebe gebildet hat, um erblühen zu können. Das ist ein großer Unterschied zwischen beiden Pflanzen.
  Die Tulpe ist keine einheimische Pflanze. Sie stammt aus den Steppengebieten des Orients. Wohl gibt es bei uns eine wildwachsende, sehr schöne, schlanke und gelbblühende Tulpenart, die Waldtulpe; aber wahrscheinliich ist auch sie eine schon vor langer Zeit verwilderte, fremdländische Tulpe-
  In den Jahren 1634 bis 1640 hatte sich in der holländischen Stadt Haarlem die Tulpenliebhaberei zu einem richtigen Wahn entwickelt. In Büchern wurden über 500 verschiedene Sorten verzeichnet, die auch auf Tulpenbörsen gehandelt wurden. Für die seltensten Sorten wurden schwindelhaft hohe Preise gezahlt, und nicht nur in Geld, sondern auch Roß und Wagen, Häuser, ja, große und wertvolle Schiffe wurden für eine einzige seltene Tulpenzwiebel geboten und gegeben. Der höchste Preis, der damals für eine einzige Tulpenzwiebel gezahlt worden ist, beträgt nicht weniger als 13 000 holländische Gulden. Als die Tulpenraserei so gefährlich geworden war, daß sie schon sehr viel Unglück angerichtet hatte, mußte der Handel mit Tulpen schließlich verboten und unter hohe Strafen gestellt werden.
  Mag uns die Narretei wegen einer Zwiebel, die man nicht einmal essen kann, die nur eine schöne Blume hervorbringt, heute immerhin unbegreiflich vorkommen, so stellt sie doch der Pflanze, um die es sich handelt, und ihrer Schönheit ein hohes Zeugnis aus.


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